Anzei­ge
ConvaTec AquacelFoam

Sachverhalt

Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm (OLG) hat über einen Fall ent­schie­den, bei dem der Klä­ger auf­grund einer grob feh­ler­haf­ten Behand­lung zu spät ent­bun­den wur­de und infol­ge des­sen unter schwe­ren Hirn­schä­di­gun­gen lei­det. Die Mut­ter des Klä­gers ließ sich im Novem­ber 2008 bei dem beklag­ten nie­der­ge­las­se­nen Fach­arzt für Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe unter­su­chen und ein CTG erstel­len. Bis­her ver­lief die Schwan­ger­schaft unkom­pli­ziert und es gab kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten. Das CTG ließ aller­dings auf eine Sauer­stoff­un­ter­ver­sor­gung des Kin­des hin­wei­sen, sodass die Mut­ter sofort in ein Kran­ken­haus zur Ent­bin­dung gemusst hätte.

Der behan­deln­de Arzt hat­te das CTG und den patho­lo­gi­schen Befund jedoch erst 50 Minu­ten spä­ter zur Kennt­nis genom­men. Er führ­te zunächst zur Über­prü­fung eine Dopp­ler-Ultra­schall­un­ter­su­chung durch – die­se Maß­nah­me war nicht zu bean­stan­den. Anstatt die Mut­ter aller­dings direkt in ein Kran­ken­haus zu über­wei­sen, schick­te er sie vor­erst noch nach Hau­se, damit sie ihre Tasche holen kön­ne und um dann eigen­stän­dig in ein Kran­ken­haus zu fahren.

Entscheidung des OLG Hamm

Laut dem Urteil des 3. Zivil­se­nats des OLG Hamm (Az.: 3 U 63/15) han­delt es sich ins­ge­samt um eine grob feh­ler­haf­te Behand­lung sei­tens des Fach­arz­tes. Zunächst ein­mal hät­te er das CTG inner­halb von spä­tes­tens 15–20 Minu­ten nach Auf­nah­me zur Kennt­nis neh­men müs­sen. Zudem hät­te er die Mut­ter – auf­grund des CTG-Befun­des sowie des auf dem Ultra­schall erkenn­ba­ren umge­kehr­ten Blut­flus­ses (Rever­se Flow) in der Nabel­schnur­ar­te­rie – direkt in eine Ent­bin­dungs­kli­nik schi­cken müs­sen, gege­be­nen­falls mit einem Rettungswagen.

Ins­ge­samt sei der Klä­ger daher mit einer Ver­zö­ge­rung von unge­fähr 45 Minu­ten zur Welt gekom­men, was mit­ur­säch­lich für den ein­ge­tre­te­nen Hirn­scha­den gewe­sen sei. Da das Behand­lungs­ge­sche­hen als grob feh­ler­haft ein­ge­stuft wur­de, oblag die Beweis­last bei dem behan­deln­den Arzt. Dafür, dass der Hirn­scha­den auch bei rich­ti­ger Behand­lung ein­ge­tre­ten wäre, lag jedoch kein Beweis vor. Die Fol­gen des Hirn­scha­dens sind eine beein­träch­tig­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit, Inter­ak­ti­ons­mög­lich­keit und kör­per­li­che Beweg­lich­keit. Dem Klä­ger wur­de daher ein Schmer­zens­geld in Höhe von 400.000 Euro zugesprochen.

Das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Müns­ter (Az.: 111 O 165/11) wur­de mit dem Urteil des OLG Hamm abge­än­dert. Es ist nicht rechts­kräf­tig, eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim Bun­des­ge­richts­hof (BGH) wur­de ein­ge­legt (Az.: BGH VI ZR 178/18).