Die erste Versammlung des BochumerBundes hat kürzlich digital stattgefunden.
Pflege­kraft mit Patien­tin.Bild: © Rawpi­xeli­mages | Dreamstime.com

An der ersten Mitglie­der-Vollver­samm­lung nach der Gründung des Bochu­mer­Bun­des (BB) am 12. Mai dieses Jahres betei­lig­ten sich 115 von annähernd 1.000 in der Gewerk­schaft zusam­men­ge­schlos­se­nen Pflegen­den. Bei der Versamm­lung am 14. Novem­ber dominierte der Blick nach vorne: Viele ambitio­nierte Vorha­ben stehen auf der Aufga­ben­liste für 2021. Die Tages­ord­nung umfasste neben Berich­ten und Anträ­gen unter anderem Wahlen.

Die Vollver­samm­lung ist das höchste Organ des Bochu­mer­Bun­des, der auf ein Delegier­ten­sys­tem verzich­tet. Dieser basis­de­mo­kra­ti­sche Ansatz sowie die gewerk­schaft­li­chen Grund­satz­po­si­tio­nen finden unter Pflegen­den offen­bar großen Anklang. Dies spiegelt sich in stetig steigen­den Mitglie­der­zah­len wider, wie der Vorstands­vor­sit­zende Benja­min Jäger darlegte. Beson­ders stark vertre­ten ist die Pflege­ge­werk­schaft in Nordrhein-Westfa­len. Zu den Hochbur­gen zählen außer­dem Bayern und Niedersachsen.

Im ersten halben Jahr seines Bestehens hatte sich der Bochu­mer­Bund vor allem darauf konzen­triert, sich in der Fachöf­fent­lich­keit bekannt­zu­ma­chen und Mitglie­der zu gewin­nen. Einen zweiten Schwer­punkt bildete der Aufbau inter­ner Struk­tu­ren. In den kommen­den Jahren will die Pflege­ge­werk­schaft die Profes­sio­na­li­sie­rung seiner gewerk­schaft­li­chen Arbeit durch ein Bündel von Maßnah­men vorantreiben.

2021: Bochu­mer­Bund will erste Tarif­ver­träge abschlie­ßen und Mitglie­der­zahl deutlich erhöhen

Entspre­chend hat sich der Bochu­mer­Bund für 2021 ehrgei­zige Ziele gesteckt. So will er im kommen­den Jahr erste Tarif­ver­träge abschlie­ßen. Gesprä­che mit Inter­es­sen­ten laufen bereits. Eine Entgelt­ta­belle des Bochu­mer­Bun­des für einen Tarif­ver­trag in der Pflege wird ausge­ar­bei­tet. „Viele Unter­neh­men haben bereits Anfra­gen gestellt und uns signa­li­siert, dass sie uns als Tarif­part­ner akzep­tie­ren. Damit werden wir unsere Legiti­ma­tion als Gewerk­schaft ausbauen“, so der Vorstands­vor­sit­zende Jäger. Die Mitglie­der­zahl soll schon im nächs­ten Jahr auf 5.000 wachsen. „Diese Zahl ist realis­tisch“, unter­strich er.

Ausbau der Leistun­gen für Mitglie­der geplant

Darüber hinaus wird der Bochu­mer­Bund seine Leistun­gen für Mitglie­der deutlich ausbauen. So soll ab kommen­dem Jahr eine Berufs­recht­schutz­ver­si­che­rung im Beitrag enthal­ten sein. Auch laufen Gesprä­che über eine Mitglie­der­zei­tung mit berufs­be­zo­ge­nen Inhal­ten. Eine deutli­che Mehrheit auf der Vollver­samm­lung stimmte entspre­chen­den Verhand­lun­gen mit dem mögli­chen Koope­ra­ti­ons­part­ner zu.

Die angedach­ten Leistun­gen wie auch die ambitio­nier­ten Zukunfts­pläne schla­gen sich in höheren Beiträ­gen nieder: Die Mitglie­der setzten ihn auf 12,50 Euro monat­lich fest. Azubis, Studie­rende und Perso­nen in prekä­ren Lebens­la­gen zahlen künftig 4 Euro im Monat – inklu­sive aller Leistun­gen. Finanz­vor­stand Lukas Böcken­holt hatte nach einem Überblick über die finan­zi­elle Situa­tion der Pflege­ge­werk­schaft angesichts der vielen Vorha­ben und der laufen­den Kosten für eine Beitrags­er­hö­hung geworben.

Große Resonanz auf offenen Brief zur umstrit­te­nen „Ehrenpflegas“-Serie

Die Abtei­lung Öffent­lich­keits­ar­beit hat den Bochu­mer­Bund vor allem in den sozia­len Medien als feste Größe etabliert. Das Team um Lino Huitenga bespielt mit stark wachsen­den Nutzer­zah­len Facebook, Twitter, Insta­gram und Telegram. „Über die sozia­len Medien erfolgt ein großer Teil unserer Neumit­glie­der­wer­bung“, so Huitenga. Große Aufmerk­sam­keit erregte unter anderem ein offener Brief des BB zur umstrit­te­nen YouTube-Serie „Ehren­pfle­gas“, den Aktive der Öffent­lich­keits­ar­beit verfasst hatten. Diverse Projekte wie ein Newslet­ter befin­den sich in Planung.

Auch die inhalt­li­che Positio­nie­rung nahm auf der Vollver­samm­lung mit drei Anträ­gen zu tarif­recht­li­chen Grund­sät­zen, zur Perso­nal­be­mes­sung sowie zur Pflege­aus­bil­dung breiten Raum ein. Die Mitglie­der verwie­sen zwei der Anträge nach einge­hen­der Diskus­sion in die Tarif­kom­mis­sion sowie in eine noch zu bildende Exper­ten­gruppe weiter. Die Vollver­samm­lung sprach sich deutlich für einen Grade-Mix in allen Pflege­set­tings aus. Dabei ist nicht nur der Ist-Zustand zu berück­sich­ti­gen, sondern auch ein Soll. „Hierfür ist es notwen­dig, geeig­nete Perso­nal­be­mes­sungs­in­stru­mente einzu­set­zen und ggf. vorhan­dene inter­na­tio­nale Konzepte auf die Bedin­gun­gen in Deutsch­land anzupas­sen“, führte die neu gewählte Beisit­ze­rin Kerstin Paulus aus.

Gewerk­schaft setzt auf rege Parti­zi­pa­tion der Mitglieder

Wie der Vorstands­vor­sit­zende Benja­min Jäger in diesem Zusam­men­hang betonte, will die Pflege­ge­werk­schaft ihre inhalt­li­che Arbeit deutlich stärken: „Wir wünschen uns auch in diesem Bereich eine rege Parti­zi­pa­tion unserer Mitglie­der.“ Ein hierfür geeig­ne­tes Forum sind BB-Exper­ten­grup­pen. Die Vollver­samm­lung hatte einer Satzungs­än­de­rung des Vorstands zugestimmt, nach der sich solche Gruppen inner­halb des Bochu­mer­Bunds bilden können, um Themen nach Wahl inhalt­lich zu vertie­fen. Weitere von den Mitglie­dern beschlos­sene Satzungs­än­de­run­gen präzi­sie­ren die Gliede­rung des BB in Landes- und Regionalvereinigungen.

Außer­dem wird die Pflege­ge­werk­schaft nach einer entspre­chen­den Satzungs­än­de­rung fortan von einer Doppel­spitze angeführt. Die Mitglie­der wählten Heide Schnei­der zur zweiten Vorstands­vor­sit­zen­den neben Benja­min Jäger. Als stell­ver­tre­tende Vorsit­zende agiert jetzt Clarissa Fritze genannt Grußdorf. Außer­dem wurde der Vorstand um mehrere Beisit­ze­rin­nen und Beisit­zer erwei­tert, nämlich um Selma Möllen­beck, Malte Hanelt, Kerstin Paulus und Darije Lazovic. Die Tarif­kom­mis­sion wurde ergänzt um Jana Gromzick, Frank Boden, Lino Huitenga, Benja­min Kunz und Uwe Müller.

Bereits ein halbes Jahr nach seiner Gründung hat der Bochu­mer­Bund Einiges erreicht, wie in den Berich­ten auf der digita­len Vollver­samm­lung deutlich wurde: So ist die Pflege­ge­werk­schaft im Errich­tungs­aus­schuß der Pflege­kam­mer Nordrhein-Westfa­len vertre­ten. Für die Pflege­kam­mer-Wahlen in Rhein­land-Pfalz im kommen­den Jahr wird der BB eine eigene Wahlliste aufstel­len. Darüber hinaus koope­riert er mit diver­sen Akteu­ren in der Pflege bzw. im Gesund­heits­we­sen. „Unsere Vernet­zung wollen wir aber noch deutlich ausbauen“, kündigte Jäger an.