Die Pflegekammer Niedersachsen hat die Erhöhung des Mindestlohns für Pflegefachkräfte auf 15 Euro als «Witz» bezeichnet.
Die hat die Erhö­hung des Min­dest­lohns für Pfle­ge­fach­kräf­te auf 15 Euro als «Witz» bezeich­net.© Cher­nets­ka­ya | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Die Pfle­ge­min­dest­lohn­kom­mis­si­on hat erst­mals Lohn­un­ter­gren­zen nicht nur wie bis­her für die Pfle­ge­hel­fe­rIn­nen, son­dern auch für die exami­nier­ten Fach­kräf­te beschlos­sen. Dass dabei bloß 15 € pro Stun­de her­aus­ge­kom­men sind, kom­men­tiert die Pfle­ge­kam­mer Nie­der­sach­sen als einen Witz, wie auch ein Arti­kel der Welt berich­tet.

Tat­säch­lich ist die­se Lohn­hö­he kein Witz, son­dern ein Ärger­nis, denn mit 2600 € brut­to lockt man kei­ne neu­en Fach­kräf­te in den Beruf und kei­nen der vie­len Aus­stei­ger zurück. Und man hält auch nicht jene, die über­haupt noch in der arbei­ten. Aller­dings müs­sen sich die Pfle­ge­kam­mern die Fra­ge gefal­len las­sen, was kon­kret sie selbst dazu bei­tra­gen, die Situa­ti­on zu ver­bes­sern. Tat­säch­lich waren sie bis­her vor allem mit Selbst­fin­dung und dem Pro­blem beschäf­tigt, ob sie nun Bei­trä­ge von ihren Mit­glie­dern erhe­ben sol­len oder nicht. Auch hier ste­hen sie wie­der nur am Rand. Wenn ihnen in die­ser ent­schei­den­den Fra­ge nichts bes­se­res ein­fällt, als Tarif­ver­trä­ge her­bei­zu­ru­fen, statt sich ein­mal mutig und laut­stark vor die Zen­tra­len der Kran­ken­kas­sen zu stel­len und höhe­re Ver­gü­tun­gen für die Leis­tun­gen der Behand­lungs­pfle­ge zu for­dern, aus denen die Pfle­ge­diens­te dann höhe­re Löh­ne finan­zie­ren kön­nen, darf man sich sol­che Kam­mern getrost spa­ren.

Der Beschluss der Kom­mis­si­on ist nicht das star­ke Signal, auf das die Pfle­ge war­tet. Aber er ist in einer bestehen­den Ver­hand­lungs­wirk­lich­keit, in der bis­her noch fast aus­schließ­lich die Kas­sen den Takt vor­ge­ben, immer­hin ver­nünf­tig. Mit Tarif­ver­trä­gen allein kommt man in der ambu­lan­ten Pfle­ge nicht wei­ter. Bun­des­weit arbei­ten durch­schnitt­lich jeweils so weni­ge Beschäf­tig­te pro Pfle­ge­dienst, dass es kaum gewerk­schaft­li­che Prä­senz gibt.

Hier müs­sen des­halb neue Wege gegan­gen wer­den, die z.B. die noch zu enge Bin­dung des § 132 a Abs. 4 SGB V an Tarif­ver­trä­ge erwei­tern. Kommt näm­lich nicht rasch deut­lich mehr Geld bei den ambu­lan­ten Fach­kräf­ten an, fin­den die neu­en Vor­be­halts­tä­tig­kei­ten nach dem Pfle­ge­be­ru­fe­ge­setz bald nur noch im Kran­ken­haus statt.