Ukraine
Ukrai­ni­sche Solda­ten auf einem PanzerBild: Alexan­der Kolupaev/Dreamstime.com

Angesichts des schreck­li­chen Krieges von Russland in der Ukraine gibt es massive Proteste aus der Ärzte­schaft im eigenen Land: In einem aufse­hen­er­re­gen­den Offenen Brief von russi­schen Ärzten, Kranken­schwes­tern und ‑pflegern, Psycho­lo­gen sowie Sanitä­tern an Wladi­mir Putin fordern diese ein sofor­ti­ges Ende der russi­schen Militär­ope­ra­tio­nen in der Ukraine. Mehr als 11.500 Unter­zeich­ner von Angehö­ri­gen sämtli­cher ärztli­cher, psycho­the­ra­peu­ti­scher und pflege­ri­scher Diszi­pli­nen verzeich­net der Aufruf derzeit, und es werden immer mehr. Damit wird zugleich deutlich, dass die russi­sche Regie­rungs-Propa­ganda vom weitge­hend harmlo­sen, gutwil­li­gen „militä­ri­schen Spezi­al­ein­satz“ gegen ein „Faschis­ten- und Neonazi-Regime“ in der Ukraine auch im eigenen Land zuneh­mend weniger wirkt.

Russi­sche Ärzte und Pflege gegen Putin

„Unser Auftrag ist es, mensch­li­ches Leben zu retten. Es ist schwer vorstell­bar, sich einen Beruf vorzu­stel­len, der sich noch mehr der Mensch­lich­keit verschrie­ben hat als der des Arztes. Und jetzt, zu dieser schwe­ren Zeit für beide Länder, rufen wir zu einem sofor­ti­gen Stopp der Feind­se­lig­kei­ten auf, und zur Lösung aller politi­schen Probleme ausschließ­lich mittels fried­li­cher Mittel“, heißt es in dem bewegen­den, auf Russisch und Englisch veröf­fent­lich­ten Brief.

„Unsere Verwand­ten, Freunde, Patien­ten und Kolle­gen befin­den sich in den angegrif­fe­nen Gebie­ten. Nicht ein einzi­ger von ihnen kann durch das andau­ernde Blutver­gie­ßen profi­tie­ren. Wir können uns nicht von all dem Schmerz und dem Leiden abwen­den, das sich minüt­lich steigert.“

Auch Pflege­ver­band DBfK und Weltver­band ICN protes­tie­ren gegen den Krieg

Unter­des­sen protes­tiert auch das Gesund­heits­we­sen scharf gegen den russi­schen Angriffs­krieg. In einer Stellung­nahme verur­teilt der Deutsche Berufs­ver­band für Pflege­be­rufe (DBfK) den kriege­ri­schen Angriff. „Wir sind in tiefer Sorge um die Gesund­heit der Menschen in den betrof­fe­nen Kriegs­ge­bie­ten und bestürzt über die damit ausge­löste humani­täre Krise“, so Bundes­ge­schäfts­füh­re­rin Dr. Bernar­dette Klapper und Präsi­den­tin Prof. Chris­tel Bienstein in ihrer gemein­sa­men Stellung­nahme. „Mit unseren Kolle­gin­nen und Kolle­gen im Einsatz vor Ort fühlen wir uns solida­risch verbunden.“

Damit schloss sich der DBfK zugleich dem Aufruf des Pflege-Weltver­bands Inter­na­tio­nal Council of Nurses (ICN) an, der Angriffe auf Gesund­heits- und Pflege­per­so­nal in Kampf­ge­bie­ten brand­markte. „Jegli­cher Angriff oder Anvisie­rung von Gesund­heits­per­so­nal oder Gesund­heits­ein­rich­tun­gen verstößt gegen den in inter­na­tio­na­len Vorschrif­ten und der Genfer Konven­tion veran­ker­ten Schutz des Gesund­heits­per­so­nals und ist ein Affront gegen die Mensch­heit“, schreibt das ICN. „Der Schutz und die Sicher­heit von Pflegen­den und Mitar­bei­tern des Gesund­heits­we­sens in der Ukraine ist von aller­größ­ter Bedeutung.“

Gruppe um Pflegerats-Präsi­den­tin Vogler gründet private Hilfs­in­itia­tive „Health4Ukraine“

Unter­des­sen organi­siert eine private Initia­tive schnelle und unbüro­kra­ti­sche Hilfe: Das Organi­sa­to­ren-Trio aus Chris­tine Vogler, Präsi­den­tin des Deutschen Pflegerats (DPR), Björn Zeien, Gründer des Unter­neh­mens „health h“ aus dem nieder­rhei­ni­schen Scherm­beck für digitale Lösun­gen im Gesund­heits­we­sen, sowie Pflege-Unter­neh­mens­be­ra­ter Sascha Platen hat die Hilfs­platt­form „Health4Ukraine“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, mobili­täts­ein­ge­schränkte Perso­nen, Pflege­be­dürf­tige und deren Angehö­rige aus umkämpf­ten in siche­rere Gebiete zu bringen. Außer­dem sollen Betrof­fene aus dem Kriegs­ge­biet auch an Pflege­ein­rich­tun­gen in ganz Deutsch­land vermit­telt werden.

Bei ihrer Arbeit nutzen sie Kontakte zur ukrai­ni­schen Botschaft in Deutsch­land, zu Pflege­hei­men und Kontakt­per­so­nen in Deutsch­land sowie Nachbar­län­dern. Die Gruppe ruft Pflege­ein­rich­tun­gen dazu auf, freie Kapazi­tä­ten an die ukrai­ni­sche Botschaft sowie der Initia­tive selbst zu melden. Aber auch für sonstige Hilfs­an­ge­bote können sich Unter­neh­men und Privat­per­so­nen melden.

„Der Krieg in der Ukraine verur­sacht Leid in für uns unvor­stell­ba­rem Ausmaß. Aber, Betrof­fene aller Alters­grup­pen erfah­ren in der humani­tä­ren Katastro­phe ebenso große Solida­ri­tät aus den Nachbar­län­dern“, schrei­ben die drei zu ihrer Initia­tive. „Schwie­rig ist dies aller­dings bei pflege­be­dürf­ti­gen Perso­nen. Und genau da liegt unsere Kompe­tenz.“ Ein Kontakt­for­mu­lar befin­det sich auf der Website der Initiative.