Die Telemedizin schafft neue Methoden der Patientenbehandlung.
Eine Pati­en­tin, die sich per Video­sprech­stun­de von dem Arzt bera­ten und behan­deln lässt.Bialasiewicz/Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Wenn es um ein zukunfts­fes­tes Gesund­heits­sys­tem geht, taucht immer öfter ein Schlag­wort auf: Tele­me­di­zin. Das klingt nach Moder­ni­tät und Fort­schritt und ist beson­ders bei Poli­ti­kern beliebt. Aber was ist an den Ver­hei­ßun­gen dran? „Aus Tele­me­di­zin wird ein Rie­sen­hype gemacht, obwohl sie den Behand­lungs­not­wen­dig­kei­ten und Pati­en­ten­wün­schen nicht gerecht wird“, stell­te die Freie Ärz­te­schaft (FÄ) am Wochen­en­de auf ihrer Klau­sur­ta­gung in Kas­sel fest. Hier wür­den offen­bar Inter­es­sen der IT- und Tele­ma­tik­in­dus­trie bedient, aber nicht die der Pati­en­ten.

Telemedizinprojekte verschlingen viel Geld

Von weni­gen Aus­nah­men abge­se­hen, wie bei­spiels­wei­se der Fern­be­fun­dung von Rönt­gen- oder CT-Bil­dern, gebe es kaum sinn­vol­le Tele­me­di­zin­pro­jek­te. „Gesetz­li­che Kran­ken­kas­sen muss­ten bereits fest­stel­len, dass dera­ti­ge Pro­jek­te viel Geld ver­schlin­gen, aber weder ihren medi­zi­ni­schen Sinn erfül­len noch sich wirt­schaft­lich rech­nen“, erläu­ter­te FÄ-Vor­sit­zen­der Wie­land Diet­rich. „Tele­me­di­zin wird pro­pa­giert, um ‚Ver­sor­gungs­lü­cken‘ etwa auf­grund von Ärz­te­man­gel zu schlie­ßen – die Ursa­chen für die Män­gel im Gesund­heits­we­sen wer­den aber wei­ter igno­riert.“

Ein beson­de­res Auge hat die Freie Ärz­te­schaft auf die soge­nann­te Tele­kon­sul­ta­ti­on gewor­fen, bei der Arzt und Pati­ent etwa über Video in Kon­takt ste­hen. „Soll­te dies für Pati­en­ten und Ärz­te hilf­reich sein, wird sich die Tele­kon­sul­ta­ti­on in einem frei­en Markt eta­blie­ren. Den­noch erset­zen Video­sprech­stun­den kei­nen ein­zi­gen Arzt, weil der Arzt, der die Video­sprech­stun­de macht, nicht gleich­zei­tig in der rea­len Sprech­stun­de Pati­en­ten behan­deln kann.“

Persönlicher Kontakt unersetzlich

„Beson­ders ein Erst­kon­takt mit einem Pati­en­ten via elek­tro­ni­scher Medi­en“, so der FÄ-Chef, „kann nicht mehr leis­ten, als das Anlie­gen des Pati­en­ten hin­sicht­lich sei­ner Dring­lich­keit ein­zu­ord­nen. Also die Fra­ge zu beant­wor­ten: Braucht ein Pati­ent zügig oder weni­ger zügig die rich­ti­ge Dia­gno­se und die rich­ti­ge Behand­lung.“ Von Behand­lung via Tele­me­di­zin kön­ne gar nicht die Rede sein. Das ärzt­li­che Berufs­recht schrei­be im Übri­gen bei jeder ärzt­li­chen Behand­lung einen per­sön­li­chen phy­si­schen Erst­kon­takt vor, der Arzt müs­se den Pati­en­ten also min­des­tens ein­mal gese­hen haben. „Das ist aus­ge­spro­chen sinn­voll und soll­te so blei­ben – auch wenn seit vie­len Jah­ren Lob­by­is­ten der Indus­trie ver­su­chen, die­se Bestim­mung abschaf­fen zu las­sen.“

Diet­rich betont wei­ter­hin, dass auch lang­jäh­ri­ge per­sön­li­che Beglei­tung und Kennt­nis der Lebens­um­stän­de eines Pati­en­ten sowie die Mög­lich­keit zur psy­cho­so­zia­len Bera­tung und Ein­fluss­nah­me Erfolgs­fak­to­ren einer guten Behand­lung sind. Die Fern­be­hand­lung dage­gen schaf­fe Distanz und schrän­ke die Mög­lich­kei­ten des Arz­tes ein. Vor allem aber kön­ne der Pati­ent nicht kör­per­lich unter­sucht wer­den und es lie­ßen sich kei­ne ers­ten dia­gnos­ti­schen Maß­nah­men wie etwa eine Blut­ent­nah­me durch­füh­ren – dadurch könn­ten sich die Dia­gno­se­stel­lung und letzt­lich die Behand­lung ver­zö­gern.