Bei einem Jobwechsel gelten jeweils bestimmte Regelungen bezüglich des Urlausbanspruchs
Bei einem Job­wech­sel gel­ten bestimm­te Rege­lun­gen bezüg­lich des Urlaubs­an­spruchs.Gina­san­ders | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Wer mit der Absicht spielt im lau­fen­den Kalen­der­jahr den Arbeits­platz zu wech­seln, soll­te sich auch Gedan­ken über die mit dem Wech­sel ver­bun­de­nen Aus­wir­kun­gen auf den machen. Denn nach § 6 Abs. 1 des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes (BUr­lG) dür­fen Arbeit­neh­mer von einem Job­wech­sel nicht der­art pro­fi­tie­ren, dass sie plötz­lich einen dop­pel­ten gel­tend machen kön­nen.

Aus­gangs­punkt jeg­li­cher Über­le­gung ist dabei die Zahl der Urlaubs­ta­ge pro Jahr, die sowohl von dem alten wie auch von dem neu­en Arbeit­ge­ber grund­sätz­lich gewährt wird. Gehen wir im Fol­gen­den zunächst davon aus, dass bei bei­den Arbeit­ge­bern ein iden­ti­scher Jah­res­ur­laubs­an­spruch von jeweils 24 Tagen bezo­gen wer­den kann.

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Anteiliger Urlaubsanspruch bei Jobwechsel

Bei der Berech­nung der noch aus­ste­hen­den Urlaubs­ta­ge kommt es dar­auf an, ob das bis­he­ri­ge Arbeits­ver­hält­nis in der ers­ten Jah­res­hälf­te – d.h. vor dem 1. Juli – auf­ge­löst wur­de oder erst danach.

Kün­digt der Arbeit­neh­mer sei­nen Job wäh­rend der ers­ten Jah­res­hälf­te, so hat er bei sei­nem bis­he­ri­gen Arbeit­ge­ber einen antei­li­gen Urlaubs­an­spruch von 1/12 des Jah­res­ur­laubs für jeden Monat, in dem der Ange­stell­te im bis­he­ri­gen Kalen­der­jahr im Betrieb tätig war. Kün­digt er also bei­spiels­wei­se zum 31. Mai, so war er in die­sem Jahr fünf Mona­te lang Teil des Betriebs. Für die­sen Zeit­raum steht ihm ein Urlaubs­an­spruch von 5/12 des Jah­res­ur­laubs zu. In unse­rem Fall also zehn Tage.

Kann der Arbeit­neh­mer die­se zehn Tage vor dem Job­wech­sel nicht kom­plett bean­spru­chen, so hat er mit Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses das Recht auf einen Urlaubs­ab­gel­tungs­an­spruch (§ 7 Abs. 4 BUr­lG). Der Arbeit­ge­ber muss hier­bei eine Lohn­nach­zah­lung für nicht gewähr­te Urlaubs­ta­ge leis­ten. Den rest­li­chen Jah­res­ur­laub von 14 Tagen kann der Arbeit­neh­mer dann pro­blem­los bei sei­nem neu­en Arbeit­ge­ber gel­tend machen.

Umge­kehrt gilt: Hat der Arbeit­neh­mer in der ers­ten Jah­res­hälf­te mehr Urlaub genom­men, als ihm eigent­lich antei­lig zustand, so muss er sich die­se „Über­schrei­tung“ beim neu­en Arbeit­ge­ber anrech­nen las­sen. Hat der Arbeit­neh­mer bis zur Ver­trags­auf­lö­sung am 31. Mai bei­spiels­wei­se bereits 15 Urlaubs­ta­ge bean­sprucht, obwohl ihm antei­lig für die­sen Zeit­raum nur zehn Tage zustan­den, so hat er beim neu­en Arbeit­ge­ber nur noch Anspruch auf die neun ver­blei­ben­den Urlaubs­ta­ge.

Anspruch auf Jahresurlaub bereits erworben, was nun?

Kommt es zur Ver­trags­auf­lö­sung wäh­rend der zwei­ten Jah­res­hälf­te – sagen wir zum 31. August – so hat der Arbeit­neh­mer bereits den Anspruch auf sei­nen kom­plet­ten Jah­res­ur­laub beim alten Arbeit­ge­ber erwor­ben. Hat er die­sen bereits kom­plett ein­ge­löst oder aus­ge­zahlt bekom­men, so steht ihm für den Rest des Jah­res kein wei­te­rer Urlaub beim neu­en Arbeit­ge­ber zu. Sind hin­ge­gen Urlaubs­ta­ge noch offen, so muss der neue Arbeit­ge­ber den Urlaub nur antei­lig für die rest­li­chen Mona­te gewäh­ren.

Ein Aus­nah­me­fall besteht jedoch dann, wenn der neue Arbeit­ge­ber grund­sätz­lich mehr Urlaubs­ta­ge im Jahr gewährt, als der bis­he­ri­ge. In die­sem Fall kann es sein, dass dem Arbeit­neh­mer noch Urlaub zusteht, obwohl er sei­nen bis­he­ri­gen Anspruch bereits kom­plett bei sei­nem alten Arbeit­ge­ber erschöpft hat.

Gewäh­ren bei­de Arbeit­ge­ber unter­schied­lich vie­le Urlaubs­ta­ge im Jahr, so wer­den die Urlaubs­ta­ge quo­ten­mä­ßig ange­rech­net. Dabei stellt der bis­he­ri­ge Arbeit­ge­ber eine Urlaubs­be­schei­ni­gung gem. § 6 Abs. 2 BUr­lG aus. Mit die­sem ist es dem neu­en Arbeit­ge­ber mög­lich zu ermit­teln, wie viel Urlaub der Ange­stell­te im rest­li­chen Jahr noch gel­tend machen kann.

Ach­tung: Der vol­le Urlaubs­an­spruch kann nach § 4 BUr­lG erst nach sechs­mo­na­ti­gem Bestehen des Arbeits­ver­hält­nis­ses erwor­ben wer­den. Sind am Ende des Jah­res noch Urlaubs­ta­ge übrig, so kön­nen die­se in den ers­ten drei Mona­ten des Fol­ge­jah­res gel­tend gemacht wer­den, ande­rer­seits ver­fal­len sie (§ 7 Abs. 3 BUr­lG).