Qualitätsmonitor 2018.
Qua­li­täts­mo­ni­tor 2018: Zah­len zur ope­ra­ti­ven Behand­lung von Lun­gen­krebs-Pati­en­ten.skeeze/Pixabay.com [CC0 1.0]

Der kürz­lich ver­öf­fent­lich­te Qua­li­täts­mo­ni­tor 2018 des Wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts der (WIdO), des Ver­eins Gesund­heits­stadt Ber­lin und der Initia­ti­ve Qua­li­täts­me­di­zin (IQM) lie­fert unter ande­rem Daten zur Ver­sor­gungs­struk­tur deut­scher Kran­ken­häu­ser und hat in die­sem Jahr Zah­len zur ope­ra­ti­ven Behand­lung von Lun­gen­krebs-Pati­en­ten aus­ge­wer­tet. Der AOK Bun­des­ver­band (AOK-BV) hat sich zu einer Ana­ly­se auf Basis von Daten für den Qua­li­täts­mo­ni­tor geäu­ßert und ver­tritt die Mei­nung, dass vie­le Todes­fäl­le ver­meid­bar wären, wenn nicht so vie­le „Gele­gen­heits­ope­ra­tio­nen“ durch­ge­führt wür­den.

„Vie­le Pati­en­ten in Deutsch­land ster­ben zu früh, weil sie in Kli­ni­ken ope­riert wer­den, die zu wenig Erfah­rung mit kom­pli­zier­ten -OPs haben. So könn­te allein die Zahl der Todes­fäl­le infol­ge von Lun­gen­krebs-Ope­ra­tio­nen durch die Ein­füh­rung einer rein rech­ne­risch ermit­tel­ten Min­dest­men­ge von 108 Ein­grif­fen pro Jahr um etwa ein Fünf­tel sin­ken – von 361 auf 287 Todes­fäl­le pro Jahr“, heißt es in der Mit­tei­lung des -BV. Auch in Bezug auf ande­re Krebs­er­kran­kun­gen wür­de das zutref­fen, wie bei­spiels­wei­se für Spei­se­röh­ren-, Bauch­spei­chel­drü­sen- sowie Bla­sen- und Darm­krebs.

Prof. Tho­mas Man­sky, Lei­ter des Fach­ge­bie­tes Struk­tur­ent­wick­lung und Qua­li­täts­ma­nage­ment im Gesund­heits­we­sen der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät (TU) Ber­lin und einer der Autoren des Qua­li­täts­mo­ni­tors, füg­te hin­zu: „In Deutsch­land gibt es immer noch viel zu vie­le Kli­ni­ken, die nur hin und wie­der mal eine kom­pli­zier­te -Ope­ra­ti­on durch­füh­ren.“ Bei­spiels­wei­se wür­de ein Fünf­tel der Ope­ra­tio­nen zur teil­wei­sen Ent­fer­nung der Lun­ge in ins­ge­samt 206 Kli­ni­ken durch­ge­führt wer­den, die im Durch­schnitt jedoch nur 5 sol­cher OPs pro Jahr machen. „Es ist sehr wahr­schein­lich, dass in die­sen Kli­ni­ken die nöti­ge Ope­ra­ti­ons­rou­ti­ne und die für eine adäqua­te Gesamt­be­treu­ung not­wen­di­ge Spe­zia­li­sie­rung nicht vor­han­den sein kön­nen“, erklärt Man­sky. Daher for­dert Mar­tin Litsch, Vor­stands­vor­sit­zen­der des AOK-Bun­des­ver­ban­des, die Ein­füh­rung und kon­se­quen­te Durch­set­zung von -Min­dest­men­gen und will die­se For­de­rung daher in den Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss (G‑BA) ein­brin­gen.

: Mindestmengen allein reichen nicht aus

Die Deut­sche Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (DKG) hin­ge­gen warnt davor, vor­ei­li­ge und fal­sche Schlüs­se aus dem Qua­li­täts­mo­ni­tor zu zie­hen, die nur zur Pati­en­ten­ver­un­si­che­rung füh­ren wür­den. Die Todes­fäl­le kön­ne man nicht pau­schal nur auf das ope­rie­ren­de Kran­ken­haus zurück­füh­ren. Zu den For­de­run­gen Litschs erklär­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer der , Georg Baum, dass die Kas­sen in der Ver­gan­gen­heit kei­ne kon­kre­ten Anträ­ge zur Ein­füh­rung von Min­dest­men­gen gestellt haben, und sich die Kli­ni­ken sol­chen Vor­ga­ben auch nicht ver­schlie­ßen wür­den: „Nie­mand im Kran­ken­haus­be­reich ver­wei­gert sich der Ein­sicht, dass für spe­zi­fi­sche Ope­ra­tio­nen beson­de­re Erfah­run­gen von Bedeu­tung sind.“ Zudem sei­en Min­dest­men­gen ein von den Kli­ni­ken längst aner­kann­tes Instru­ment und die sinn­vol­le Wei­ter­ent­wick­lung sei eben­so selbst­ver­ständ­lich.

Unver­ständ­lich sei vor dem Hin­ter­grund, dass die Kran­ken­kas­sen die Bil­dung und För­de­rung von Zen­tren durch die Kün­di­gung der Zen­trums­ver­ein­ba­rung erschwe­ren. Schließ­lich kön­nen gera­de in spe­zia­li­sier­ten Zen­tren hoch­kom­ple­xe Ope­ra­tio­nen durch­ge­führt und wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Die For­de­rung von Min­dest­men­gen kann nicht allei­ni­ger Lösungs­weg sein. „Vor die­sem Hin­ter­grund soll­te der AOK-Bun­des­ver­band nicht leicht­fer­tig ver­meint­lich ein­fa­che Lösun­gen pro­pa­gie­ren, son­dern zu Lösun­gen und Ver­bes­se­run­gen bei der Ver­sor­gung von schwer­kran­ken Men­schen bei­tra­gen“, mahnt Baum abschlie­ßend.