Auch NRW wird eine Pflegeberufekammer bekommen.
Auch wird eine Pfle­ge­be­ru­fe­kam­mer bekom­men.Pho­to 127562002 © Manop Phim­sit – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Nach dem -Land­tags­be­schluss, eine zu errich­ten, ist die Freu­de bei den Befür­wor­tern einer Berufs­ver­tre­tung für die Pfle­ge natur­ge­mäß groß. „Das ist ein his­to­ri­scher Tag für die Pfle­ge­be­ru­fe in Nord­rhein-West­fa­len“, resü­miert kurz und fei­er­lich der För­der­ver­ein e.V. , der bereits seit sei­ner Grün­dung 1997 auf die­sen Schritt hin­ge­wirkt hat­te. Auch der Pfle­ge­be­ru­fe­ver­band DBfK ist erleich­tert. „Mit der Pfle­ge­be­ru­fe­kam­mer bekom­men wir das not­wen­di­ge Instru­ment, um unse­ren Heil­be­ruf selbst­be­stimmt zu gestal­ten und zu ent­wi­ckeln. Das ist ein wich­ti­ges Signal an die Pfle­ge­fach­per­so­nen in NRW und dar­über hin­aus: Die Eman­zi­pa­ti­on des Pfle­ge­be­rufs und die poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on der bedeu­tends­ten Berufs­grup­pe im Gesund­heits­we­sen schrei­tet vor­an und ist nicht auf­zu­hal­ten“, so der DBfK-Nord­west-Vor­sit­zen­de Mar­tin Dichter.

Der Deut­sche Pfle­gerat (DPR) jubi­liert eben­so. „Dies ist ein gro­ßer Tag für die Pro­fes­si­on Pfle­ge in NRW“, freu­te sich Chris­ti­ne Vog­ler, Vize-Prä­si­den­tin des DPR. „20 Jah­re poli­ti­sche Über­zeu­gungs­ar­beit pro fan­den in der Minu­te einen erfolg­rei­chen Abschluss die­ser ele­men­ta­ren Etap­pe“, so auch Lud­ger Ris­se, Vor­sit­zen­der des Pfle­gera­tes NRW, einem Zusam­men­schluss der Pfle­ge­be­rufs­ver­bän­de und Pfle­ge­or­ga­ni­sa­tio­nen im Land.

„Keine Kammer nötig, sondern mehr Personal“

Der Bun­des­ver­band für freie Kam­mern e.V., der sich gene­rell gegen Berufs- und Bran­chen­ver­tre­tun­gen mit Pflicht­mit­glied­schaft wen­det, sieht die Ent­schei­dung eben­falls als gefal­len an. „Bei nüch­ter­ner Betrach­tungs­wei­se führt kein Weg an der Ein­sicht vor­bei, dass die Errich­tung einer Pfle­ge­kam­mer mit Mit­glieds- und Bei­trags­zwang in Nord­rhein-West­fa­len zunächst nicht mehr auf­zu­hal­ten ist“, heißt es beim Ver­ein. Wei­ter ver­weist man war­nend auf Schles­wig-Hol­stein und Nie­der­sach­sen, wo es erheb­li­che Pro­tes­te gegen Pflicht­mit­glied­schaf­ten und ‑Gebüh­ren gege­ben habe. „In Schles­wig-Hol­stein und Nie­der­sach­sen waren und sind die Pro­tes­te so wirk­mäch­tig und flä­chen­de­ckend, dass die Kam­mern am Ende schei­nen, bevor sie rich­tig den Betrieb auf­ge­nom­men haben.“ Auch die Gewerk­schaft ver.di hat­te vor der Pfle­ge­kam­mer gewarnt. „Die Pfle­ge in NRW braucht kei­ne Kam­mer, son­dern mehr Per­so­nal“, kri­ti­siert man dort. Auch bei Tarif­ver­hand­lun­gen sit­ze sie schließ­lich nicht mit am Tisch. Den­noch wer­de man das Gre­mi­um, wenn es ein­mal da wäre, kon­struk­tiv begleiten.

Die Pfle­ge­kam­mer in NRW wur­de am 24. Juni mit den Stim­men von CDU, FDP und Bünd­nis 90/Grünen mehr­heit­lich beschlos­sen. Die SPD stimm­te dage­gen; sie sah in der Kam­mer ein „Büro­kra­tie­mons­ter“, das nicht dabei hel­fen kön­ne, Ar­beits­bedingungen und Löh­ne zu ver­bes­sern. Es gibt in NRW rund 200.000 haupt­amt­lich Pfle­gen­de; damit wird die Lan­des­pfle­ge­kam­mer – ent­spre­chend der hohen Ein­woh­ner­zahl des Bun­des­lan­des – gleich­zei­tig die größ­te Deutschlands.