Fast alle Bundesländer stocken den Pflegebonus auf.
Fast alle Bundes­län­der stocken den Pflege­bo­nus auf.Bild: Photo 102049259 © Auremar – Dreamstime.com

Die Arbeit in der Alten­pflege und im ambulan­ten Dienst stellte die Pflege­kräfte während der Corona-Pande­mie vor etliche Heraus­for­de­run­gen. Zur Würdi­gung dieser beson­de­ren Arbeits­leis­tung hat sich der Bundes­tag Ende Mai auf einen Geldzu­schuss für Pflege­kräfte geeinigt. Die Rechts­de­pe­sche hatte bereits berichtet.

Nieder­sach­sen mit im Boot – fast alle Länder stocken auf

Über die Pflege­ver­si­che­rung steuert der Bund zunächst einen Bonus von je 1.000 Euro bei. Die einzel­nen Bundes­län­der können diese Summe durch Zuschüsse auf 1.500 Euro erhöhen. Das Geld ist für die Pflege­kräfte steuer­frei und soll bis zum 15.7. ausge­zahlt werden. Wie viel die einzelne Pflege­kraft dabei erhält ist abhän­gig von ihrer Tätig­keit, Arbeits­zeit und vom Bundes­land, in dem sie ihren Beruf ausübt.

Mit Nieder­sach­sen hat am 23.6.2020 ein weite­res Bundes­land die Aufsto­ckung der Prämie auf 1.500 Euro offizi­ell zugesi­chert. Damit haben nun 14 der 16 Bundes­län­der ihre finan­zi­elle Unter­stüt­zung bestä­tigt. Ledig­lich in Berlin und in Thürin­gen wurde noch keine Einigung über eine Erhöhung des Pflege­bo­nus erzielt.

Bayern bezieht Kranken­pfle­ge­kräfte mit ein

In den letzten Wochen geriet die Corona-Prämie jedoch in die Kritik. Die Politik, Verbände und zahlrei­che Betrof­fene reagier­ten auf den Ausschluss der Kranken­pflege vom Corona-Bonus mit Unver­ständ­nis. Auch in Nieder­sach­sen gehen die letzten 500 Euro ausschließ­lich in die (ambulante) Alten­pflege. Nadya Klarmann, Präsi­den­tin der Pflege­kam­mer Nieder­sach­sen zeigte sich darüber enttäuscht. Mit der an sich begrü­ßens­wer­ten Aufsto­ckung vergrö­ßere sich die Schere zwischen denen, die etwas bekom­men und denen, die leer ausge­hen, so Klarmann. Unver­ständ­lich sei es, dass sowohl Beschäf­tigte in Kranken­häu­sern und Rehakli­ni­ken als auch in der Behin­der­ten­hilfe keinen Anspruch auf die Prämie erhal­ten. Da diese während der Pande­mie ähnli­chen, wenn nicht gar den gleichen Bedin­gun­gen ausge­setzt waren wie in der Alten­pflege, hätten die zusätz­li­chen 500 Euro auch diesen Pflege­kräf­ten zugute­kom­men können, monierte Klarmann die Entschei­dung der Landes­re­gie­rung. Generell müsse es in der Pflege schon bald eine gewal­tige Erhöhung des Lohnni­veaus geben. 4.000 Euro pro Monat oder mehr stellt sich Klarmann vor.

In Bayern schrei­tet die Zahlung der Corona-Boni weiter voran. Über 110.000 bayri­sche Pflege­kräfte haben ihren Bonus schon erhal­ten. Anders als in den anderen Bunde­l­än­dern bezieht Bayern bei der Aufsto­ckung des Pflege­bo­nus Beschäf­tigte in Kranken­häu­sern, Rehas und Behin­der­ten­ein­rich­tun­gen mit ein. Auch das Perso­nal im Rettungs­dienst wird einma­lig für ihre Einsätze belohnt. Die Prämie ist dadurch jedoch niedri­ger als in den übrigen Ländern. Beschäf­tigte mit 25 Arbeits­stun­den pro Woche erhal­ten 500 Euro, alle anderen 300 Euro. Anders als in den anderen Bundes­län­dern mussten Pflege­kräfte in Bayern bis Ende Juni einen Antrag auf die Corona-Prämie stellen.

Auch in Schles­wig-Holstein zeigte man sich verär­gert über den „ungerech­ten“ Ausschluss der Kranken­pflege von der Corona-Prämie und reagiert entspre­chend. In einem geson­der­ten Verfah­ren sollen auch Kranken­pfle­ge­kräfte einen Pflege­bo­nus erhal­ten. Das System wird derzeit erarbeitet.

Quelle: Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­te­rium, Pflege­kam­mer NDS, Bayri­sches Staats­mi­nis­te­rium für Gesund­heit und Pflege, Landes­re­gie­rung Schleswig-Holstein