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Long Covid
Bei der Behand­lung von Long Covid steht man noch am Anfang.Bild: Josieelias/Dreamstime.com

Genauso wie die Grund­er­kran­kung COVID-19 selbst ist auch über Long Covid sehr wenig bekannt. Bisher gibt es noch keine studi­en­ba­sierte belast­bare Evidenz für eine Behand­lung. Aller­dings ist für die meisten Patien­ten eine völlige Wieder­her­stel­lung sehr wahrscheinlich. 

Für die Patien­ten ist es sinnvoll, sich im ersten Schritt an ihre Hausarzt­pra­xis zu wenden. Diese kann dann bei Bedarf Fachärzte hinzu­zie­hen und die unter­schied­li­chen Thera­pien koordi­nie­ren. Dabei werden je nach Ausprä­gung der Sympto­ma­tik unter­schied­li­che Metho­den gewählt.

Wichtig bei Long Covid: Pacing

Pacing beruht darauf, die eigenen körper­li­chen, aber auch psychi­schen Grenzen zu kennen und so die krank­heits­be­dingt geringe Energie sinnvoll einzu­set­zen. So können Erschöp­fungs­zu­stände – die sogenann­ten Crashes – vermie­den oder zumin­dest reduziert werden.

Für Long-Covid-Patien­ten kann es schwie­rig sein, Pacing zu erler­nen. Hilfs­mit­tel wie Herzfre­quenz­mes­ser – zum Beispiel ein Fitness­tra­cker – können einge­setzt werden, um aufzu­zei­gen, wo die indivi­du­elle Belas­tungs­grenze liegt. Auch das Führen eines Aktivi­täts­ta­ge­bu­ches wird empfoh­len. Wichtig ist dabei, nicht nur körper­li­che Symptome zu notie­ren, sondern auch die psychi­sche und kogni­tive Belas­tung zu überwachen.

Die Schwie­rig­keit beim Pacing liegt in der Natur von Long Covid: Oft verspü­ren Patien­ten zwei oder drei Tage lang eine stetige Besse­rung, passen ihr Aktivi­täts­le­vel entspre­chend an – danach folgt der Crash. Leider ist dieser Verlauf eher die Norm als die Ausnahme. Deshalb sollte die Devise immer lauten: Im Zweifels­fall lieber kürzer treten. 

Gerade wenn es sich um eigent­lich angenehme Aktivi­tä­ten wie ein Treffen mit Freun­den handelt, sollte man nicht verges­sen, das auch das Energie verbraucht. Falls man sich zu viel zugemu­tet hat, hilft nur eine Pause einzu­le­gen und danach seine Aktivi­tä­ten wieder auf ein erreich­ba­res Niveau zu reduzie­ren. Erst wenn man sich emotio­nal und körper­lich wieder stabil fühlt, sollte das Aktivi­täts­ni­veau langsam wieder gestei­gert werden.

Doktor Google ist nicht immer hilfreich

Spezi­ell für die psychi­sche Gesund­heit ist es wichtig, Ängste und Unsicher­hei­ten im Zusam­men­hang mit der Thera­pie auszu­räu­men. Vielen Patien­ten hilft es, an ihrer Behand­lung möglichst aktiv mitar­bei­ten. Das kann beispiels­weise durch das Führen eines Tagebuchs oder über die Selbst­über­wa­chung der Symptome mithilfe von Fitness­tra­ckern erfolgen.

Behan­delnde Ärzte sollten den Patien­ten dabei unter­stüt­zen, sich auf ihre gesun­den Aspekte zu konzen­trie­ren. Also die Dinge, die sie nach wie vor gut können. 

Beson­ders wichtig ist es auch, Patien­ten aufzu­zei­gen, wie Inter­net­quel­len zu bewer­ten sind: Denn die häufige Konsul­ta­tion von Doktor Google kann die Erkran­kung unnötig drama­tisch erschei­nen lassen und dazu führen, dass man sich nur noch auf die Symptome konzentriert.

Jedes Long-Covid-Symptom erfor­dert eine spezi­fi­sche Therapie

Bei der Behand­lung spezi­fi­scher Symptome müssen oft mehrere Fachärzte hinzu­ge­zo­gen werden. Wichtig ist es, eine Überme­di­ka­tion zu vermei­den. So kann orales Korti­son bei Atemnot helfen, wenn eine Obstruk­tion der Bronchien vorliegt. Oft verschwin­det aber leichte Atemnot nach einigen Wochen von selbst. Die sogenannte 4711-Atemtech­nik – 4 Sekun­den einat­men, 7 Sekun­den ausat­men, 11-mal wieder­ho­len – kann eine gleich­mä­ßige und nicht zu flache Atmung fördern und so bei Atemnot helfen.

Ein sehr häufi­ges Symptom ist die Leistungs­ein­schrän­kung oder Fatigue. Auch hier ist die Prognose grund­sätz­lich gut insofern, dass nach spätes­tens drei Monaten die Leistungs­fä­hig­keit wieder das Niveau vor der Erkran­kung erreicht haben sollte. Gegen Erschöp­fungs­zu­stände hilft das oben beschrie­bene Pacing und nicht zuletzt die Akzep­tanz der eigenen Grenzen. 

Einige Patien­ten profi­tie­ren von einer Trainings­the­ra­pie. Andere berich­ten von einer Verschlech­te­rung nach körper­li­cher Anstren­gung. Beson­ders in diesem Bereich sollte man also genau auf den eigenen Körper hören und im Zweifels­fall länger auf körper­li­che Anstren­gun­gen verzichten.

Duftöle bei Long Covid
Duftöle können helfen, den durch Long Covid Geruchs­sinn wieder­her­zu­stel­len.Bild: Monfocus/Pixabay

Mit Riech­trai­ning gegen einge­schränk­tem Geruchssinn

Für Patien­ten, deren Geruchs­sinn nach einer Infek­tion stark einge­schränkt ist, kann ein Riech­trai­ning sinnvoll sein. Dabei riechen die Betrof­fe­nen mindes­ten zweimal täglich für je zwei Minuten an vier unter­schied­li­chen Duftölen. Das kann die Re-Organi­sa­tion der Verbin­dun­gen der Riech­ner­ven beschleu­ni­gen. Ein Riech­trai­ning sollten mindes­tens ein halbes Jahr lang durch­ge­führt werden. Die benötig­ten Duftöle bekommt man rezept­frei in vielen Drogerien.

Ein für die Betrof­fe­nen beson­ders unange­neh­mer Aspekt von Long Covid sind die psychi­schen Symptome. Viele Patien­ten erleben depres­sive Verstim­mun­gen oder Ängste. Wichtig ist, zu erken­nen, dass dies meist keine eigen­stän­di­gen psychi­schen Erkran­kun­gen sind, weshalb auch sie sich nach einigen Monaten von selbst bessern. Eine Behand­lung mit Medika­men­ten wird nur unter bestimm­ten Umstän­den empfohlen.

Im Bereich der Long-Covid-Thera­pie werden oft auch Nahrungs­er­gän­zungs­mit­tel oder homöo­pa­thi­sche Mittel empfoh­len. Belege für ihre Wirksam­keit fehlen bisher.

  1. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020–027p_S1_Post_COVID_Long_COVID_2021-12.pdf
  2. www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Long-Covid-Mit-Training-und-Therapie-zurueck-ins-Leben,longcovid144.html
  3. link.springer.com/article/10.1007/s00508-021–01974‑0#Sec120