Nach langer Debatte gibt es mittlerweile Klarheit über die Bonuszahlungen, die an Pflegekräfte ausgezahlt werden sollen.
Nach lan­ger Debat­te gibt es mitt­ler­wei­le Klar­heit über die Bonus­zah­lun­gen, die an Pfle­ge­kräf­te aus­ge­zahlt wer­den sol­len.Pho­to 130147226 © Chor­mail – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Die Bun­des­re­gie­rung hat nun end­lich eine Eini­gung bezüg­lich der ange­kün­dig­ten Bonus­zah­lun­gen für die beson­de­ren Leis­tun­gen von Pfle­ge­kräf­ten wäh­rend den letz­ten Wochen und Mona­ten erzielt. Ver­gan­ge­ne Woche wur­de ein zwei­tes Maß­nah­men­pa­ket zur Bekämp­fung der Pan­de­mie beschlos­sen. Das „Zwei­te Gesetz zum Schutz der Bevöl­ke­rung bei einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Trag­wei­te“ beinhal­tet neben Ände­run­gen bezüg­lich der Test­ka­pa­zi­tä­ten und Mel­de­pflich­ten auch den besag­ten Pflege-Bonus.

Bis zu 1.500 Euro für Pflegekräfte

Beschäf­tig­te in der Pfle­ge erhal­ten auf­grund der hohen Coro­na-Belas­tung eine Prä­mie von bis zu 1.000 Euro von den Kas­sen. Pfle­ge­kräf­te, die zum Groß­teil in der direk­ten Pfle­ge und Betreu­ung arbei­ten, erhal­ten dabei den vol­len Betrag. Wer min­des­tens ein Vier­tel sei­ner Arbeits­zeit dort ver­bringt, bekommt 676 Euro. Die gesam­te Kos­ten­sum­me für die Prä­mie liegt laut Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn bei cir­ca einer Mil­li­ar­de Euro. Zur Finan­zie­rung der Bonus­zah­lun­gen erhal­ten die Kas­sen einen Zuschuss vom Bund.

Die Bun­des­län­der und Arbeit­ge­ber kön­nen die Prä­mie zudem steu­er­frei bis zu einem Betrag von 1.500 Euro auf­sto­cken. Von der Steu­er befreit sind Beträ­ge oder Sach­leis­tun­gen in Höhe von 1.500 Euro, die zwi­schen März und Dezem­ber 2020 aus­ge­zahlt wur­den. Eini­ge Bun­des­län­der haben der Auf­sto­ckung auf 1.500 Euro bereits zuge­stimmt. Dar­un­ter Bay­ern, Ham­burg, Hes­sen, das Saar­land, Bran­den­burg, Nie­der­sach­sen und Schleswig-Holstein.

Die Arbeit­ge­ber sind zudem nach dem Geset­zes­ent­wurf des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums zur Zah­lung von gestaf­fel­ten Son­der­leis­tun­gen (Coro­na-Prä­mi­en) ver­pflich­tet. Die Auf­wen­dun­gen für die Coro­na-Prä­mi­en wer­den den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen durch die sozia­le Pfle­ge­ver­si­che­rung und in der ambu­lan­ten Pfle­ge antei­lig durch die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung per Vor­aus­zah­lung erstat­tet. In der zwei­ten Jah­res­hälf­te wer­den das Gesund­heits- und Finanz­mi­nis­te­ri­um dann dar­über bera­ten, in wel­chem Umfang die Ver­si­che­run­gen Zuschüs­se vom Bund zur Sta­bi­li­sie­rung der Bei­trags­sät­ze erhal­ten und inwie­fern die Coro­na-Prä­mi­en refi­nan­ziert wer­den sollen.

Anfang April haben sich ver.di und die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Arbeit­ge­ber in der Pfle­ge­bran­che (BVAP) auf einen Tarif­ver­trag für eine Son­der­prä­mie für Pfle­ge­kräf­te geei­nigt. Alle betrof­fe­nen Pfle­ge­kräf­te erhal­ten dem­nach ihren jewei­li­gen Bonus zusam­men mit dem dies­jäh­ri­gen Juli-Gehalt. Anspruch auf die ein­ma­li­ge Son­der­zah­lun­gen haben alle Beschäf­tig­ten in der Alten­pfle­ge. Dar­un­ter fallen:

  • Pfle­ge­fach­kräf­te
  • Pfle­ge­hilfs­kräf­te
  • Pfle­ge­lei­tun­gen
  • All­tags­be­glei­ter/-Innen
  • Betreu­ungs­kräf­te
  • Assis­tenz­kräf­te
  • Aus­zu­bil­den­de in der Pfle­ge. Die­se erhal­ten eine Prä­mie i.H.v. 900Euro

Auch die Mindestlöhne steigen

Bereits am 28.1.2020 hat sich die Pfle­ge­kom­mis­si­on auf eine dif­fe­ren­zier­te Erhö­hung der Pfle­ge­min­dest­löh­ne in der Alten­pfle­ge geei­nigt. Pfle­ge­hilfs­kräf­te, qua­li­fi­zier­te Pfle­ge­hilfs­kräf­te und Pfle­ge­fach­kräf­te ver­die­nen damit in Zukunft mehr.

Ab dem 1.7.2020 soll die Min­dest­be­zah­lung für Pfle­ge­hilfs­kräf­te in Ost- und West­deutsch­land in jeweils vier Stu­fen auf 12,55 Euro pro Stun­de stei­gen. Am 1.9.2021 erfolgt in drit­ter Stu­fe die Anglei­chung der bis dato regio­nal unter­schied­li­chen Pflegemindestlöhne.

Zum ers­ten Mal wur­den zudem jeweils Min­dest­löh­ne für qua­li­fi­zier­te Pfle­ge­hilfs­kräf­te und Pfle­ge­fach­kräf­te von der Pfle­ge­kom­mis­si­on festgelegt.

Mit dem 1.4.2021 wird für qua­li­fi­zier­te Pfle­ge­hilfs­kräf­te im Osten ein Min­dest­ver­dienst von 12,20 Euro pro Stun­de ein­ge­führt, jene im Wes­ten erhal­ten 12,50Euro pro Stun­de. Auch hier wird zum 1.9.2021 eine Ver­ein­heit­li­chung der Löh­ne auf 12,50 Euro pro Stun­de vor­ge­nom­men. Ab dem 1.4.2022 stei­gert sich der Lohn noch ein­mal auf ein­heit­li­che 13,20 Euro.

Auch für Pfle­ge­fach­kräf­te tritt ab dem 1.7.2021 ein ein­heit­li­cher Min­dest­lohn von 15 Euro pro Stun­de in Kraft. Im April 2020 steigt die­ser schließ­lich auf 15,40 Euro pro Arbeits­stun­de an.

Auch das Urlaubs­kon­tin­gent für Pfle­ge­kräf­te steigt. Bei einer 5‑Ta­ge-Woche erhal­ten die­se im Jahr 2020 fünf Tage mehr Urlaub zusätz­lich zu ihrem gesetz­li­chen Erho­lungs­an­spruch. In den Jah­ren 2021 und 2022 sind es sogar sechs zusätz­li­che freie Tage. Zudem wird über einen ein­heit­li­chen Tarif­ver­trag für die Pfle­ge dis­ku­tiert, um zukünf­tig die Löh­ne und Arbeits­be­din­gun­gen wei­ter zu verbessern.

Eine Über­sicht der stu­fen­ar­ti­gen Anhe­bung der Pfle­ge­min­dest­löh­ne hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les veröffentlicht.

Quel­le: Tages­schau, Öffent­li­cher-Dienst-News, ver.di, BAMS