Die Datenlage der Bertelsmann-Studie auf dem Prüfstand.
Laut BVOU und DGOU ist die Daten­la­ge der jüngst ver­öf­fent­lich­ten Ber­tels­mann-Stu­die unzu­rei­chend.skeeze/Pixabay.com [CC0 1.0]

Am ver­gan­ge­nen Mon­tag hat die die Ergeb­nis­se der Stu­die „Fak­ten­check Rücken – Rücken­schmerz­be­ding­te Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te und ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe“ ver­öf­fent­licht. Dar­in offen­bart sich, dass in ver­schie­de­nen Regio­nen Deutsch­lands eine deut­lich unter­schied­li­che Anzahl an Rücken­ope­ra­tio­nen durch­ge­führt wer­de. Die Deut­sche Gesell­schaft für Ortho­pä­die und Unfall­chir­ur­gie (DGOU) und der Berufs­ver­band für Ortho­pä­die und Unfall­chir­ur­gie (BVOU) haben in einer gemein­sa­men Stel­lung­nah­me kon­sta­tiert, dass die Daten­la­ge die­ser Stu­die unzu­rei­chend sei.

Sie behaup­ten, dass in der Stu­die ein wich­ti­ger Aspekt nicht beach­tet wur­de: Das regio­nal ver­schie­de­ne Ver­schlüs­se­lungs­ver­hal­ten. Für eine Wir­bel­säu­len-Ope­ra­ti­on wer­den meh­re­re -Schlüs­sel ver­ge­ben, sodass die Zahl der -Schlüs­sel ungleich der Zahl der Ope­ra­tio­nen ist. Ent­we­der könn­ten Ärz­te also die ein­zel­ne Dia­gno­se ange­ben oder aber die ein­zel­nen Schrit­te einer kodie­ren, die mehr als 10 Maß­nah­men beinhal­ten kön­nen. Ope­ra­tio­nen, die unter­schied­li­chen Kodie­rungs­me­tho­den unter­lie­gen, sei­en dem­nach nicht ver­gleich­bar, erklä­ren die DGOU- und BVOU-Exper­ten.

Statement des BVOU-Präsidenten

Der Prä­si­dent der BVOU, Dr. Johan­nes Flech­ten­ma­cher, äußer­te sich wie folgt dazu: „Die Anga­ben der Ber­tels­mann-Autoren sind inkon­sis­tent. Nur ein Bei­spiel: Im Jahr 2015 fin­den die Autoren 772.000 Wir­bel­säu­len-Ope­ra­tio­nen bei nur 611.000 Auf­nah­men mit der Dia­gno­se Rücken­schmerz in Kli­ni­ken. Von die­sen auf­ge­nom­me­nen Pati­en­ten blie­ben ande­ren Anga­ben in der Stu­die zufol­ge vie­le nur zwei oder drei Tage im Kran­ken­haus und wur­den gar nicht ope­riert. Die Pro­ble­ma­tik der unter­schied­li­chen -Ver­schlüs­se­lung wur­de ganz offen­sicht­lich nicht erfasst. Ver­meint­li­che regio­na­le Ver­sor­gungs­un­ter­schie­de könn­ten des­halb in Wirk­lich­keit regio­na­le Unter­schie­de in den Ver­schlüs­se­lun­gen sein.“

Die DGOU hat zusam­men mit dem Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss (G‑BA) eben­falls eine Stu­die ange­legt, die sich mit den regio­na­len Unter­schie­den bei Wir­bel­säu­len-Ope­ra­tio­nen beschäf­tigt und der Fra­ge von Ver­sor­gungs­un­ter­schie­den auf den Grund gehen soll.