Erst kürz­lich hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) im Fall um den an Demenz erkrank­ten Pati­en­ten ver­han­delt, des­sen Leben bis zum Tod mit­tels künst­li­cher Ernäh­rung durch eine PEG-Magen­son­de ver­län­gert wor­den ist. Sein Sohn hat­te aus ererb­tem Recht auf Schmer­zens­geld sowie Scha­den­er­satz geklagt. Ihm zufol­ge sei das Leben sei­nes Vaters spä­tes­tens seit 2010 sinn­los ver­län­gert wor­den und habe nur zur Fort­füh­rung des krank­heits­be­ding­ten Lei­dens geführt. Im Okto­ber 2011 ist sein Vater ver­stor­ben, eine hat­te es nicht gege­ben.

Der Fall beschäf­tig­te bereits das Land­ge­richt Mün­chen sowie das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen, die jeweils unter­schied­li­che Ent­schei­dun­gen getrof­fen hat­ten. Auf die Revi­si­on des beklag­ten Arz­tes hin, oblag es jetzt dem für das Arzt­haf­tungs­recht zustän­di­gen VI. Zivil­se­nat eine Ent­schei­dung zu tref­fen. Das Urteil ist weg­wei­send:

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Dem Klä­ger steht dem­nach kein Anspruch auf Schmer­zens­geld zu, unab­hän­gig davon, ob der beklag­te Arzt bestimm­te Pflich­ten ver­letzt hat. Dass er Pflich­ten ver­letzt hat­te, die sich aus § 1901b BGB (Gespräch zur Fest­stel­lung des Pati­en­ten­wil­lens) erge­ben, war unstrei­tig. Mit dem Urteil wider­spre­chen die Karls­ru­her Zivil­rich­ter der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts, das dem Sohn ein Schmer­zens­geld in Höhe von 40.000 Euro zuge­spro­chen hat­te.

Ein Urteil über den Wert eines menschlichen Lebens steht keinem Dritten zu

„Das mensch­li­che Leben ist ein höchst­ran­gi­ges Rechts­gut und abso­lut erhal­tungs­wür­dig. Das Urteil über sei­nen Wert steht kei­nem Drit­ten zu“, heißt es als Begrün­dung in der Pres­se­mit­tei­lung des . Wei­ter ver­bie­te es sich des­halb, das Leben, eben­so wie das lei­dens­be­haf­te­te Wei­ter­le­ben, als Scha­den anzu­se­hen, auch wenn der Pati­ent selbst sein Leben als lebens­un­wert erach­ten mag. Die Rich­ter haben sich dabei auf die Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG gestützt.

Auch der Anspruch auf Scha­den­er­satz des Soh­nes, also auf die Erstat­tung der ent­stan­de­nen Kos­ten für Behand­lungs- und Pfle­ge­auf­wen­dun­gen durch die Lebens­ver­län­ge­rung sei­nes Vaters, wur­de dem Klä­ger vom BGH ver­wehrt. Als Begrün­dung wur­de hier ange­führt, dass die Auf­klä­rungs- und Behand­lungs­pflich­ten im Zusam­men­hang mit lebens­er­hal­te­nen Maß­nah­men nicht dem Schutz­zweck die­nen, wirt­schaft­li­che Belas­tun­gen zu ver­hin­dern bzw. das Erbe mög­lichst unge­schmä­lert zu erhal­ten.