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Coronavirus
Coro­na­vi­rus05037 © Kate­ry­na­kon | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Homeoffice-Regelungen sinnvoll – Betriebsschließungen kritisch überprüfen

Nach einer über­schlä­gi­gen Ana­ly­se der bestehen­den Lock­down-Maß­nah­men – aus­ge­hend von den Abstands- und Hygie­ne­re­geln, der Mas­ken­pflicht, den Kon­takt­be­schrän­kun­gen, der Home­of­fice-Pflicht sowie der in eini­gen Bun­des­län­dern gel­ten­den Sperr­stun­de, und ande­rem mehr – wur­de deren Ange­mes­sen­heit dis­ku­tiert. In die­sem Zusam­men­hang wur­de betont, dass kon­se­quen­te­re Home­of­fice-Rege­lun­gen – gera­de in den Bal­lungs- und Hoch­ri­si­ko­ge­bie­ten – die ohne­hin umstrit­te­ne und de fac­to nicht zu kon­trol­lie­ren­de 15-Kilo­me­ter-Rege­lung obso­let machen wür­de. Alter­na­tiv wäre eine dif­fe­ren­zier­te­re Aus­ge­stal­tung der Home­of­fice-Rege­lung wün­schens­wert, da Arbeit­ge­ber, die alle bis­he­ri­gen Maß­nah­men strengs­tens ein­hal­ten, in ihrer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nicht uner­heb­lich ein­ge­schränkt wer­den. Hier soll­ten indi­vi­du­el­le Rege­lun­gen hin­sicht­lich Fir­men­grö­ße, Hygie­ne­re­geln, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Arbeits­pro­zes­sen getrof­fen werden.

Sperrstunde erscheint bei hohen Inzidenzen sinnvoll – „Ein-Personen-Regelung“ ist lebensfremd – Forschung auch mit bewährten Medikamenten vorantreiben – Nein zur Impfpflicht

Neben der Berufs­welt wur­de die pri­va­te, häus­li­che Umge­bung als die zwei­te haupt­re­le­van­te Infek­ti­ons­quel­le erach­tet. Deut­lich scheint, dass pri­va­te Zusam­men­künf­te sowohl das Anste­ckungs­ge­sche­hen, als auch die Miss­ach­tung der Coro­na-typi­schen Hygie­ne- und Schutz­re­geln beför­dern. Inso­weit wur­de durch­aus die stren­ge Ein­hal­tung der Sperr­stun­de – in Abhän­gig­keit von den regio­na­len Inzi­denz­wer­ten – als alter­na­tiv­los erach­tet. Im Gegen­zug sind die der­zei­ti­gen Kon­takt­be­gren­zun­gen im pri­va­ten Bereich – wie die soge­nann­te „Ein-Per­so­nen-Rege­lung“ – wenig prak­ti­ka­bel. Die Ein-Per­so­nen-Rege­lung geht an der Lebens­wirk­lich­keit vor­bei, da bei einer durch­schnitt­li­chen vier­köp­fi­gen Fami­lie die Begren­zung auf eine wei­te­re Per­son nur dann sinn­voll wäre, wenn es sich hier­bei dau­er­haft um die glei­che Per­son han­deln wür­de. Abseits des­sen kann es sich hier­bei ohne­hin nur um einen Appell han­deln, weil eine Über­prüf­bar­keit aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den unmög­lich ist.

Die Unter­stüt­zung der Selbst­ver­ant­wor­tung ist dem­ge­gen­über drin­gend zu befür­wor­ten und för­de­rungs­wür­dig. Jeder Ein­zel­ne soll­te sich – abseits der gesetz­li­chen Bestim­mun­gen – fra­gen: „Wie kann ich per­sön­lich zur Begren­zung des Infek­ti­ons­ge­sche­hens bei­tra­gen?“ Vor dem Hin­ter­grund der Für­sor­ge- und Obhuts­pflich­ten von Gesund­heits­dienst­leis­tern ist die­se Hal­tung selbst­ver­ständ­lich erst recht von den Leis­tungs­er­brin­gern in der ambu­lan­ten und sta­tio­nä­ren pfle­ge­ri­schen und ärzt­li­chen Ver­sor­gung zu ver­lan­gen. Fol­gen­de Bei­spie­le zur prak­ti­schen Umset­zung wur­den benannt: Eine fes­te Tou­ren­pla­nung mit weni­gen per­so­nel­len Wech­seln in der ambu­lan­ten Pfle­ge, Ver­bot der häus­li­chen Wäsche von Dienst­klei­dung in der sta­tio­nä­ren Pfle­ge, struk­tu­rier­ter Ein­satz von Mit­ar­bei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen bestimm­ter Funk­ti­ons­be­rei­che, die den COVID-inten­si­ven Pfle­ge- und The­ra­pie­pro­zess unter­stüt­zen kön­nen (zum Bei­spiel der Ein­satz von ope­ra­ti­ons­tech­ni­schen Assis­ten­ten auf Intensiv-Stationen).

Schließung von Sport- und Gaststätten sowie Kultureinrichtungen müssen auf den Prüfstand

Die Beschrän­kun­gen der Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten soll­ten kri­tisch über­dacht wer­den, ins­be­son­de­re dann, wenn die­se der Gesund­heit die­nen und phy­si­schen und psy­chi­schen Belas­tun­gen vor­beu­gen. Es ist bei­spiels­wei­se schwer nach­voll­zieh­bar, wie­so anste­ckungs­un­ver­däch­ti­ge Distanz­sport­ar­ten (zum Bei­spiel Ten­nis) nicht mög­lich sein sol­len. Miss­bil­ligt wur­de zudem, dass die Anstren­gun­gen und Inves­ti­tio­nen auf der Grund­la­ge der frü­he­ren Coro­na-Schutz­ver­ord­nun­gen durch gas­tro­no­mi­sche Betrie­be, Kinos, Kul­tur­stät­ten etc. durch die neue Ver­ord­nungs­la­ge völ­lig igno­riert wurden.

Bei der Fra­ge, inwie­weit Imp­fun­gen die Situa­ti­on zum Bes­se­ren wen­den kön­nen, ist zwi­schen der rein-medi­zi­ni­schen Wir­kung und dem psy­cho­lo­gi­schen Effekt auf die Bevöl­ke­rung zu unter­schei­den. „Es gibt ein Licht am Ende des Tun­nels – wir brau­chen jedoch noch wei­te­re“, so die über­ein­stim­men­de Ein­schät­zung. Neben der lau­fen­den Impf­kam­pa­gne und der For­schung nach wei­te­ren Impf­stof­fen, was bei­des zu begrü­ßen ist, darf jedoch die Erkun­dung von neu­en Pro­phy­la­xe- und The­ra­pie­mög­lich­kei­ten mit alt­be­kann­ten und bei ande­ren Indi­ka­tio­nen lang­jäh­rig bewähr­ten Wirk­stof­fen nicht ver­nach­läs­sigt wer­den. Berück­sich­tigt man etwa, dass eine schwe­re COVID-Erkran­kung fast immer mit einer Throm­bo­sie­rung ein­her­geht, ist eine im COVID-Krank­heits­ver­lauf früh­zei­ti­ge­re Gabe von Hepa­rin denk­bar. Außer­dem soll­te die Unter­su­chung von bestehen­den Medi­ka­men­ten hin­sicht­lich eines Zweit­nut­zens gegen SARS-Cov‑2 oder sei­ne Aus­wir­kun­gen ver­ein­facht wer­den, etwa dem Anti-Para­si­ten-Mit­tel Iver­mec­tin, das sich in einer bri­ti­schen Stu­die in der Anste­ckungs-Prä­ven­ti­on als sehr wir­kungs­voll erwie­sen hat.

In der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Bevöl­ke­rung soll­te die kla­re Aus­sa­ge her­vor­ste­hen, dass alle, die eine Imp­fung wün­schen, eine Imp­fung erhal­ten sol­len. Eine Impf­pflicht ist hin­ge­gen kon­tra­pro­duk­tiv, da sie bestehen­des Miss­trau­en und Ver­schwö­rungs­ge­dan­ken ver­stärkt. Unbe­dingt not­wen­dig ist eine Eva­lu­ie­rung der Wirk­sam­keit der Impf­stof­fe, das heißt wie vie­le der tat­säch­lich Geimpf­ten den­noch an COVID-19 erkran­ken, und ob sie das Virus wei­ter­ge­ben kön­nen, ohne selbst aktiv zu erkran­ken. Zur Bei­le­gung der kon­fu­sen Ver­hält­nis­se bei der Impfan­mel­dung (Über­las­tung der Impf-Tele­fon­hot­lines, Pro­ble­me bei der digi­ta­len Anmel­dung zur Imp­fung) soll­ten Haus­ärz­te und mobi­le Impf­teams stär­ker berück­sich­tigt wer­den, auch um immo­bi­len Pfle­ge­be­dürf­ti­gen die Mög­lich­keit zur Imp­fung zur ver­schaf­fen. In die Impf­stra­te­gien ein­zu­bin­den sind außer­dem die Aus­lands-Pfle­ge­kräf­te und Haus­halts­hil­fen vor allem aus Osteuropa.

Positive Corona-Aspekte: Mehr Hygienebewusstsein und digitale Kompetenz

Bei der Fra­ge, was von der Pan­de­mie bleibt, ist unter der Refle­xi­on der bis­he­ri­gen Maß­nah­men und des Ent­wick­lungs­pro­zes­ses hin­sicht­lich posi­ti­ver und nega­ti­ver Effek­te in Gesund­heits­we­sen, Gesell­schaft und Wirt­schaft zu dif­fe­ren­zie­ren. Unge­ach­tet aller per­sön­li­chen und fami­liä­ren Tra­gö­di­en sowie den wirt­schaft­li­chen Ver­hee­run­gen im Zuge der Coro­na-Kri­se, sind posi­tiv her­vor­zu­he­ben: der gestie­ge­ne Respekt von Erkrank­ten gegen­über Gesun­den und das hier­mit ver­bun­de­ne, selbst­ver­ständ­lich gewor­de­ne Tra­gen von Mas­ken, der höhe­re Stel­len­wert von Hän­de­hy­gie­ne sowie die Maß­nah­men zum Infek­ti­ons­schutz (etwa Ple­xi­glas­schei­ben und Abstands­mar­ker), die sich etwa auch post­pan­de­misch wäh­rend Grip­pe­wel­len als hilf­reich erwei­sen kön­nen. In Wirt­schaft und Bil­dung ist die gestie­ge­ne Ver­traut­heit gegen­über digi­ta­len Medi­en und die stär­ke­re Nut­zung von Video- anstel­le von Prä­senz-Kon­fe­ren­zen zu nen­nen, die dem zeit­rau­ben­den und umwelt­schäd­li­chen „Manage­ment-Tou­ris­mus“ ent­ge­gen­wir­ken hel­fen, sowie die vie­ler­orts aus der Bevöl­ke­rung her­aus zu beob­ach­ten­de Krea­ti­vi­tät bei der Bewäl­ti­gung der Krise.

Negativ: Erlebter Kontroll- und Vertrauensverlust, gesellschaftliche Spaltung

Nega­tiv zu sehen und klar zu brand­mar­ken sind die Erfah­run­gen der beschnit­te­nen, rela­ti­vier­ten und gewis­ser­ma­ßen „unter Erlaub­nis­vor­be­halt gestell­ten“ Grund- und Bür­ger­rech­te. Sowie die mit­un­ter über­schie­ßen­den, nicht klar kom­mu­ni­zier­ten und begrün­de­ten Ein­schrän­kun­gen des täg­li­chen Lebens durch die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger, das erschüt­ter­te Ver­trau­en in öffent­li­che Insti­tu­tio­nen und Infra­struk­tur, das Erle­ben von exis­ten­zi­el­ler Unsi­cher­heit sowie das Hin­ter­las­sen einer trau­ma­ti­sier­ten Genera­ti­on – etwa die mit „Glau­bens­sät­zen“ indok­tri­nier­ten Schü­le­rin­nen und Schü­ler –, sowie die zu beob­ach­ten­de Spal­tung der Gesell­schaft in „Rund­um-Sorg­lo­se“ und „Hys­te­ri­ker“, „Rund­um-Abge­si­cher­te“ und in ihrer wirt­schaft­li­chen Exis­tenz Bedrohte.

Wün­schens­wert für die Zukunft ist eine beim Robert Koch-Insti­tut ange­sie­del­te, gut zugäng­li­che Samm­lung von „Best Practice“-Beispielen, ein all­ge­mei­ner Abbau von Büro­kra­tie und eine zeit­ge­mä­ße tech­nisch-tele­kom­mu­ni­ka­ti­ve Aus­rüs­tung der Behör­den, vor allem der Gesund­heits­äm­ter. Gesamt­ge­sell­schaft­lich müs­sen alle Anstren­gun­gen dar­auf aus­ge­rich­tet sein, dass die sozia­le See­le der Gesell­schaft bestehen bleibt.

Liste der Unterzeichner

  • Judith Ebel
  • Mar­le­en Ebel
  • Ste­fan Glau
  • Prof. Dr. Vol­ker Großkopf
  • Chris­ti­an Janssen
  • Chris­ti­ne Kaiser
  • Dr. Eri­ka Mendoza
  • Ani­ta Mysor
  • Micha­el Schanz
  • Gabrie­le Schweller
  • Hei­ke Senge
  • Ger­hard Wolfmeier
  • Georg Oever­mann
  • Janet­te Werner
  • Ben­ja­min Dramm