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Die neue Coro­na-Warn-App wur­de bereits mil­lio­nen­fach her­un­ter­ge­la­den.Pho­to 187201146 © Frank Gärt­ner – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Die neue Coro­na-Warn-App ist erst seit letz­tem Diens­tag (16.06.2020) erhält­lich, doch die Down­load­zah­len im App-Store und bei Goog­le Play schnel­len bereits jetzt rapi­de in die Höhe. Laut Robert Koch-Insti­tut (RKI) wur­de die App bereits 12 Mil­lio­nen Mal her­un­ter­ge­la­den (Stand: 24.06.2020).

Die Coro­na-Warn-App wird vom Robert-Koch-Insti­tut für die Bun­des­re­gie­rung her­aus­ge­ge­ben. Mit der Soft­ware sol­len Infek­ti­ons­ket­ten leich­ter nach­ver­folgt und unter­bro­chen wer­den kön­nen. Die App unter­stützt die Arbeit der Gesund­heits­äm­ter und hilft zudem bei der Steue­rung der Corona-Test-Kapazitäten.

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Tra­cing statt Tracking – Benut­zer blei­ben anonym

Über Blue­tooth tau­schen die Smart­pho­nes der App-Nut­zer zufäl­li­ge Zah­len­codes mit­ein­an­der aus. Die Codes wer­den gespei­chert und nach 14 Tagen auto­ma­tisch gelöscht. Ist eine Per­son nach­weis­lich infi­ziert, kann sie dies in der App ver­mer­ken. Die Per­so­nen, die sich zuvor in der Nähe der/des Erkrank­ten auf­ge­hal­ten haben, wer­den dar­auf­hin benach­rich­tigt und erhal­ten zusätz­lich dazu Rat­schlä­ge zum wei­te­ren Vorgehen.

Da es sich ledig­lich um eine Tra­cing-App han­delt, wird ledig­lich über die Blue­tooth-Funk­ti­on des Smart­pho­nes erfasst, ob und wann ein rele­van­ter Kon­takt statt­ge­fun­den hat. Uner­kannt blei­ben hin­ge­gen der Ort des Gesche­hens sowie die Iden­ti­tät der Nut­zer. Es fin­det also kein Stand­ort-Tracking statt. Die Coro­na-Warn-App erweist sich damit also als daten­schutz­freund­li­cher als ande­re Tracking-Tools.

Ach­tung: Bei Android-Gerä­ten muss seit Android 6.0 (Mar­sh­mal­low) die gro­be Stand­ortermitt­lung aktiv sein, damit Blue­tooth genutzt wer­den kann. Dadurch könn­ten theo­re­tisch ande­re Apps oder Goog­le-Diens­te die Stand­ort­da­ten aus­wer­ten. In den Berech­ti­gun­gen von jeder App ist es jedoch mög­lich, den Stand­ort­zu­griff zu deaktivieren.

Die Nut­zung der App ist nicht ver­pflich­tend, son­dern erfolgt frei­wil­lig. Das RKI weist aller­dings dar­auf hin, dass die­se ledig­lich eine Ergän­zung zur Bekämp­fung der Aus­brei­tung des Erre­gers dar­stellt. Daher bleibt die Kon­takt­nach­ver­fol­gung durch die Gesund­heits­äm­ter wei­ter­hin rele­vant, gera­de im Hin­blick auf Per­so­nen ohne Smart­pho­ne. Auch die laut Infek­ti­ons­schutz vor­ge­schrie­be­nen Mel­de­we­ge müs­sen trotz der Coro­na-App wei­ter­hin befolgt werden.

Bun­des­re­gie­rung in der Kritik

Doch nicht jeder, der ein Smart­pho­ne besitzt, kann die App tat­säch­lich nut­zen. Besit­zer von Android-Han­dys benö­ti­gen min­des­tens die Soft­ware-Ver­si­on 6.0 (Mar­sh­mal­low), Apple-User müs­sen das Betriebs­sys­tem iOS 13.5 auf ihren Gerä­ten instal­liert haben.
Per­so­nen mit einem iPho­ne 6 kön­nen die­ses Sys­tem bei­spiels­wei­se nicht instal­lie­ren – und somit die App nicht nut­zen. Zudem läuft die App mit einer neue­ren Bluetooth-LE-Technologie.

Dies sorgt gera­de für Kri­tik an der Regie­rung, die damit einen gro­ßen Teil der Bevöl­ke­rung von der Nut­zung der App aus­schließt. Die netz­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Lin­ken, Anke Dom­scheidt-Berg sag­te bei ZDFheu­te, die­ses Pro­blem müs­se grund­sätz­lich gelöst wer­den. Schließ­lich sei­en gera­de ärme­re Men­schen häu­fig die­je­ni­gen, denen die Nut­zung der App ver­wehrt bleibt. Eine Mög­lich­keit bestehe zum Bei­spiel dar­in, mit einem „Recht auf Repa­ra­tur“, ein neue­res Blue­tooth-Modul in die älte­ren Gerä­te ein­zu­bau­en und sie funk­ti­ons­taug­lich zu machen, so Domscheit-Berg.

Klaus Mül­ler, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Ver­brau­cher­zen­tra­le des Bun­des­ver­bands, ver­tei­digt hin­ge­gen die Bun­des­re­gie­rung. Zwar hät­ten sich vie­le Men­schen beschwert, die App nicht nut­zen kön­nen, jedoch erfor­de­re die­ses nun ein­mal bestimm­te tech­ni­sche Vor­aus­set­zun­gen, die eben nicht alle Han­dys erfüllen.

Doch nicht nur wegen der ein­ge­schränk­ten Nut­zungs­mög­lich­kei­ten steht die App in der Kri­tik. Es bleibt die Fra­ge offen, wie sicher das Pro­gramm tat­säch­lich ist. Kri­ti­ker befürch­ten nach Anga­ben der Tages­schau, eine Sicher­heits­lü­cke bei der in der App ent­hal­te­nen Tele­fon-Hot­line iden­ti­fi­ziert zu haben. Auch die QR-Codes, die bei einem posi­ti­ven Test gescannt wer­den kön­nen, wür­den Hackern eine gewis­se Angriffs­flä­che bie­ten. Alles in allem schnei­det die App bei Daten­schüt­zen jedoch sehr posi­tiv ab.

Hin­weis: Die Coro­na-Warn-App wird als Schwer­punkt­the­ma auch in der kom­men­den Aus­ga­be der Rechts­de­pe­sche (RDG 04/2020, Juli/August) auf­ge­grif­fen. Die Zeit­schrift ist dem­nächst bei uns erhältlich.