Corona-Impfpflicht
Plä­diert für eine Coro­na-Impf­pflicht in Gesund­heits­be­ru­fen: Grü­nen-Kanz­ler­kan­di­da­tin Anna­le­na Baerbock

Corona-Impfung sei keine Zumutung

Anna­le­na Baer­bock über­rasch­te durch­aus mit ihrem Plä­doy­er für eine Impf­pflicht in bestimm­ten Berufs­grup­pen gegen COVID-19. Zuletzt waren sich die Spit­zen­kan­di­da­ten/-innen der SPD, CDU/CSU und der Grü­nen noch einig, dass man kei­ne gene­rel­le Impf­pflicht ein­füh­ren wolle.

Baer­bock argu­men­tiert, dass in man­chen Berufs­grup­pen – sie nennt bei­spiel­haft Bun­des­wehr­sol­da­t/-innen und Poli­zis­t/-innen – eine Imp­fung gegen Coro­na bereits als selbst­ver­ständ­lich ange­se­hen wird. War­um dann nicht auch in der Pfle­ge, in Kran­ken­häu­sern, Kitas, Schu­len oder Arzt­pra­xen? Baer­bock fin­det, eine Imf­pung dür­fe für Berufs­tä­ti­ge in die­sen Berei­chen nicht als Zumu­tung ange­se­hen werden.

Zudem wären die Alter­na­ti­ven äußerst unbe­quem: Lock­down, Schlie­ßung von Schu­len und Kitas, even­tu­ell erneu­te Über­las­tung von Pfle­ge­bet­ten und eine zuneh­men­de Gefähr­dung von an COVID-19 erkrank­ten (unge­impf­ten?) Per­so­nen. Hier­ge­gen scheint die Maß­nah­me einer Impf­pflicht weni­ger gefährlich.

Corona-Impfpflicht: Im Prinzip das Gleiche wie mit Masern

Grü­nen-Abge­ord­ne­ter Janosch Dah­men, Mit­glied im Gesund­heits­aus­schuss, äußer­te sich eben­falls pro­ak­tiv für eine Coro­na-Impf­pflicht in Gesund­heits- und Bil­dungs­be­ru­fen. Er zieht die­se in Erwä­gung, wenn es nicht zeit­nah gelin­gen soll­te, die dor­ti­ge Impf­quo­te auf das not­wen­di­ge Maß anzuheben.

Im Prin­zip sei die Coro­na-Imp­fung ver­gleich­bar mit der Imp­fung gegen Masern, für wel­che bereits eine Pflicht besteht:

„Men­schen tra­gen hier für ande­re Schutz­be­dürf­ti­ge Ver­ant­wor­tung und Unge­impf­te in die­sen Berufs­grup­pen gefähr­den andere.“

Impfungen für Pflegekräfte: Keine generelle Pflicht, aber gängige Praxis

Abge­se­hen von der Impf­pflicht gegen Masern, die im März des letz­ten Jah­res durch das Masern­schutz­ge­setz in Kraft getre­ten ist, gibt es in Deutsch­land kei­ne gesetz­li­chen Impf­vor­schrif­ten für Pflegekräfte.

Damit obliegt es den Pfle­gen­den zu ent­schei­den, ob und gegen wel­che Krank­hei­ten sie sich imp­fen las­sen. Das RKI emp­fiehlt im Epi­de­mio­lo­gi­schen Bul­le­tin Nr. 34 aus dem Jahr 2018, sich als Pfle­ge­kraft gegen fol­gen­de Krank­hei­ten imp­fen zu lassen:

  • Diph­te­rie
  • FSME
  • Gelb­fie­ber
  • Hepa­ti­tis A und B
  • Influenza/Grippe
  • Masern (hier gilt wie bereits erwähnt mitt­ler­wei­le eine Impfpflicht)
  • Mumps
  • Per­tus­sis
  • Polio­mye­li­tis
  • Röteln
  • Vari­zel­len

Die Vor­tei­le einer Imp­fung für eine Pfle­ge­kraft lie­gen auf der Hand. Wer geimpft ist, mini­miert das Haf­tungs­ri­si­ko für die Anste­ckung eines Pati­en­ten mit einer der obi­gen Krank­hei­ten. Drit­te wer­den wei­test­ge­hend davor geschützt, sich über­haupt erst anzustecken.

Infek­ti­ons­krank­hei­ten wie Hepa­ti­tis sind im Gesund­heits­we­sen zudem als Berufs­krank­heit aner­kannt. Nach der BK-Nr. 3101 aus der sog. Berufs­krank­hei­ten-Ver­ord­nung (BKV) kön­nen Infek­ti­ons­krank­hei­ten als Berufs­krank­heit aner­kannt wer­den, wenn der Ver­si­cher­te im Gesund­heits­dienst, in der Wohl­fahrts­pfle­ge oder in einem Labo­ra­to­ri­um tätig oder durch eine ande­re Tätig­keit der Infek­ti­ons­ge­fahr in ähn­li­chem Maße beson­ders aus­ge­setzt war.

Aus die­ser Per­spek­ti­ve erscheint eine Imp­fung für Pfle­ge­kräf­te sinn­voll. Die Impf­quo­te gegen die auf­ge­führ­ten Krank­hei­ten sind hier­für ein deut­li­cher Beleg. Einer Stu­die des RKI zufol­ge wei­sen 88 Pro­zent der Beschäf­tig­ten aus dem Bil­dungs- und Gesund­heits­we­sen die Bereit­schaft aus, sich gegen COVID-19 imp­fen zu las­sen. Ist eine Dis­kus­si­on um die Coro­na-Impf­pflicht damit über­haupt not­wen­dig? Es bleibt spannend…

Was halten Sie von einer generellen Impfpflicht in den Berufsgruppen des Gesundheits- und Bildungswesens gegen Covid-19?