Burnout
Burnout auf dem rasan­ten VormarschBild: © Katar­zyna Bialasie­wicz | Dreamstime.com

Burnout im Fokus: Die Studie unter­suchte in erster Linie die Auswir­kun­gen der ersten und zweiten Welle der Pande­mie für die Heimbe­woh­ne­rIn­nen und das dortige Pflegepersonal.

Die Wissen­schaft­le­rIn­nen konnten eine beson­ders starke Belas­tung der Bewoh­ne­rIn­nen durch Verein­sa­mung aufgrund der Schutz­maß­nah­men und eine erhöhte Morta­li­tät, beson­ders zur Zeit der zweiten Welle unter den Heimbe­woh­nen­den feststellen.

Die Wissen­schaft­le­rIn­nen konnten eine beson­ders starke Belas­tung der Bewoh­ne­rIn­nen feststel­len, welche vor allem durch die Einsam­keit aufgrund der Schutz­maß­nah­men bedingt wurde. Außer­dem konnte eine erhöhte Morta­li­tät vor allem während der zweiten Welle erfasst werden.

Burnout bei drei Viertel der Pflegenden

Auch wenn das Ausmaß gravie­rend ist (58 Prozent der Infizier­ten starben an oder mit Corona), scheint dieses Ergeb­nis angesichts der großen Vulnerabi­li­tät dieser Gruppe wenig überra­schend. Anders sieht es bei den Ergeb­nis­sen für das Pflege­per­so­nal aus.

Auch wenn die starke Belas­tung für die beruf­lich Pflegen­den oft angemahnt und von der Bevöl­ke­rung teilweise erkannt wurde, hat wohl kaum jemand mit einem derart schockie­ren­den Ergeb­nis gerechnet.

Mehr als drei Viertel (76%) der Pflegen­den in Heimen leiden mittler­weile unter einem mindes­tens moderat ausge­präg­ten Burnout-Syndrom. Außer­dem berich­ten über 90% der Pflegen­den über gestie­gene Arbeits­an­for­de­run­gen seit dem Beginn der Pandemie.

Stärker belas­te­tes Perso­nal muss also auch zukünf­tig anstren­gen­dere Arbeit verrichten.

Wir befin­den uns in einem Teufels­kreis. Die Vizeprä­si­den­tin des Deutschen Pflege­ra­tes Irene Maier, kommen­tiert die Ergeb­nisse der vorlie­gen­den Studie mit treffen­den Worten:

“Die Arbeits­be­din­gun­gen in allen Settings der Pflege müssen für die beruf­lich Pflegen­den verbes­sert werden.“

Wie viele weitere wissen­schaft­li­che Studien, weitere Exper­ten­kom­mis­sio­nen und runde Tische brauchen wir über die jetzige Covid-Heim-Studie hinaus noch, um erneut zu bewer­ten, wie schlecht es um die Arbeits­be­din­gun­gen in der beruf­li­chen Pflege steht?

Die nun vorlie­gen­den Ergeb­nisse zeigen die Situa­tion deutlich! Außer­dem genügt bereits ein Blick in die Praxis, um zu sehen, dass vor allem mehr Kolle­gin­nen und Kolle­gen in der Pflege nötig sind.

Der Pflege­rat spricht in Person von Irene Mauer genau das an, was die Pflege­ge­werk­schaft Bochu­mer­Bund seit ihrer Gründung fordert. Mehr Perso­nal, bessere Arbeits­be­din­gun­gen und eine umfas­sende Entlas­tung für alle Berei­che der Pflege.

Zahlrei­che Studien belegen, die deutli­che Überlas­tung der Pflege, geändert hat sich bis jetzt zu wenig.

Die Lohner­hö­hun­gen sind beson­ders im Hinblick auf die enorme Infla­tion zu klein. Einmal­zah­lun­gen bringen keine langfris­tige Verbes­se­rung der Situa­tion. Eine sofor­tige, schnell umsetz­bare Refor­ma­tion des Pflege­sek­tors ist unabdingbar.

Diese muss mindes­tens deutli­che Gehalts­er­hö­hun­gen, angemes­sene Perso­nal­schlüs­sel, die konse­quent umgesetzt werden und eine umfas­sende Verbes­se­rung der Ausbil­dung umfassen.

Eine adäquate Versor­gung der Patien­tIn­nen ist schon jetzt nicht mehr möglich. Um eine Mindest­ver­sor­gung gewähr­leis­ten zu können, müssen entspre­chende Maßnah­men so schnell wie möglich umgesetzt werden. Andern­falls sind die „System­re­le­van­ten“ bald in noch größe­rer Zahl selbst PatientInnen.

Niklas Kemper