Nach wieviel Tragedauer einer FFP2-Maske müssen FFP2-Masken-Pausen eingeräumt werden?
Nach wie­viel Tra­ge­dau­er einer FFP2-Mas­ke soll­te eine FFP2-Mas­ken-Pau­se ein­ge­räumt wer­den?© Dan­cia­ba | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Wohl jede Per­son kennnt das erleich­ter­te Auf­at­men, nach­dem zuhau­se ange­langt die FFP2-Mas­ke nach län­ge­rem Tra­gen wie­der abge­legt wer­den kann. Für Per­so­nal, das im Gesund­heits­we­sen arbei­tet und tag­täg­lich in engem Kon­takt zu Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen oder pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen steht, ist die­ses Auf­at­men oft­mals erst nach eini­gen Stun­den Arbeit in Sicht. Je nach Ein­rich­tung und Per­so­nal­si­tua­ti­on ist für kur­ze Mas­ken-Pau­sen kaum Zeit bezie­hungs­wei­se in bestimm­ten Arbeits­be­rei­chen lässt der erfor­der­li­che Hygie­neschutz das Abneh­men der Mas­ke schlicht­weg nicht zu.

Recklinghausener Krankenschwester fordert längere FFP2-Masken-Pausen

Dass län­ge­re FFP2-Mas­ken-Pau­sen im Arbeits­all­tag auf COVID-Sta­tio­nen not­wen­dig sei­en, beklag­te jüngst eine Reck­ling­hau­se­ner Inten­siv-Kran­ken­schwes­ter des Pro­sper-Hos­pi­tal Reck­ling­hau­sen. Nach­dem sie von ihrem Arbeit­ge­ber län­ge­re Mas­ken-Pau­sen for­der­te, wur­de sie ihren Anga­ben zufol­ge im Anschluss auf eine ande­re Sta­ti­on ver­setzt. Über den Fall berich­te­ten auch ande­re Medi­en Ende Febru­ar. Gegen das Vor­ge­hen ihres Arbeit­ge­bers kämpft die Kran­ken­schwes­ter nun vor dem Arbeits­ge­richt. Wäh­rend sie eine Mas­ken-Pau­se nach 75 Minu­ten Tra­ge­dau­er for­dert, hält die Kli­nik­lei­tung eine Tra­ge­pau­se nach 120 Minu­ten für ange­mes­sen. Die Tra­ge­pau­se ver­steht sich dabei nicht als Arbeits­pau­se, son­dern als Mas­ken­pau­se, in der statt­des­sen ande­re Tätig­kei­ten aus­ge­übt wer­den kön­nen, bei denen das Tra­gen einer Mas­ke nicht erfor­der­lich ist.

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ver.di: Ausreichende Erholungspausen sollten sichergestellt werden

Bereits ver­gan­ge­nes Jahr for­der­te die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) Arbeit­ge­ber im Gesund­heits­we­sen dazu auf, die Tra­ge­zeit von Mund-Nasen-Schutz­mas­ken zu begren­zen und aus­rei­chen­de FFP2-Mas­ken-Pau­sen sicher­zu­stel­len. Auch wenn es hier­zu noch kei­ne ver­bind­li­chen Vor­schrif­ten gebe, so „wei­sen betrieb­li­che Erfah­run­gen und wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen auf die erhöh­te Belas­tung durch Atem­wi­der­stän­de hin“, erklär­te ver.di dazu.

Empfehlungen der Berufsgenossenschaft und Unfallversicherung

Ori­en­tie­ren soll­te man sich dabei laut ver.di und der Reck­ling­hau­se­ner Kran­ken­schwes­ter an die Arbeits­schutz­vor­schrif­ten von Berufs­ge­nos­sen­schaft und Unfallversicherung.

Die Deut­sche Unfall­ver­si­che­rung emp­fiehlt die­se Mas­ken-Tra­ge­zei­ten bei mit­tel­schwe­rer kör­per­li­cher Arbeit (DGUV-Regel 112–190 „Benut­zung von Atem­schutz­ge­rä­ten“):

  • Fil­trie­ren­de Halb­mas­ke ohne Aus­atem­ven­til: Nach 75 Minu­ten Tra­ge­dau­er soll­te eine Erho­lungs­dau­er von 30 Minu­ten ein­ge­rich­tet werden
  • Fil­trie­ren­de Halb­mas­ke mit Aus­atem­ven­til: Nach 120 Minu­ten Tra­ge­dau­er soll­te eine Erho­lungs­dau­er von 30 Minu­ten ein­ge­rich­tet werden

Laut der Kli­nik sei­en die­se Vor­ga­ben jedoch nicht auf das Tra­gen von FFP2-Mas­ken im Gesund­heits­we­sen über­trag­bar, und wür­den viel­mehr für Hand­werks­be­ru­fe gel­ten. Für den Ein­satz von Atem­schutz in Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits­we­sens heißt es im All­ge­mei­nen sei­tens der Berufs­ge­nos­sen­schaft, dass die Ver­wen­dung von Atem­schutz­mas­ken zu erhöh­ten Belas­tun­gen füh­re. „Es wer­de emp­foh­len, die Tragezeiten/Belastungen durch ande­re Tätig­kei­ten oder regel­mä­ßi­ge Pau­sen zu reduzieren.“ 

Studie des Universitätsklinikums Leipzig bestätigte Auswirkungen auf körperliche Belastbarkeit

Dass das Tra­gen eines Mund-Nasen-Schut­zes Aus­wir­kun­gen auf die kör­per­li­che Belast­bar­keit von gesun­den Per­so­nen hat, wur­de erst­mals wis­sen­schaft­lich am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Leip­zig (UKL) ver­gan­ge­nes Jahr unter­sucht. Es stell­te sich her­aus, dass die soge­nann­te kar­dio­pul­mo­na­le Leis­tungs­fä­hig­keit durch die chir­ur­gi­schen Mas­ken sowie die FFP2-Mas­ken signi­fi­kant redu­ziert wird. „Die Ergeb­nis­se unse­rer Unter­su­chung bestä­ti­gen das sub­jek­ti­ve Gefühl vie­ler Men­schen“, erklär­te der Kar­dio­lo­gie-Kli­nik­di­rek­tor Prof. Ulrich Laufs dazu und sag­te wei­ter­hin: „Über­tra­gen auf die Arbeits­welt stellt sich schon die Fra­ge, ob Men­schen, die mit Mas­ke kör­per­lich anstren­gen­de Arbeit leis­ten, öfter Pau­sen machen müss­ten als bis­her.“ Kei­nes­wegs jedoch soll­ten die Ergeb­nis­se der Stu­die als Kri­tik oder als ein Infra­ge­stel­len der Mas­ken­pflicht ver­stan­den wer­den, beton­te Prof. Laufs. Schließ­lich sei der Mund-Nasen-Schutz wich­tig, um die wei­te­re Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus zu verhindern.

Der Pro­zess zwi­schen der Inten­siv-Kran­ken­schwes­ter aus Reck­ling­hau­sen und ihrer Kli­nik­lei­tung soll im Mai fort­ge­setzt wer­den, das Ergeb­nis bleibt abzuwarten.

Weiterführende Informationen zum Corona-Arbeitsschutz: