Mit einem Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) wer­den die Rech­te von Beschäf­tig­ten bei kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen gestärkt. Kün­di­gun­gen wegen reli­gi­ons­be­zo­ge­ner Loya­li­täts­ver­stö­ße sind nicht rech­tens, wenn die Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit kei­ne Anfor­de­rung für die beruf­li­che Tätig­keit dar­stellt. So urteil­te das Gericht im Fal­le eines kla­gen­den, katho­li­schen Chef­arz­tes.

Der Düs­sel­dor­fer Chef­arzt eines der römisch-katho­li­schen Kir­che ver­bun­de­nen Kran­ken­hau­ses klag­te, weil ihm wegen sei­ner zwei­ten Ehe­schlie­ßung gekün­digt wer­den soll­te. Sein Arbeit­ge­ber sah dar­in einen schwer­wie­gen­den Loya­li­täts­ver­stoß, da die Wie­der­hei­rat nicht dem dem katho­li­schen Ehe­ver­ständ­nis ent­spre­che, wonach die Ehe ein hei­li­ger, unauf­lös­li­cher Bund dar­stel­le. Das Kran­ken­haus berief sich dabei auf Art. 5 Abs. 2 der Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Arbeits­ver­hält­nis­se vom 23. Sep­tem­ber 1993 (GrO 1993), auf deren Grund­la­ge der Dienst­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en geschlos­sen wur­de.

Urteil richtet sich nach Unionsrichtlinie des Europäischen Gerichtshofes

Da das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) bereits gefäll­tes Urteil zuguns­ten des Chef­arz­tes auf­hob, wand­te sich das BAG an den Euro­päi­schen Gerichts­hof (EuGH). Die­ser ent­schied im Sep­tem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res, dass es sich bei der wegen der erneu­ten Ehe­schlie­ßung um eine ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung wegen der han­deln kön­ne (Az.: C‑68/17). Dem schloss sich das BAG mit dem Urteil vom 20. Febru­ar 2019 an. Da es sich bei der Ent­schei­dung des EuGH um eine Uni­ons­richt­li­nie han­delt, die in deut­sches Recht umge­wan­delt wer­den muss­te, stand eine fina­le Ent­schei­dung des BAG noch aus.

Das deut­sche Gericht erkann­te die Loya­li­täts­pflicht, kei­ne nach katho­li­schem Ver­ständ­nis ungül­ti­ge Ehe zu schlie­ßen, nicht als „wesent­li­che, recht­mä­ßi­ge und gerecht­fer­tig­te beruf­li­che Anfor­de­rung“ für die Tätig­keit des Chef­arz­tes bei dem katho­li­schen Kran­ken­haus an (Az.: 2 AZR 746/14).