Krankenhaussterben
Die Unikli­nik in Köln Bild: Alexan­der Meyer-Köring

Nun stehen aktuell viele Klini­ken bereits kurz vor dem Bankrott und fordern staat­li­che Hilfen. Die politi­schen Akteure haben dabei zweier­lei Dinge versäumt.

  • Erstens eine adäquate und ehrli­che Kommu­ni­ka­tion der Situa­tion, der politi­schen Handlungs­stra­te­gie und ihrer Folgen für die Klini­ken.
  • Zweitens die Termi­nie­rung: Die Kranken­haus­struk­tur­re­form liegt als Geset­zes­text noch nicht vor, ledig­lich das Eckpunk­te­pa­pier. Es gibt noch keine gesetz­li­che Grund­lage zum effizi­en­te­ren Zusam­men­schluss von Klini­ken und bis diese massive Umstruk­tu­rie­rung vollzo­gen ist, werden die Klini­ken und ihre Angestell­ten einfach im Stich gelas­sen.

Dieser zweite Aspekt der „Übergangs­phase“ ist vor allem wichtig im Hinblick auf schon bald eintre­tende Schlie­ßun­gen der Klini­ken, welche auch die akute medizi­ni­sche Versor­gung der Bevöl­ke­rung gefähr­det, da sich noch keine stabile alter­na­tive Kranken­haus­land­schaft, wie sie die Kranken­haus­struk­tur­re­form laut Eckpunk­ten vorsieht, gebil­det hat.

Kranken­haus­ster­ben wirtschaft­lich motiviert

Die Schlie­ßung von Kranken­häu­sern wird so nach rein wirtschaft­li­chen Aspek­ten gesche­hen, ohne die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Gesund­heits­ver­sor­gung im Blick zu haben. So könnten bald schon Kranken­häu­ser vor allem in ländli­chen Regio­nen schlie­ßen müssen und so ein großes Loch in eine flächen­de­ckende Gesund­heits­ver­sor­gung reißen.

Jobver­lust bringt Fass zum Überlau­fen

Gleich­zei­tig wird der Jobver­lust für viele Arbeitnehmer:innen der letzte Tropfen sein, der das Fass für sie zum Überlau­fen bringt.

Denn es wird den Perso­nal­man­gel struk­tu­rell weiter verschär­fen, wenn der eventu­elle wohnort­nahe Arbeits­platz nun auch noch wegfällt und beruf­lich Pflegende zusätz­lich zur allge­mei­nen Belas­tung im Schicht­be­trieb noch lange Anfahrts­wege auf sich nehmen müssen.

Politik sollte Unmut ernst nehmen

Die Politik sollte den Unmut der Beschäf­tig­ten in Anbetracht dieser Situa­tion sehr ernst nehmen und nicht die gleichen Fehler begehen, wie in der Pande­mie. Es ist falsch anzuneh­men, man könne mit unserer Berufs­gruppe umgehen, wie man wolle, weil es politisch gerade oppor­tun ist.

Für uns als Bochu­mer­Bund ist deshalb klar:

  • es braucht eine staat­li­che Übergangs­fi­nan­zie­rung der betrof­fe­nen Klini­ken, um das Kranken­haus­ster­ben aufzu­hal­ten
  • eine ehrli­chere Kommu­ni­ka­tion von politi­scher Seite und
  • vor allem endlich eine Debatte über die generelle Refinan­zie­rungs­si­tua­tion im pflege­ri­schen Bereich.

In diesem Sinne solida­ri­sie­ren wir uns mit den beruf­lich Pflegen­den Demonstrant:innen am 20.09.2023 in Stutt­gart.

Von Stefan Gram