Die regelmäßigen Tests der Bundesliga-Profis sorgen für Unverständnis im Gesundheitswesen.
Die regel­mä­ßi­gen Tests der Bun­des­li­ga-Pro­fis sor­gen für Unver­ständ­nis im Gesund­heits­we­sen.Pho­to 57408910 © Alek­sii Sido­rov – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Der Fuß­ball gilt für Vie­le als die schöns­te Neben­sa­che der Welt. Die Fans müs­sen jedoch seit Anfang März auf ihren gelieb­ten Sport ver­zich­ten. Das leg­te den Spiel­be­trieb kom­plett auf Eis. Nach­dem die Meis­ter­schaft bei­spiels­wei­se in Frank­reich nun offi­zi­ell abge­bro­chen wur­de, wird in Deutsch­land wei­ter­hin ver­sucht, die Sai­son unter stren­gen Hygie­ne­auf­la­gen und unter Aus­schluss von Zuschau­ern bis Ende Juni zu Ende zu spie­len. Der Auf­wand ist ein hoher, das Vor­ha­ben birgt zudem einen eng getak­te­ten Zeit­plan. Meh­re­re Spie­le müss­ten inner­halb einer Woche statt­fin­den. Daher wer­den die Pro­fis schon jetzt regel­mä­ßig im Rah­men des DFL-Hygie­nekon­zepts auf das unter­sucht. Zuletzt sorg­te ein Coro­na-Fall beim 1.FC Köln und die dar­auf­fol­gen­de Kri­tik des FC-Spie­lers Bir­ger Ver­strae­te an der Wei­ter­füh­rung des Ver­eins­trai­nings für wei­te­re Dis­kus­sio­nen ob der Rich­tig­keit der Wider­auf­nah­me des Spiel­be­triebs. Auch Her­tha BSC steht nach dem skan­da­lö­sen Face­book-Video ihres Stür­mers Salo­mon Kalou in der Kri­tik, die Vor­ga­ben der DFL zu miss­ach­ten. In dem Video war unter ande­rem zu sehen, wie Kalou Abstands­re­ge­lun­gen zu sei­nen Mit­spie­lern igno­riert und wie Coro­na-Tests ohne fach­ge­rech­te Schutz­klei­dung durch­ge­führt wur­den. Kalou wur­de noch am sel­ben Tag vom Ver­ein sus­pen­diert.

Kritik an der DFL – Priorität auf Gesundheitswesen legen

Um die dies­jäh­ri­ge Sai­son sicher zu been­den, plant die DFL nach Anga­ben der Tages­schau, sowohl Spie­ler als auch Trai­ner- und Betreu­er­stab alle drei Tage tes­ten zu las­sen. In Zah­len lässt sich der Plan der DFL fol­gen­der­ma­ßen aus­drü­cken: Lässt man jeden ein­zel­nen Spie­ler und Funk­tio­när der Clubs der­ar­tig oft tes­ten, sum­mie­ren sich die Kon­trol­len bis Ende Juni auf ins­ge­samt 20.000 Tests. Das Vor­ha­ben scheint jedoch bis dato auf­zu­ge­hen. In Köln hat sich das Virus in den Trai­nings­grup­pen nicht wei­ter ver­brei­tet, und auch in Ber­lin liegt kein posi­ti­ves Test­ergeb­nis vor. Bei den 36 Erst- und Zweit­li­ga­clubs wur­den nach der letz­ten Test­wel­le ins­ge­samt nur zehn Coro­na-Fäl­le doku­men­tiert.

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Das Vor­ha­ben der DFL stößt gera­de bei Exper­ten aus dem Gesund­heits­we­sen auf Unver­ständ­nis. Hans-Josef Börsch, Vor­stands­mit­glied der Lan­des­pfle­ge­kam­mer Rhein­land-Pfalz äußer­te zuletzt in einer Pres­se­mit­tei­lung sei­ne Kri­tik. „Für uns steht fest, dass Beschäf­tig­te im Gesund­heits­we­sen bei der Durch­füh­rung von -Tests bevor­zugt behan­delt wer­den soll­ten“, so sei­ne Aus­sa­ge. Gera­de weil es noch nicht genü­gend Tests für Pfle­ge­fach­per­so­nen und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge gibt, sieht Börsch die Fra­ge der Prio­ri­sie­rung ein­deu­tig bei der . Die Siche­rung der Pati­en­ten­ver­sor­gung habe für die Gesell­schaft obers­te Prio­ri­tät, über die Sys­tem­re­le­vanz von Pfle­ge­fach­per­so­nal bestehe kei­ner­lei Zwei­fel. Wenn man die Bereit­stel­lung von 20.000 Coro­na-Tests für die Bun­des­li­ga erwägt, dür­fe dies auf kei­nen Fall zum Nach­teil für sys­tem­im­ma­nen­te Berufs­grup­pen wer­den. Wäh­rend Bun­des­li­ga­spie­ler auch ohne den Ver­dacht auf eine Infek­ti­on auf das Virus getes­tet wer­den, feh­len im Gesund­heits­we­sen wei­ter­hin die Tests für das dor­ti­ge Per­so­nal. Dies sei nicht gerecht­fer­tigt, so Börsch. „Daher liegt es in unse­rer Ver­ant­wor­tung, dass erst ein­mal die beruf­lich Pfle­gen­den und alle sys­tem­re­le­van­ten Per­so­nen mit die­sen Tests in aus­rei­chen­dem Maße ver­sorgt wer­den.“

Auch beim Bun­des­ver­band der pri­va­ten Pfle­ge­an­bie­ter (bpa) herrscht rege Empö­rung über die andau­ern­den Dis­kus­sio­nen. Prä­si­dent Bernd Meu­rer brach­te es auf den Punkt. Es gehe in der um die Ver­hin­de­rung schwe­rer Krank­heits­ver­läu­fe, schließ­lich sei­en pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­so­nen beson­ders gefähr­det. Er sei fas­sungs­los dar­über, dass Pfle­gen­de und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge bes­ten­falls bei einem bestä­tig­ten -Fall unter­sucht wer­den, wäh­rend im Fuß­ball jeder ein­fach so getes­tet wer­den wür­de. Man bräuch­te die Test­ka­pa­zi­tä­ten in der , um im Ernst­fall schnell han­deln zu kön­nen.

DFL verteidigt Vorhaben

Aktu­ell kön­nen die deut­schen Labo­re etwa 730.000 Tests pro Woche durch­füh­ren, so die Anga­ben des Robert Koch-Insti­tuts (RKI). Die Unter­su­chun­gen der DFL wür­den nach eige­nen Anga­ben weni­ger als 0,5 Pro­zent der Test­ka­pa­zi­tä­ten bean­spru­chen. Evan­ge­los Katsopou­los, Geschäfts­füh­rer des Berufs­ver­ban­des „Akkre­di­tier­te Labo­re in der Medi­zin“, sag­te gegen­über NDR Info, die Labo­re sei­en noch lan­ge nicht aus­ge­las­tet. „Wenn Pro­fi­sport­ler, oder auch ande­re, nun sol­che Kapa­zi­tä­ten in ver­gleichs­wei­se klei­nen Tei­len in Anspruch neh­men wol­len, um Tei­le des sozia­len Lebens in Deutsch­land wie­der zu stär­ken, dann sehen wir dar­in kein grund­sätz­li­ches Pro­blem. Die Pati­en­ten­ver­sor­gung wird des­halb jeden­falls nicht gefähr­det“, erklärt er. Auch die DFL selbst ver­sprach, die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung selbst­ver­ständ­lich nicht zu beein­träch­ti­gen, soll­te es in naher Zukunft durch z.B. eine zwei­te Infek­ti­ons­wel­le zu Eng­päs­sen kom­men.

Das Hygi­ne­kon­zept der DFL lag auch dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um zur Begut­ach­tung vor. Gesund­heits­mi­nis­ter Spahn sprach dem Kon­zept auch nach dem Video von Kalou grund­sätz­lich eine Sinn­haf­tig­keit zu, solan­ge es auch umge­setzt wer­de. Den Fall Kalous kön­ne man als War­nung an die ande­ren Ver­ei­ne inter­pre­tie­ren. Spahn hofft, dass nun alle ver­stan­den haben, wor­um es geht. Dann kön­ne man, vorraus­ge­setzt es gibt genug Test­ka­pa­zi­tä­ten in den Gesund­heits­ein­rich­tun­gen, die Bun­des­li­ga lang­sam in einen neu­en All­tag füh­ren. Die­ser müs­se jedoch auch gelebt wer­den, so Spahn. Wäh­rend­des­sen sprach Bay­erns Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder von einem „Eigen­tor“ und einem Rück­schritt der Bun­des­li­ga. Ob und wann die­se nun fort­ge­setzt wird, wird heu­te von der Bun­des­re­gie­rung bekannt gege­ben.

Regelmäßige Spielertests ethisch fragwürdig

Laut RKI han­delt es sich bei jedem fünf­ten Todes­op­fer durch Covid-19 um einen Pfle­ge­heim­be­woh­ner. RKI-Vize-Prä­si­dent Lars Schaa­de spricht sich eben­falls für eine häu­fi­ge­re Anwen­dung der Tests in sys­tem­re­le­van­ten Berei­chen aus. „Ich sehe nicht, war­um bestimm­te Bevöl­ke­rungs­grup­pen, ob die nun Sport­ler sind – man kann sich ja auch alles ande­re aus­den­ken, was mög­li­cher­wei­se ein gewis­ses gesell­schaft­li­ches Inter­es­se hat, – war­um die rou­ti­ne­mä­ßig gescreent wer­den sol­len.“

Die Deut­sche Stif­tung Pati­en­ten­schutz warn­te im Bezug auf die Plä­ne der DFL vor einem schwe­ren ethi­schen Feh­ler. Ent­schei­dend sei auch das Bild, wel­ches sich der­zeit in der Gesell­schaft abzeich­net. Es dür­fe nicht der Ein­druck ent­ste­hen, ein Pro­fi­fuß­bal­ler kön­ne sich gleich mehr­fach tes­ten las­sen, wäh­rend das Per­so­nal im Gesund­heits­we­sen nur dar­auf hof­fe, meint auch Hans-Josef Börsch von der Lan­des­pfle­ge­kam­mer Rhein­land-Pfalz.