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PWG-Seminare
Pflegekurse
Pflege­kurse sind im TrendBild: Pixabay

Pflege­kurse im Trend: Wenn man als Partne­rin oder Partner, oder aber als erwach­se­nes Kind, seine Angehö­ri­gen pflegt, lauern zahlrei­che psycho­lo­gi­sche Hürden auf einen – und auch ein sprich­wört­li­ches „dickes Fell“ ist manch­mal vonnö­ten. Davon weiß die Pflege­ex­per­tin Ursula Schweit­zer aus ihrer langjäh­ri­gen Erfah­rung zu berich­ten. „Ich mach‘ alles für Dich, und als Danke­schön bekomme ich alles ab – das ist die typische Gefühls­welt eines pflegen­den Angehö­ri­gen“, erzählt sie. Denn die Emotio­nen und Sorgen des oder der zu Pflegen­den bräuch­ten eben manch­mal ein Ventil – und meist müssten ausge­rech­net dieje­ni­gen daran glauben, die ihnen tatkräf­tig im Alltag zur Seite stehen. Denn sie sind ja nun mal da.

Zumal auch die Betreu­ten wüssten, dass sie sich mehr heraus­neh­men können als etwa bei einer exter­nen Pflege­kraft. Der profes­sio­nelle Abstand aus einer Pflege­ein­rich­tung fehle einfach, sowohl bei den zu Betreu­en­den als auch bei den betreu­en­den Angehö­ri­gen. „Es kommt deshalb sehr darauf an, die Emotio­nen beim zu pflegen­den Angehö­ri­gen nicht zu persön­lich zu nehmen. Das ist die schwerste Übung überhaupt.“ Und wenn gar nichts mehr geht, müsse man sich selbst einen Freiraum schaf­fen. „Manch­mal hilft es schon, mal um den Block zu gehen – oder dem Angehö­ri­gen selbst eine Ansage zu machen.“

Vielfäl­tige Motive zur Kursteilnahme

Am St.-Elisabeth-Krankenhaus in Hohen­lind, einem Quartier im Kölner Stadt­teil Linden­thal, lernen alle Inter­es­sier­ten in eigenen Kursen, worauf es bei der häusli­chen Pflege ankommt. „Was tun, wenn Hilfe zu Hause notwen­dig wird?“ lautet der Titel des dreitä­gi­gen Seminars für pflegende Angehö­rige. Kurslei­te­rin Schweit­zer ist seit 45 Jahren gelernte Kranken­schwes­ter und seit rund 30 Jahren Fachpfle­ge­rin unter anderem für Inten­siv­pflege und Anästhe­sie. Seit 14 Jahren arbei­tet sie außer­dem als Traine­rin für Kinaes­the­tics, der Bewegungslehre.

Mit ihrer Kolle­gin Angelika Sonnen­berg, die den zweiten Pflege-Seminar­tag übernimmt, gibt sie seit langer Zeit die kosten­lo­sen Kurse im Dachge­schoss auf der fünften Etage des Klini­kums, mit traum­haf­tem Blick über den grünen Kölner Westen – bis zu den am Horizont erkenn­ba­ren, derzeit im ukrai­ni­schen Blau-Gelb leuch­ten­den Flutlicht­säu­len des Rhein-Energie-Stadi­ons, der Heimspiel­stätte des 1. FC Köln.

Die Gruppe der Teilneh­men­den ist diesmal bunt gemischt, ihre Motive vielfäl­tig: Ein Paar im Renten­al­ter ist mit seiner 47-jähri­gen Tochter beim Kurs dabei; die Mutter hatte durch einen Fahrrad­un­fall im vergan­ge­nen Jahr, bei dem sie sich eine Schul­ter­ver­let­zung zuzog und in der Folge keinen Pflege­dienst gefun­den hatte, selbst die Erfah­rung gemacht, vorüber­ge­hend auf häusli­che Pflege angewie­sen zu sein. Eine Frau im mittle­ren Alter hat zahlrei­che Krank­heits­fälle im Freun­des- und Bekann­ten­kreis miter­lebt und will deshalb für einen ähnli­chen Fall vorsorgen.

Und eine ältere Kursteil­neh­me­rin leidet, wie ihr Mann, unter chroni­schen Krank­hei­ten; sie habe sich entschlos­sen, das Heft des Handels selbst in die Hand zu nehmen, anstatt „wie das Kanin­chen auf die Schlange zu schauen“ und passiv abzuwar­ten, was noch alles passiere, wie sie sagt. Sechs­ter im Bunde ist der Autor, dessen Schwie­ger­mut­ter selbst auf Pflege angewie­sen ist und der bei gemein­sa­men Ausflü­gen oder Reisen bei ihrer Versor­gung mithilft. Ein Achil­les­seh­nen-Riss im vergan­ge­nen Jahr hatte ihm außer­dem ebenfalls vor Augen geführt, wie es sich anfühlt, ein (zeitwei­li­ger) Pflege­fall und auf die Mithilfe von Angehö­ri­gen angewie­sen zu sein.

Rund 2,3 Millio­nen Menschen in Deutsch­land werden durch Angehö­rige gepflegt

Insge­samt ist der Bedarf für Pflege­kennt­nisse bei Angehö­ri­gen in Deutsch­land riesen­groß: Laut einer Auswer­tung des Statis­ti­schen Bundes­am­tes wurden vier von fünf der insge­samt 4,1 Millio­nen Pflege­bedürftigen in Deutsch­land – also knapp 3,3 Millio­nen Menschen – im aktuells­ten vorlie­gen­den Berichts­jahr 2019 zu Hause versorgt, nur etwas mehr als 800.000 Menschen lebten statio­när in einem Pflegeheim.

Von den 3,3 Millio­nen zu Hause leben­den Pflege­be­dürf­ti­gen überneh­men bei 2,33 Millio­nen von ihnen Ange­hörige (nahezu) vollstän­dig die Pflege – nur bei den verblei­ben­den 0,98 Millio­nen Pflege­bedürftige in Privat­haus­halten überneh­men ambulante Dienste die Pflege komplett oder vorwie­gend. Doch nur ein Teil davon wird, entwe­der durch eine eigene Tätig­keit in der Pflege oder etwa Zivil- bezie­hungs­weise Freiwil­li­gen­dienst im Kranken­haus oder Senio­ren­heim, Vorkennt­nisse haben. Vor allem an den Rest richten sich die Kurse, die nach §45 SGB XI eine Leistung der Pflege­kas­sen sind.

Beim Pflege­kurs, hier unter­stützt durch die AOK Rheinland/Hamburg, erhal­ten die Angehö­ri­gen wertvolle Hilfe­stel­lun­gen und Techni­ken vermit­telt: Wie schafft man es etwa, dem Betreu­ten beim Aufste­hen aus einem Stuhl zu helfen? Die Antwort ist hier verblüf­fend einfach: Nicht etwa durch grobes Packen unter den Armen, sondern durch sanftes Ziehen an beiden Händen – natür­lich mit zuvor gesicher­ter stabi­ler Position der Beine des Betreu­ten. Beim Hinset­zen ist es ratsam, die zu betreu­ende Person zuvor mit der rechten Hand die Lehne anfas­sen zu lassen, um einen gefühl­ten „Fall ins Leere“ zu vermeiden.

In Gruppen­übun­gen lernen die Teilneh­men­den, wie leicht die Technik anwend­bar ist. Oder für die Hilfe beim Gehen, mit und ohne Rolla­tor-Unter­stüt­zung – hier bietet sich eine Umklam­me­rung der Hüfte mit der einen Hand, und dem Führen der Hand des Betreu­ten mit der anderen, an.

Wenn der Ton die Musik macht…

Und bei alledem macht auch wieder der Ton die Musik: Eine richtige Anspra­che ist essen­zi­ell, die die Perspek­tive des zu Betreu­en­den einnimmt. „Ich unter­stütze Dich beim Aufste­hen – das erzielt eine ganz andere Wirkung als ‚ich hol Dich jetzt mal aus dem Stuhl‘“, erläu­tert Schweit­zer. Während das eine aktivie­rend und partner­schaft­lich wirke, sei das andere passiv und entwer­tend – und führe zu Frustra­tion und Minder­wer­tig­keits­ge­füh­len. Im weite­ren Kursver­lauf lernten die Teilneh­men­den das richtige Lagern im Bett und Dekubi­tus-Prophy­laxe, die Throm­bose-Prophy­laxe, die Unter­stüt­zung bei Mahlzei­ten und die Assis­tenz bei Toilet­ten­gän­gen kennen. Nach erfolg­reich absol­vier­tem Kurs erhal­ten alle eine Urkunde, die die Teilnahme am Seminar bestä­tigt. Und alle gehen aus dem Kurs in den Sommer­abend hinaus – den Kopf gefüllt und erschöpft, aber auch erleichtert.

Bei der AOK Rheinland/Hamburg haben sich die Pflege­kurse bestens bewährt. „Zum 1. Januar 2019 haben die AOK Rheinland/Hamburg und die AOK NordWest (Schles­wig-Holstein und Westfa­len-Lippe, d. Red.), jeweils für ihren Zustän­dig­keits­be­reich, den dorti­gen Kranken­häu­sern einen Vertrag zur Durch­füh­rung von Pflege­kur­sen angebo­ten“, erläu­tert eine Spreche­rin der gesetz­li­chen Kasse. Voraus­ge­gan­gen sei ein mehrjäh­ri­ges Projekt mit der Univer­si­tät Biele­feld, um den Übergang von der statio­nä­ren Pflege nach einem Klinik-Aufent­halt zur häusli­chen Pflege zu verbessern.

Zum 1. Januar 2019 haben die AOK Rheinland/Hamburg und die AOK NordWest, jeweils für ihren Zustän­dig­keits­be­reich, den dorti­gen Kranken­häu­sern einen Vertrag zur Durch­füh­rung von Pflege­kur­sen angebo­ten. „Dieses bis Ende 2018 durch­ge­führte Projekt war sehr erfolg­reich“, so die Spreche­rin. Daher habe man sich entschlos­sen, das Angebot in die Regel­ver­sor­gung zu übernehmen.

Pflege­kurse: 230 Klini­ken im NRW-Rhein­land und in Hamburg machen mit

Aktuell böten alleine insge­samt 230 Klini­ken im NRW-Teil des Rhein­lands sowie in Hamburg die Kurse an, ein quasi flächen­de­cken­des Angebot. Auch die AOK Nord-Ost (Berlin, Branden­burg, Mecklen­burg-Vorpom­mern) biete ein vergleich­ba­res Angebot. Die Website des AOK-Bundes­ver­bands, mit Suchfunk­tion, bietet für Inter­es­sierte Recher­che­mög­lich­kei­ten nach Pflege­kur­sen in der Nähe.

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