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psychische erkrankung
In rund 18 Prozent der Behand­lungs­fälle steck­ten psychi­sche Erkran­kun­gen hinter dem Klinik­auf­ent­halt junger MenschenBild: Olexy Ohurtsov / Pixabay

Mit rund 147.000 klini­schen Behand­lungs­fäl­len waren im Jahr 2020 psychi­sche Erkran­kun­gen und Verhal­tens­stö­run­gen die häufigste Ursache für statio­näre Kranken­haus-Aufent­halte von jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Mit 17,7 Prozent machten seeli­sche Beschwer­den damit die häufigste Fallgruppe für Klinik-Einwei­sun­gen aus. Das teilte das Statis­ti­sche Bundes­amt im Rahmen einer Sonder­aus­wer­tung anläss­lich des Europäi­schen Jahres der Jugend mit, das die EU für 2022 ausge­ru­fen hat.

Hinter der Fallgruppe der psychi­schen Erkran­kun­gen folgten Schwan­ger­schaft, Geburt und Wochen­bett (15 Prozent), Verlet­zun­gen und Vergif­tun­gen (14 Prozent) sowie Krank­hei­ten des Verdau­ungs­sys­tems (10 Prozent). Im Vergleichs­jahr 2005 hatten psychi­sche Erkran­kun­gen nur 12,4 Prozent aller Klinik-Aufent­halte in der Alters­gruppe zwischen 15 und 24 Jahren ausge­löst, was damals den dritten Platz hinter Schwan­ger­schaft, Geburt und Wochen­bett (19,8 Prozent) sowie Verlet­zun­gen und Vergif­tun­gen (16,6 Prozent) bedeutete.

Statio­näre Behand­lun­gen junger Menschen stark zugenommen

In absolu­ten Zahlen jedoch war im Jahr 2020 die Zahl der statio­nä­ren Klinik-Behand­lun­gen in dieser Alters­gruppe von 169.500 auf die erwähn­ten 147.000 Fälle um 22.500 Behand­lun­gen oder 13 Prozent zurück­ge­gan­gen. Inner­halb von 15 Jahren haben die statio­nä­ren Behand­lun­gen junger Menschen aufgrund psychi­scher Beschwer­den jedoch auch absolut stark zugenom­men – im Jahr 2005 waren es ledig­lich 135.100 Kranken­haus-Behand­lun­gen aus diesen Gründen.

Psychische Erkrankung
Häufigste Diagno­sen statio­nä­rer Kranken­haus­be­hand­lun­gen 15- bis 24-Jähri­gerBild: Desta­tis

Zu beach­ten ist bei den von 2019 auf 2020 gesun­ke­nen Fallzah­len außer­dem, dass im ersten Corona-Jahr 2020 insge­samt viel weniger Klinik­auf­ent­halte statt­fan­den – schließ­lich wurden damals Opera­tio­nen und verschieb­bare Eingriffe, wenn es irgend­wie ging, aufgrund des Infek­ti­ons- und Übertra­gungs­ri­si­kos vertagt. Jedoch auch, um Behand­lungs­ka­pa­zi­tä­ten und Betten für Covid-19-Patien­ten freihal­ten zu können, sowie um den verschärf­ten Hygiene-Aufla­gen für eine Klinik­be­hand­lung Rechnung zu tragen.

Psychi­sche Erkran­kung: Lockdowns als Ursache?

Schaut man sich die Behand­lungs­ur­sa­chen detail­lier­ter an, stützt sich die These, dass die Verwer­fun­gen und die soziale Verein­sa­mung im Zuge der Corona-Lockdowns einen Anteil hatten: Unter den 147.000 Fällen, in denen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren in klini­sche Behand­lung kamen, waren in rund 23.200 Fällen depres­sive Episo­den die Ursache, diese waren damit häufigste unter den Fall-Untergruppen.

Es folgen, mit rund 19.300 Fällen, Folgen von Alkohol­miss­brauch und akuten Alkohol­ver­gif­tun­gen wie Abhän­gig­keits- oder Entzugs­syn­drome – auch hier ist ein Zusam­men­hang zur Corona-Pande­mie nicht abwegig, da laut diver­ser Unter­su­chun­gen zu Lockdown-Zeiten allge­mein mehr Alkohol konsu­miert wurde. An dritter Stelle mit 15.300 Fällen wurden wieder­keh­rende depres­sive Störun­gen bei 15- bis 24-Jähri­gen behandelt.

Quelle: Statis­ti­sches Bundesamt