Ob die Kran­ken­kas­sen für homöo­pa­thi­sche bezah­len sol­len oder nicht, ist ein alt­be­währ­tes Streit­the­ma. Spä­tes­tens nach einer regen Dis­kus­si­on auf der Twit­ter-Sei­te der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se () ist die Debat­te nun wie­der auf­ge­kocht. Die über­nimmt die Kos­ten für homöo­pa­thi­sche bis zu 100 Euro pro Kalen­der­jahr. Bei Twit­ter frag­te ein User Anfang März, ob die denn auch die Wirk­sam­keit der Mit­tel­chen durch Stu­di­en bele­gen kön­ne. Die Ant­wort war das Zünd­holz der Dis­kus­si­on: „Kön­nen Sie uns sau­be­re, wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en nen­nen, die die Nicht-Wirk­sam­keit von Homöo­pa­thie bele­gen?“ Die TK gab an, dass der Tweet nicht ange­mes­sen gewe­sen sei und ent­schul­dig­te sich spä­ter dafür. Gleich­zei­tig wies die Kran­ken­kas­se dar­auf hin, dass der Gesetz­ge­ber Leis­tun­gen wie der Homöo­pa­thie „aus­drück­lich einen Platz in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung“ ein­ge­räumt habe. Die TK gehe damit ledig­lich den Wün­schen der Kun­den nach.

Die Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se ist aller­dings nicht die ein­zi­ge Kas­se, die Leis­tun­gen die­ser Art über­nimmt. Vie­le Kran­ken­kas­sen finan­zie­ren homöo­pa­thi­sche Mit­tel, wenn eine ent­spre­chen­de Medi­ka­ti­on vom Arzt ver­ord­net wur­de. Kri­ti­ker wer­fen den Kas­sen vor, sie wür­den damit fal­sche Signa­le bezüg­lich der Wirk­sam­keit der Medi­ka­men­te set­zen und das Ange­bot ledig­lich zur Kun­den­ge­win­nung im Leis­tungs­ka­ta­log auf­neh­men.

Gassen: „Es ist absurd, wie viel Geld für Kügelchen und Tinkturen aus dem Fenster geworfen wird“

Andre­as Gas­sen, Chef der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung (KBV), äußer­te sich am Mon­tag bei der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der zu dem kon­tro­ver­sen The­ma, als er das Acht-Punk­te-Pro­gramm der vor­stell­te: „Es ist doch absurd, wie viel Geld man­che gesetz­li­che Ver­si­che­rung für Kügel­chen und Tink­tu­ren aus dem Fens­ter wirft, deren Wirk­sam­keit – selbst nach eige­nem Bekun­den der Kas­sen! – nicht belegt ist. Wenn aber ein Arzt einem Pati­en­ten ein erwie­se­ner­ma­ßen wirk­sa­mes ver­ord­net, und hin­ter­her in Regress genom­men wird, weil die Stu­di­en­la­ge für die­se spe­zi­fi­sche Pati­en­ten­grup­pe nicht aus­rei­chend sei, dann läuft etwas gewal­tig schief!“

Er for­der­te, dass die Finan­zie­rung von homöo­pa­thi­schen Mit­teln aus dem Leis­tungs­ka­ta­log der Kas­sen gestri­chen wer­den sol­le, solan­ge es kei­ne wis­sen­schaft­lich erwie­se­nen Stu­di­en zur Wirk­sam­keit gebe. Eben­so ist Josef Hecken vom Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss (G‑BA) wie Gas­sen der Mei­nung, dass die Kos­ten­er­stat­tung für homöo­pa­thi­sche Mit­tel ver­bo­ten wer­den sol­le. Auch die SPD wird im Juni auf dem Wahl­par­tei­tag dar­über bera­ten, ob ein ent­spre­chen­des Ver­bot in das Regie­rungs­pro­gramm 2017 mit auf­ge­nom­men wer­den soll.