Über­füll­te Not­auf­nah­men und gleich­zei­tig zu wenig Per­so­nal, das den zahl­rei­chen Pati­en­ten­fäl­len gerecht wer­den kann – dies ist ein bereits bekann­tes und viel dis­ku­tier­tes Pro­blem. Ein Lösungs­an­satz sieht der Vor­stands­vor­sti­zen­de der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung (KBV), Dr. Andre­as Gas­sen, offen­bar in der Ein­füh­rung einer Not­auf­nah­me­ge­bühr. Da die­ser Ansatz bereits für Wider­stand gesorgt hat, hat Gas­sen in einer Pres­se­mit­tei­lung erneut Stel­lung bezo­gen.

Gassen: „Wir wollen Notfallpatienten nicht zur Kasse bitten“

„Wir wol­len, dass nur Pati­en­ten mit erns­ten Erkran­kun­gen, zum Bei­spiel bei Ver­dacht auf einen Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall, eine Not­fall­am­bu­lanz der Kran­ken­häu­ser auf­su­chen“, beton­te Gas­sen und füg­te hin­zu: „Aller­dings stel­len wir fest, dass immer mehr Men­schen selbst tags­über eine Not­fall­am­bu­lanz auf­su­chen, obwohl sie zu einem der rund 148.000 nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te gehen könn­ten.“

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Daher haben die und die Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen (KVen) ein Kon­zept ent­wi­ckelt, um die neu zu struk­tu­rie­ren. Dar­in vor­ge­se­hen sei viel­mehr der Aus­bau der Bereit­schafts­dienst­num­mer 116117, die Pati­en­ten künf­tig rund um die Uhr anwäh­len kön­nen, wenn sie ärzt­li­che Hil­fe benö­ti­gen. Fach­per­so­nal soll dann über die wei­te­re Ver­sor­gung ent­schei­den und ent­spre­chend eine Behand­lung in einer Arzt­pra­xis, in einer Bereit­schafts­dienst­pra­xis oder eben in einem Kran­ken­haus emp­feh­len. Bis­lang dür­fen die KVen den Bereit­schafts­dienst nur abends, nachts und am Wochen­en­de anbie­ten. Der Bereit­schafts­dienst ist ein Ange­bot der KVen und soll Pati­en­ten als Anlauf­stel­le die­nen, wenn sie außer­halb der gewöhn­li­chen Öff­nungs­zei­ten der Arzt­pra­xen ärzt­li­che Hil­fe benö­ti­gen. „Unser Anlie­gen ist es, dass Pati­en­ten, die krank sind, schnellst­mög­lich die rich­ti­ge Ver­sor­gung erhal­ten. Unser Anlie­gen ist es nicht, Not­fall­pa­ti­en­ten zur Kas­sen zu bit­ten“, füg­te Gas­sen sei­nem Vor­schlag hin­zu.

„Vor dem Hin­ter­grund, dass die Ärz­te in Pra­xen und Kran­ken­häu­sern bereits jetzt am Limit sind, bedarf es drin­gend einer sol­chen Lösung“, erklärt auch der stell­ver­tre­ten­de -Vor­stands­vor­sit­zen­de Dr. Ste­phan Hof­meis­ter. Eine Gebühr sol­le nur die letz­te Lösung sein und dann vor allem die­je­ni­gen Pati­en­ten betref­fen, „die wei­ter­hin die Not­fall­auf­nah­men der Kran­ken­häu­ser auf­su­chen, wohl­wis­send, dass sie zu einem nie­der­ge­las­se­nen Arzt gehen könn­ten“, so -Chef Gas­sen wei­ter.

: „Eine solche Strafgebühr ist aus unserer Sicht schlicht falsch“

Bei der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (DKG) ist die­ser Vor­schlag auf deut­li­che Ableh­nung gesto­ßen. Kri­tisch sieht -Haupt­ge­schäfts­füh­rer Georg Baum vor allem, dass eine Abgren­zung ab wann es sich um einen Not­fall han­delt, oft­mals äußerst schwie­rig sei. „Ein Pati­ent ent­schei­det aus sei­ner sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mung her­aus und sei­ne per­sön­li­che Betrof­fen­heit kann durch­aus so sein, dass er sich als Not­fall sieht, ohne nach rein fach­li­chen Gesichts­punk­ten tat­säch­lich eine Not­fall zu sein. Hier dann aber eine Gebühr wegen fälsch­li­cher Nut­zung einer Not­fall­am­bu­lanz zu erhe­ben, wäre mehr als zwei­fel­haft“, stell­te Baum klar. Es bestehe zudem die Gefahr, dass gera­de sozi­al schwä­che­re Men­schen die nicht mehr besu­chen, um kei­ne Gebühr zah­len zu müs­sen.

Grund­sätz­lich bestehe aber durch­aus Reform­be­darf in der ambu­lan­ten , stellt die DKG klar. Dazu soll­te vor allem die Koope­ra­ti­on zwi­schen nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten und Kran­ken­häu­sern aus­ge­baut wer­den. Zudem merk­te Baum an, dass das Ange­bot des nie­der­ge­las­se­nen Bereichs nicht aus­rei­chend sei und die KVen an die­ser Stel­le zunächst ein­mal ihrem Sicher­stel­lungs­auf­trag gerecht wer­den müss­ten.