Studie
Eine Studie belegt: Die Pande­mie hat bei Pflege­be­dürf­ti­gen und pflegen­den Angehö­ri­gen deutli­che Spuren hinter­las­sen Bild: © Adamgre­gor | Dreamstime.com

Sie sind oft einsam und überfor­dert: Die Pande­mie hat bei Pflege­be­dürf­ti­gen und pflegen­den Angehö­ri­gen deutli­che Spuren hinter­las­sen. So lautet ein erstes Zwischen­er­geb­nis der BaCom-Studie (Bayeri­scher ambulan­ter COVID-19 Monitor). „Die ersten Ergeb­nisse der Studie verdeut­li­chen nachdrück­lich: Die Pande­mie war und ist eine starke psychi­sche Belas­tung für Pflege­be­dürf­tige wie auch für pflegende Angehö­rige“, sagt Bayerns Gesund­heits- und Pflege­mi­nis­ter Klaus Holet­schek dazu.

Während pflegende Angehö­rige beson­ders gefor­dert waren, weil Entlas­tungs- und Unter­stüt­zungs­mög­lich­kei­ten wie Tages­ein­rich­tun­gen, Kurzzeit­pflege oder Ergothe­ra­pie ausge­fal­len sind, machte den Pflege­be­dürf­ti­gen selbst vor allem die Einsam­keit zu schaf­fen.

Studie: Einsam­keit hat zugenom­men

„Das Gefühl des Allein­seins hat bei Pflege­be­dürf­ti­gen mit und ohne COVID-Erkran­kung im Vergleich zu der Zeit vor der Pande­mie deutlich zugenom­men“, berich­tet Studi­en­lei­ter Profes­sor Jochen Gensi­chen, Direk­tor am Insti­tut für Allge­mein­me­di­zin der Ludwig-Maximi­li­ans-Univer­si­tät München (LMU).

Gerade die unter­bro­che­nen Prozesse in den Familien seien es, die die Pflege­be­dürf­ti­gen beson­ders beein­träch­tig­ten. „Die vertrau­ten Bezie­hun­gen ändern sich, wenn sie nur noch über das Telefon gelebt werden können. Wichtige beratende Aufga­ben einer Großel­tern­schaft können nicht mehr übernom­men werden und reduzie­ren die Teilhabe am Famili­en­le­ben.“

Aber auch jene, deren pflege­be­dürf­tige Angehö­rige in statio­nä­ren Einrich­tun­gen versorgt werden, zeigen ein erhöh­tes Angst- und Stress­auf­kom­men. Die Kontakt­be­schrän­kun­gen hätten die Sorgen um die Pflege­be­dürf­ti­gen nochmals verstärkt, erklärt Gesund­heits­mi­nis­ter Holet­schek.

Bis zu 1500 Teilneh­mer insge­samt

Die BaCoM-Studie war 2021 unter Feder­füh­rung des Klini­kums der LMU gestar­tet worden, um die psychi­schen, physi­schen und sozia­len Auswir­kun­gen der COVID-19 Pande­mie bei Pflege­be­dürf­ti­gen und Angehö­ri­gen in der ambulan­ten und statio­nä­ren Langzeit­pflege in Bayern inter­dis­zi­pli­när zu unter­su­chen.

Bis zu 1500 Bürger mit Unter­stüt­zungs­be­darf bei Alltags­ak­ti­vi­tä­ten (zum Beispiel Haushalt, Medika­tion, Mobili­tät) oder Pflege­stufe I bis V aus häusli­cher oder statio­nä­rer Pflege mit positi­vem COVID-19 PCR-Test sollen zu den körper­li­chen und psychi­schen Folgen ihrer Erkran­kung befragt und unter­sucht werden. Auch Hausärz­tin­nen und Hausärzte werden im Rahmen des Projek­tes befragt. Mit rund 3,4 Millio­nen Euro fördert das Bayeri­sche Gesund­heits- und Pflege­mi­nis­te­rium die Studie.

Studie geht weiter

Neben dem LMU Klini­kum München sind die Katho­li­sche Stiftungs­hoch­schule München sowie die Univer­si­täts­kli­ni­ken in Würzburg und Erlan­gen an dem Projekt betei­ligt. Im ersten Jahr haben sich nach Angaben des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums und der LMU fast 500 Pflege­be­dürf­tige, Leistungs­er­brin­ger und Angehö­rige betei­ligt. Nun würden für den weite­ren Verlauf der Studie, die insge­samt drei Jahre dauern soll, zusätz­li­che Teilneh­mer gesucht.

Teilneh­mende Hausärz­tin­nen und Hausärzte erhal­ten eingangs eine kurze Einfüh­rung zum Ablauf der Unter­su­chung, anschlie­ßend klären sie die Patien­ten oder ihre gesetz­li­chen Vertre­ter über die Studie auf, holen die Einver­ständ­nis­er­klä­rung ein und übersen­den den ausge­füll­ten Frage­bo­gen des Patien­ten sowie die Aufklä­rungs- und Einwil­li­gungs­un­ter­la­gen zur Studie – Gesamt­auf­wand etwa 30 Minuten.

Über diese wissen­schaft­li­che Daten­er­he­bung sollen fundierte Erkennt­nisse generiert werden, um auch für zukünf­tige Pande­mien besser vorbe­rei­tet zu sein.

BaCoM ist ein Verbund­pro­jekt, das die Exper­tise aus folgen­den Fachbe­rei­chen vereint:

  • Allge­mein­me­di­zin
  • Infek­tio­lo­gie
  • Pflege­wis­sen­schaft
  • Sozio­lo­gie

Quelle: BaCom