Der Rücken wird oft stark belastet während der pflegerischen Tätigkeiten.
Der Rücken wird oft stark belas­tet wäh­rend der pfle­ge­ri­schen Tätig­kei­ten.Robert Kneschke/Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Pfle­ge­kräf­te sind eine der Berufs­grup­pen mit einem beson­ders hohem Kran­ken­stand. So feh­len Fach­kräf­te, die in Pfle­ge- oder Alten­hei­men arbei­ten, durch­schnitt­lich 24 Tage, wäh­rend für Beschäf­tig­te aus ande­ren Berei­chen im Durch­schnitt 16 Krank­heits­ta­ge ver­zeich­net wer­den kön­nen – so die Zah­len des letz­ten BKK Gesund­heits­a­tals 2017. Neben psy­chi­schen Belas­tun­gen lei­den Pfle­ge­kräf­te vor allem auch unter star­ken kör­per­li­chen Bean­spru­chun­gen und den damit ver­bun­de­nen Fol­gen. So fal­len bei­spiels­wei­se weib­li­che Alten­pfle­ge­rin­nen wegen Mus­kel- und Ske­let­ter­kran­kun­gen laut dem Gesund­heits­at­las dop­pelt so lan­ge aus wie die weib­li­chen Beschäf­tig­ten in ande­ren Bran­chen insgesamt.

Auch die Berufs­ge­nos­sen­schaft für Gesund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge (BGW) ver­zeich­ne­te im Jahr 2016 eine beson­ders hohe Mel­de­zahl von Haut- und Wir­bel­säu­len­pro­ble­men bei Men­schen mit Gesund­heits­be­ru­fen. Die Rücken­par­tie scheint also in beson­de­rem Maße unter den pfle­ge­ri­schen Tätig­kei­ten zu lei­den. Wie kann dem prä­ven­tiv ent­ge­gen gewirkt wer­den bzw. wie kann man ver­mei­den, dass der Rücken über­haupt so stark belas­tet wird?

Das beste Mittel: Vorbeugen

Mus­kel- und Ske­let­ter­kran­kun­gen sowie Schmer­zen im Rücken­be­reich kom­men in der pfle­ge­ri­schen Arbeit in der Regel durch Fehl­be­las­tun­gen bei Hebe- und Tra­ge­tä­tig­kei­ten bzw. im All­ge­mei­nen beim Bewe­gen der Pati­en­ten oder Bewoh­nern in Pfle­ge­hei­men vor. Hier gilt es prä­ven­tiv gegen der­ar­ti­ge Fehl­be­las­tun­gen vor­zu­ge­hen – hel­fen kön­nen dabei spe­zi­ell für die pfle­ge­ri­sche Arbeit ange­fer­tig­te Hilfs­mit­tel, die den Arbeits­all­tag deut­lich ver­ein­fa­chen können.

Folgende Hilfsmittel schlägt die BGW vor:

  • Die Anti­rutschmat­te
  • Der Bett­zü­gel
  • Der Hal­te­gür­tel
  • Das Roll­brett
  • Die Gleit­mat­te
  • Der Pati­en­ten­lif­ter
  • Höhen­ver­stell­ba­re Liegen

Mit der Anti­rutschmat­te ist es bei­spiels­wei­se mög­lich, dass der im Bett lie­gen­de Pati­ent durch das Abdrü­cken mit den Fer­sen auf der Mat­te nach oben an das Kopf­en­de rut­schen kann, ohne dabei abzu­rut­schen. Ein Hal­te­gür­tel, der im Becken­be­reich ange­legt wird, ermög­licht das siche­re Hal­ten und Füh­ren des Pati­en­ten beim Auf­ste­hen und Umset­zen. Wenn die Hilfs­mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen, soll­ten alle Mit­ar­bei­ter zur rich­ti­gen Anwen­dung ein­ge­wie­sen wer­den und dann soll­ten sie natür­lich auch kon­se­quent ein­ge­setzt wer­den. Es ist rat­sam, sie daher in greif­ba­rer Nähe zu lagern.

Bewegung, Sport und Kinästhtetik

Neben tech­ni­schen Hilfs­mit­teln gibt es aber auch noch ande­re Mög­lich­kei­ten für ein rücken­scho­nen­des Arbei­ten zu sor­gen. So kann bereits bei der Schicht­pla­nung berück­sich­tigt wer­den, dass die belas­ten­den Tätig­kei­ten auf alle Pfle­gen­den gleich ver­teilt wer­den. Zudem kann der Ein­satz von Kin­äs­the­tik eine wah­re Hil­fe sein. Mit den Kon­zep­ten der Kin­äs­the­tik kön­nen Pati­en­ten ein­fa­cher und scho­nen­der bewegt wer­den und gleich­zei­tig för­dert es die Mobi­li­tät und kör­per­li­che Gesund­heit der Pati­en­ten. Zuletzt ist es rat­sam, auch außer­halb der Arbeit nicht auf Prä­ven­ti­on und die eige­ne kör­per­li­che Gesund­heit zu ver­zich­ten. Bewe­gung und Sport sowie bereits klei­ne Übun­gen in der Frei­zeit und im All­tag sor­gen für einen star­ken und ein­satz­fä­hi­gen Rücken.

Um Rücken­pro­ble­men im pfle­ge­ri­schen All­tag vor­zu­beu­gen, gibt es also eine Rei­he von Maß­nah­men, die am bes­ten bereits ergrif­fen wer­den soll­ten, bevor kör­per­li­che Beschwer­den ein­tre­ten. Übri­gens: Der Arbeit­ge­ber ist grund­sätz­lich dazu ver­pflich­tet, nöti­ge Hilfs­mit­tel für die Mit­ar­bei­ter zur Ver­fü­gung zu stel­len. In den Para­gra­fen §§ 616–618 BGB ist die Für­sor­ge­pflicht des Arbeit­ge­bers gegen­über den Arbeit­neh­mern gere­gelt. Dar­in heißt es unter anderem:

Der Dienst­be­rech­tig­te hat Räu­me, Vor­rich­tun­gen oder Gerät­schaf­ten, die er zur Ver­rich­tung der Diens­te zu beschaf­fen hat, so ein­zu­rich­ten und zu unter­hal­ten und Dienst­leis­tun­gen, die unter sei­ner Anord­nung oder sei­ner Lei­tung vor­zu­neh­men sind, so zu regeln, dass der Ver­pflich­te­te gegen Gefahr für Leben und Gesund­heit soweit geschützt ist, als die Natur der Dienst­leis­tung es gestat­tet. (§ 618 Abs. 1)

Eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung vor­ab kann bei der Erfas­sung der erfor­der­li­chen Mit­tel und Maß­nah­men helfen.