Seit Diens­tag dis­ku­tie­ren die Dele­gier­ten des Deut­schen Ärz­te­ta­ges ver­schie­de­ne The­men, heu­te ist der letz­te Tag der Ver­an­stal­tung in Frei­burg. Auf­ge­tre­ten sind unter ande­rem der Prä­si­dent der Bun­des­ärz­te­kam­mer, Prof. Frank Ulrich Mont­go­me­ry, und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he. Neben dem Fach­kräf­te­man­gel stan­den das Pati­en­ten­wohl und die auf dem Tableau. Am Don­ners­tag ging es – ange­sichts der jüngs­ten „WannaCry“-Computerattacke – auch um die Daten­si­cher­heit im ärzt­li­chen Kon­text. Zu die­sem The­ma hat­ten die den Com­pu­ter­ex­per­ten Sascha Lobo gela­den.

Automatische Anpassung des ärztlichen Stellenkontingents

Per­so­nal­un­ter­gren­zen sind zur Zeit in aller Mun­de. Bei der Erar­bei­tung der Vor­ga­ben und Sank­tio­nen sol­le die Fach­kom­pe­tenz der Ärz­te­schaft, der Pfle­gen­den und der The­ra­peu­ten ein­be­zo­gen wer­den, so der Kon­sens auf dem Ärz­te­tag. Finan­zi­el­le Abschlä­ge bei Nicht­ein­hal­tung der Unter­gren­zen lehn­ten die Dele­gier­ten ab. Damit wäre weder Pati­en­ten noch Kli­ni­ken gehol­fen.

Anzei­ge
avanti

Kon­kret spra­chen sich die Dele­gier­ten für eine auto­ma­ti­sche Anpas­sung des ärzt­li­chen Stel­len­kon­tin­gents aus, sobald die ärzt­li­chen Über­stun­den in einem Beob­ach­tungs­zeit­raum von jeweils sechs Mona­ten regel­mä­ßig die tarif­li­che Regel­ar­beits­zeit einer ärzt­li­chen Voll­kraft über­schrei­ten. Nicht besetz­te oder nicht besetz­ba­re Stel­len soll­ten tages­ak­tu­ell auf der Web­site der Kli­nik ver­öf­fent­licht wer­den.

Ärztetag will stärkere Patientenorientierung

Außer­dem soll­ten die Bun­des­län­der die Akut­kli­ni­ken dazu ver­pflich­ten, die Rela­ti­on von Pfle­ge­kräf­ten zu Pati­en­ten für jede Schicht und jede ein­zel­ne Sta­ti­on zu doku­men­tie­ren. Es sei ein „Gebot der Fair­ness“ den Pati­en­ten gegen­über, die ent­spre­chen­den Zah­len in den Qua­li­täts­be­rich­ten der Kli­ni­ken offen­zu­le­gen. Die Dele­gier­ten ver­wie­sen auf ent­spre­chen­de Rege­lun­gen im Aus­land.

Der Ärz­te­tag hat außer­dem einen grund­le­gen­den gesund­heits­po­li­ti­schen Stra­te­gie­wech­sel hin zu einer stär­ke­ren Pati­en­ten­ori­en­tie­rung gefor­dert. Der von der Poli­tik aus­ge­ru­fe­ne „Wett­be­werb im Gesund­heits­we­sen“ erwei­se sich zuneh­mend als ver­häng­nis­voll. , Kran­ken­häu­ser und Pfle­ge­be­ru­fe stün­den unter einem stän­di­gen finan­zi­el­len Leis­tungs­druck.

Regionale Versorgungsziele definieren

Es wer­de pri­mär auf Kos­ten- und Men­gen­be­gren­zung gesetzt. „Die­se Poli­tik hat uns in die wei­che Ratio­nie­rung und in schlech­te­re Ver­sor­gung zu höhe­ren Kos­ten geführt“, heißt es in einer Ent­schlie­ßung des Ärz­te­ta­ges. Statt­des­sen müs­se auf eine Opti­mie­rung der Pati­en­ten­ver­sor­gung hin­ge­ar­bei­tet wer­den.

Vor­aus­set­zung sei, den Bedarf an medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung regio­nal auf­ge­schlüs­selt zu unter­su­chen und regio­na­le Ver­sor­gungs­zie­le zu defi­nie­ren. Not­wen­dig sei zudem eine struk­tu­rier­te Zusam­men­ar­beit aller Akteu­re. „Nur in gemein­sa­mer Ver­ant­wor­tung kön­nen die Her­aus­for­de­run­gen einer moder­nen und kom­ple­xen Pati­en­ten­ver­sor­gung gemeis­tert wer­den. Ärzt­li­cher Sach­ver­stand ist dabei unab­ding­bar“, so der Ärz­te­tag.

Notfallpraxen als Anlaufstellen schaffen

Auch die Situa­ti­on in den Not­auf­nah­men in Deutsch­land sorgt seit Mona­ten für Schlag­zei­len. Grund ist, dass sich die Zahl der Pati­en­ten, die die Not­fall­ver­sor­gungs­struk­tu­ren in Anspruch neh­men, in den letz­ten zehn Jah­ren ver­dop­pelt hat. Der Ärz­te­tag hat des­halb einen kon­se­quen­ten Aus­bau sek­to­ren­über­grei­fen­der Not­fall­ver­sor­gungs­struk­tu­ren gefor­dert. Dies müs­se in Koope­ra­ti­on zwi­schen Kli­ni­ken und Pra­xen erfol­gen und sek­to­ren­über­grei­fend extra­bud­ge­tär ein­heit­lich finan­ziert wer­den. Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten soll­ten bes­ser dar­über auf­ge­klärt wer­den, in wel­chen Fäl­len sie in die Not­auf­nah­me kom­men bezie­hungs­wei­se einen nie­der­ge­las­sen Arzt auf­su­chen soll­ten.

Kon­kret for­der­ten die Dele­gier­ten des Ärz­te­ta­ges, Not­fall­pra­xen bezie­hungs­wei­se Bereit­schafts­pra­xen an dafür geeig­ne­ten Kli­ni­ken als Anlauf­stel­len zu schaf­fen. Im Rah­men des ver­trags­ärzt­li­chen Bereit­schafts­diens­tes könn­ten Pati­en­ten dort ambu­lant ver­sorgt und bei Bedarf an die sta­tio­nä­ren Not­auf­nah­men wei­ter­ge­lei­tet wer­den.