Anerkennungsgesetz in Deutschland
Spa­ni­sche Pfle­ge­kräf­te, die in Deutsch­land arbei­ten möch­ten, müs­sen sich zunächst durch das Aner­ken­nungs­ver­fah­ren kämp­fen.Mar­co Di Bel­la

Hochqualifizierte Arbeitskräfte aus

In haben Pfle­ge­kräf­te einen Abitur­ab­schluss und danach drei Jah­re stu­diert, sie sind also hoch­qua­li­fi­ziert. Wer die tour de force durch die Behör­den in Deutsch­land und durch das Aner­ken­nungs­ver­fah­ren über­steht, der kann den­noch als spa­ni­sche Pfle­ge­kraft in Deutsch­land arbei­ten. Aller­dings ist die Erfah­rung oft­mals umso ernüch­tern­der, dass sie in Deutsch­land mit Hilfs­ar­bei­ten und Zuar­bei­ten kon­fron­tiert wer­den, zumin­dest zu Beginn. Dem­entspre­chend ist dann auch das anfäng­li­che Gehalt der Spa­ni­er, es bewegt sich rund 500 Euro unter dem Niveau der deut­schen Kol­le­gen.

Die Gesetzesgrundlagen

Die EU-Berufs­an­er­ken­nungs­richt­li­nie 2005/36/EG, die im Jahr 2005 in Kraft getre­ten ist, sieht vor, dass soge­nann­te regle­men­tier­te Berufs­ab­schlüs­se grund­sätz­lich als gleich­wer­tig von den EU-Mit­glieds­staa­ten aner­kannt wer­den. Die Aner­ken­nung der Berufs­ab­schlüs­se für aus­län­di­sche Pfle­ge­kräf­te ist in Deutsch­land seit April 2012 zudem deut­lich leich­ter gewor­den. In dem Monat trat das Aner­ken­nungs­ge­setz für die Ver­fah­ren zur Bewer­tung aus­län­di­scher Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen auf Bun­des­ebe­ne in Kraft. Vor­her gab es nur die Lis­sa­bon­ner Aner­ken­nungs­kon­ven­ti­on, die aller­dings das ers­te völ­ker­recht­li­che Abkom­men zur gegen­sei­ti­gen Aner­ken­nung von Stu­di­en­leis­tun­gen in Euro­pa dar­stell­te. Pfle­ge­kräf­te gehö­ren zur Grup­pe der regle­men­tier­ten Beru­fe und müs­sen das Aner­ken­nungs­ver­fah­ren durch­lau­fen. Die Zustän­dig­keit der Aner­ken­nung liegt in der Hand der Bun­des­län­der.

Das Anerkennungsverfahren und die notwendigen Dokumente

In Nord­rhein-West­fa­len, zum Bei­spiel, kann man sei­nen spa­ni­schen Berufs­ab­schluss als Kran­ken­pfle­ger in einem gere­gel­ten Ver­fah­ren bewer­ten und aner­ken­nen las­sen. Dazu muss man sich an das Lan­des­prü­fungs­amt bei der Bezirks­re­gie­rung Düs­sel­dorf wen­den. Vor­zu­le­gen sind unter ande­rem ein Lebens­lauf, ein ärzt­li­ches Attest, die Abschlussur­kun­de, ein Nach­weis der Aus­bil­dungs­stät­te über die Dau­er der Aus­bil­dung und ein Nach­weis über aus­rei­chen­de Sprach­kennt­nis­se.

Die Sprach­kennt­nis­se wer­den vom loka­len Gesund­heits­amt geprüft, bei­spiels­wei­se dem Gesund­heits­amt Köln. Wenn das Lan­des­prü­fungs­amt in Düs­sel­dorf den Berufs­ab­schluss als gleich­wer­tig aner­kannt hat, kann der Bewer­ber nun die Erlaub­nis zur Füh­rung der Berufs­be­zeich­nung beim Gesund­heits­amt bean­tra­gen. Dafür sind wie­der eine gan­ze Rei­he Unter­la­gen vor­zu­le­gen, unter ande­rem ein Nach­weis, dass der Bewer­ber die deut­sche Spra­che in Wort und Schrift auf dem Abschluss­le­vel B2 beherrscht. Zusätz­lich ist ein Zer­ti­fi­kat nötig, das Kennt­nis­se in der Fach­spra­che nach­weist.

Wer kommt, muss drei Jahre bleiben

Eini­ge Pfle­ge­be­trie­be bie­ten den Zuge­reis­ten Sprach­kur­se an, ver­lan­gen dafür aber auch gleich, dass die Spa­ni­er für drei Jah­re im Betrieb blei­ben. Ansons­ten sind die Kos­ten für den Sprach­kurs fäl­lig – rund 10.000 Euro – die sonst der Euro­päi­sche Sozi­al­fonds zahlt. Es han­delt sich also um Kne­bel­ver­trä­ge zuun­guns­ten der Neu­an­kömm­lin­ge. Eini­ge gehen das Risi­ko ein und gehen trotz­dem vor­zei­tig zurück nach Spa­ni­en. Die anfal­len­den Rech­nun­gen igno­rie­ren sie dann, weil sie wis­sen, dass die EU den Sprach­kurs finan­ziert hat.