Nach Ansicht der Dek­anekon­fe­renz bie­te die Ein­rich­tung einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts (KdöR), die auf frei­wil­li­ger Mit­glied­schaft basie­ren soll – so das Vor­ha­ben des Minis­te­ri­ums – kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge, um den Berufs­stand der Pfle­ge ange­mes­sen zu ver­tre­ten und um ziel­ge­rich­te­te Qua­li­täts­ver­bes­se­run­gen in Angriff zu neh­men, von der die baye­ri­schen Pfle­ge­ein­rich­tun­gen auch tat­säch­lich pro­fi­tie­ren.

Trotz ihrer vor­an­ge­gan­ge­nen öffent­li­chen Stel­lung­nah­me erga­ben sich bis­lang kei­ne kon­zep­tio­nel­len Modi­fi­zie­run­gen: „Es stimmt uns sehr nach­denk­lich, dass wir als Exper­ten und beru­fe­ne Pfle­ge­wis­sen­schaft­ler an den baye­ri­schen Hoch­schu­len in unse­rer deut­li­chen Posi­tio­nie­run­gen über­hört wer­den“, betont Prof. Dr. Micha­el Boss­le von der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Deg­gen­dorf (THD). Die Dek­anekon­fe­renz weist dar­auf hin, dass der minis­te­ri­el­le Vor­schlag in sei­ner jet­zi­gen Form von vorn­her­ein Pri­vi­le­gi­en schafft: Für die geplan­te KdöR ist bis­her allein der Trä­ger­sei­te eine Mit­glied­schaft im Bereit vor­ab fest zuge­si­chert. „Die feh­len­de Klä­rung und Zuwei­sung von Funk­tio­nen die­ses Bei­rats lässt wei­te­re Befürch­tun­gen zu“, so Boss­le.

„Hoch­pro­ble­ma­tisch ist außer­dem die feh­len­de Gesamt­erfas­sung der Pfle­ge­fach­kräf­te in der KdöR“, erklärt Prof. Dr. Con­stan­ze Gie­se von der Katho­li­schen Stif­tungs­fach­hoch­schu­le Mün­chen (KSFH). „Wenn das Kon­strukt der soge­nann­ten Inter­es­sen­ver­tre­tung der Pfle­ge­kräf­te in wie vom Minis­te­ri­um geplant ver­ab­schie­det wird, wer­den sich die Inter­es­sen der beruf­lich Pfle­gen­den wei­ter­hin nicht legi­ti­miert ver­tre­ten las­sen. Die Pfle­gen­den üben einen ein­zig­ar­ti­gen Beruf aus und sind auf bes­se­re Arbeits­kon­di­tio­nen ange­wie­sen, um ihre Ver­ant­wor­tung für die pfle­ge­be­dürf­ti­ge Bevöl­ke­rung ent­spre­chend wahr­neh­men zu kön­nen“, sagt Prof. Dr. Con­stan­ze Gie­se von der KSFH. „Aktu­ell liegt der Ver­dacht nahe, dass ledig­lich die Inter­es­sen der Trä­ger- bzw. Arbeit­ge­ber­sei­te ent­schei­dend sind. Damit wird Gesund­heits- und Pfle­ge­po­li­tik zur Wirt­schafts­po­li­tik. Wohin uns das gebracht hat, sehen wir am mala­den Zustand der Pfle­ge­si­tua­ti­on in vie­len unse­rer Alten­hil­feein­rich­tun­gen und Kran­ken­häu­ser“, ergänzt Prof. Dr. Micha­el Boss­le.