Studien beschäftigen sich mit den Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse von COVID-19.
Studien beschäf­ti­gen sich mit den Risiko­fak­to­ren für throm­bo­em­bo­li­sche Ereig­nisse von COVID-19.Bild: © Martin Brož | Dreamstime.com

Medien­be­rich­ten zufolge nehmen Exper­ten und Exper­tin­nen aktuell eine Zunahme von Throm­bo­sen mit schwe­ren Verläu­fen wahr. Zum einen treten diese unabhän­gig von dem Corona­vi­rus auf (etwa durch Bewegungs­man­gel während des Lockdowns und dem Verzicht auf eigent­lich notwen­dige Arztbe­su­che), zum anderen sind throm­bo­em­bo­li­sche Ereig­nisse im Spezi­el­len vermehrt bei an COVID-19 erkrank­ten Patien­ten und Patien­tin­nen zu beobach­ten. Studien hierzu zeigen auf, dass bei einem schwe­ren Verlauf der COVID-19-Erkran­kung auch ein erhöh­tes Risiko für eine Throm­bose und daraus folgend für eine Lungen­em­bo­lie besteht.

Bei vielen Patien­ten und Patien­tin­nen mit COVID-19 wird zudem eine Komor­bi­di­tät festge­stellt. In einer Studie von Zhou et al.[1] beispiels­weise zeigte sich bei 48 % (91) der unter­such­ten Patien­ten und Patien­tin­nen (insge­samt 191) eine Komor­bi­di­tät, wovon am häufigs­ten Bluthoch­druck (30 %) vertre­ten war, gefolgt von Diabe­tes (19 %) und korona­rer Herzkrank­heit (8 %). Als Risiko­fak­to­ren für eine schlechte Prognose des COVID-19-Krank­heits­ver­laufs konnten hier vor allem ein höheres Alter, ein hoher sogenann­ter SOFA-Score (Kennzahl zur Beurtei­lung des Organ­ver­sa­gens bei einer Sepsis) sowie ein D‑Dimer von über 1 µg/l (Spalt­pro­dukt des Fibrins, das eine wichtige Rolle bei der Bildung von Blutge­rinn­sel spielt) ausge­macht werden. Gerade für Ärzte und Ärztin­nen, die COVID-19-Erkrankte behan­deln, können diese Ergeb­nisse sehr aufschluss­reich sein, um Patien­ten und Patien­tin­nen mit einer poten­zi­ell schlech­ten Prognose durch COVID-19 zu identifizieren.

Darüber hinaus gibt es eine weitere Studie[2], die unter­sucht hat, wie hoch das Risiko einer venösen Throm­bo­em­bo­lie (VTE) bei COVID-19 Patien­ten und Patien­tin­nen mit statio­nä­rem Klinik­auf­ent­halt und ihres Blutungs­ri­si­kos ist. Von den 15 als kritisch krank einge­stuf­ten Patien­ten bzw. Patien­tin­nen (der insge­samt 138 Studi­en­teil­neh­mer und –teilneh­me­rin­nen) – also solche, die künst­lich beatmet werden mussten oder deren Anteil des Sauer­stoffs im Inspi­ra­ti­ons­gas bei mindes­tens 60 Prozent oder höher lag – haben 20 Prozent trotz der von der Richt­li­nie empfoh­le­nen Throm­bo­phy­laxe eine venöse Throm­bo­em­bo­lie entwickelt.

Fazit der Studi­en­au­toren und ‑autorin­nen war, dass kritisch kranke Patien­ten mit COVID-19 ein hohes Throm­bose- sowie ein hohes Blutungs­ri­siko haben. Die inter­na­tio­na­len Richt­li­nien und Empfeh­lun­gen für Hochri­siko-VTE-Patien­ten bestehen in der Verab­rei­chung einer Leitli­ni­en­ge­rech­ten VTE-Prophy­laxe, die den Einsatz von Antiko­agu­lan­zien in Kombi­na­tion mit einer Kompres­si­ons­the­ra­pie berück­sich­ti­gen. Beson­ders Patien­ten mit einem erhöh­ten Blutungs­ri­siko wird eine Kompres­si­ons­the­ra­pie empfohlen.

[1] Zhou F et al. Clini­cal course and risk factors for morta­lity of adult inpati­ents with COVID-19 in Wuhan, China: a retro­spec­tive cohort study. Lancet. 28. März 2020; 395(10229):1054–1062. doi: 10.1016/S0140-6736(20)30566–3. Epub 11. März 2020.
[2] Xu J‑F et al. Risk assess­ment of venous throm­bo­em­bo­lism and bleeding in COVID-19 patients. Under Review at Respi­ra­tory Research (2020). DOI:10.21203/rs.3.rs-18340/v1.

Die Studi­en­zu­sam­men­fas­sung der Sigva­ris Group können Sie hier herunterladen: