Nach­dem am ver­gan­ge­nen Mitt­woch die Exper­ten­an­hö­rung im Bun­des­tag zum The­ma Per­so­nal­un­ter­gren­zen in der Pfle­ge statt­ge­fun­den hat, äußer­te sich auch der Deut­sche Berufs­ver­band für Pfle­ge­be­ru­fe (DBfK) zu dem Sach­ver­halt. Dabei weist der DBfK auf kon­kre­te Aspek­te hin, die drin­gend gere­gelt und beach­tet wer­den müs­sen, wenn das Ziel einer bes­se­ren Pfle­ge und der Arbeits­ent­las­tung für Pfle­gen­de erreicht wer­den soll.

Das Wohl der Patienten und der Pflegenden darf nicht mehr missachtet werden

„Der Ein­stieg in eine ver­bind­li­che Pfle­ge­per­so­nal­be­mes­sung für die Kran­ken­häu­ser ist damit gege­ben und nach unse­rer Ein­schät­zung unum­kehr­bar, auch wenn vie­le Kri­ti­ker das nicht wahr­ha­ben wol­len“, erklärt DBfK-Spre­che­rin Johan­na Knüp­pel. „Anders ist der Abwärts­trend von Kran­ken­haus­pfle­ge seit Ein­füh­rung der DRG’s auch nicht mehr zu stop­pen. Die Kli­nik­lei­tun­gen haben viel zu lan­ge fal­sche Prio­ri­tä­ten gesetzt und das Wohl ihrer Pati­en­ten, aber auch ihrer Beschäf­tig­ten sträf­lich miss­ach­tet. Jetzt muss ein Umden­ken ein­set­zen – selbst da, wo bis­her noch die Ein­sicht fehlt! Und um Schlupf­lö­cher und Fehl­an­rei­ze zu ver­hin­dern – schon jetzt sind Ein­rich­tun­gen auf der phan­ta­sie­vol­len Suche danach, wie die zu erwar­ten­den Rege­lun­gen umgan­gen wer­den kön­nen – sind die Vor­ga­ben so kon­kret wie nur mög­lich zu for­mu­lie­ren und jeweils zeit­na­he Über­prü­fun­gen und Nach­weis­pflich­ten vor­zu­se­hen. Der Auf­wand dafür ist den Kran­ken­häu­sern durch­aus zuzu­mu­ten“, so die DBfK-Exper­tin wei­ter.

Anzei­ge
avanti

So wer­den unter ande­rem die­se Punk­te auf­ge­zählt, die laut DBfK zu beach­ten sind, wenn die Per­so­nal­si­tua­ti­on und Qua­li­tät des Pfle­ge­be­rufs wirk­lich ver­bes­sert wer­den soll: (Wei­te­re Aspek­te sind auf den Sei­ten des DBfK zu fin­den)

  • Die pro­fes­sio­nell Pfle­gen­den müs­sen als die eigent­li­chen Exper­ten kon­se­quent ein­be­zo­gen wer­den, auch in Ent­schei­dun­gen.
  • Die Beschrän­kung auf „pfle­ge­sen­si­ti­ve Berei­che“ darf nur als ers­ter Schritt gel­ten, dem eine Aus­deh­nung auf alle Pfle­ge­be­rei­che eines Kran­ken­hau­ses fol­gen muss. Wo Kran­ke ver­sorgt wer­den müs­sen, sind Berei­che immer „pfle­ge­sen­si­tiv“.
  • Per­so­nal­un­ter­gren­zen sind das abso­lu­te Mini­mum und dür­fen nicht zur Norm wer­den. Wer eine gute Pfle­ge will, muss in der Pfle­ge­per­so­nal­be­mes­sung ober­halb der Unter­gren­zen agie­ren.
  • Es sind in Deutsch­land bis­her kei­ne ech­ten Qua­li­täts­in­di­ka­to­ren eta­bliert, die gute oder schlech­te Pfle­ge abbil­den. Das ist zu ent­wi­ckeln und in die Qua­li­täts­be­richt­erstat­tung der Kran­ken­häu­ser ein­zu­fü­gen.
  • Es ist sicher­zu­stel­len, dass die Ein­hal­tung der Per­so­nal­un­ter­gren­zen in defi­nier­ten Berei­chen nicht durch „Aus­blu­ten“ ande­rer Berei­che erkauft wird. Sonst wäre das Ziel des Geset­zes ver­fehlt und die Gefähr­dung der Pati­en­ten kei­nes­wegs gebes­sert.
  • Es sind kla­re Vor­ga­ben zu tref­fen über die Qua­li­fi­ka­ti­on des vor­zu­hal­ten­den Pfle­ge­per­so­nals, näm­lich drei­jäh­rig aus­ge­bil­de­te Pfle­ge­fach­per­so­nen.
  • Ver­stö­ße gegen die Pfle­ge­per­so­nal­un­ter­gren­zen sind zeit­nah und emp­find­lich zu sank­tio­nie­ren, ein „Durch­mo­geln“ ist inak­zep­ta­bel und darf nicht hin­ge­nom­men wer­den.
  • Das Argu­ment der Kran­ken­häu­ser, es gäbe kei­ne qua­li­fi­zier­ten Bewer­be­rIn­nen auf dem Arbeits­markt, kann nur vor­läu­fig und sehr ein­ge­schränkt gel­ten. Die Kran­ken­häu­ser haben durch ihre Per­so­nal­po­li­tik der ver­gan­ge­nen Jah­re maß­geb­lich dazu bei­getra­gen, dass Pfle­ge­fach­per­so­nen nach Ende der Aus­bil­dung nicht in den Beruf ein­mün­den, berufs- und belas­tungs­be­dingt erkran­ken oder in die Teil­zeit bzw. aus dem Beruf flüch­ten. Die Kli­ni­ken wer­den sich anstren­gen müs­sen, um als Arbeit­ge­ber Ver­trau­en, Loya­li­tät und Glaub­wür­dig­keit wie­der zu gewin­nen.