Anzei­ge
avanti
Die elektronische Patientenakte - Digitalisierung im Gesundheitswesen
im Gesund­heits­we­sen© Thicha Sata­pi­ta­non | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Der Start wur­de bun­des­weit in den Medi­en ver­kün­det: Ziel soll es sein, alles Wich­ti­ge für die Behand­lung beim Arzt/bei der Ärz­tin oder im Kran­ken­haus in die­ser einen elek­tro­ni­schen Akte zu ver­ei­nen. Wer schon ver­sucht hat, an einen älte­ren Befund zu kom­men oder ein Rönt­gen­bild von einem Arzt zum nächs­ten Fach­arzt zu ver­sen­den, wird die­se Inno­va­ti­on grund­sätz­lich begrü­ßen. Jedoch lohnt sich ein genau­er Blick auf die Details die­ses Digitalisierungs-Projekts.

Test der Elektronischen Patientenakte mit Hindernissen

Schon jetzt kann man erken­nen, dass es sich bei der Ein­füh­rung der ePa eher um einen Hin­der­nis­lauf han­deln wird: Auf der Inter­net­sei­te des feder­füh­ren­den Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums fin­det man schnell her­aus, dass die Akte in der 1. Pha­se des „Roll­outs“ nur in Ber­lin und West­fa­len-Lip­pe getes­tet wer­den soll. Die ande­ren Ver­si­cher­ten kön­nen zwar bei ihren Kran­ken­kas­sen den Zugang zur pas­sen­den ePa-App bean­tra­gen, doch anfan­gen kön­nen sie der­zeit damit noch nichts.

Auslesen sensibler Daten in den Arztpraxen – ePa vor Ort

Die Arzt­pra­xen sind die Nächs­ten im geplan­ten Pati­en­ten­ak­ten-Roll­out: Erst bis zum 1.6. sol­len alle Arzt­pra­xen bun­des­weit mit „Kon­nek­to­ren“ aus­ge­rüs­tet sein. Hin­ter die­sem Begriff, der ursprüng­lich aus der Text­lin­gu­is­tik kommt, ver­birgt sich in die­sem Fall das Lese- und Spei­cher­ge­rät für die ePa.

Nötig: Verbesserter für die ePa in verschiedenen Punkten

Dass auch das Spei­chern der sen­si­blen Gesund­heits­da­ten über die „Kon­nek­to­ren“ pri­va­ten Kon­sor­ti­en über­las­sen wird, ist einer der Haupt-Kri­tik­punk­te von Daten­schüt­zern. In ande­ren euro­päi­schen Län­dern über­nimmt das eine Bun­des­be­hör­de oder eine ande­re völ­lig unab­hän­gi­ge, extra dafür gegrün­de­te Insti­tu­ti­on. Der euro­päi­sche Spit­zen­rei­ter in Sachen des Gesund­heits­we­sens, unser Nach­bar­land Däne­mark, setzt auf ein umfas­sen­des Daten­si­cher­heits­kon­zept, das den Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen eine mög­lichst gute Kon­trol­le der eige­nen sen­si­blen Gesund­heits­da­ten ermög­licht. Der Bun­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te Ulrich Kel­ber kri­ti­siert kon­kret, dass die euro­päi­schen -Stan­dards bei der ePa nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Gewor­ben wird zudem in der Image­kam­pa­gne des Bun­des­ge­sund­heits­am­tes für die ePa z. B. auch damit, dass die Ver­si­cher­ten genau bestim­men könn­ten, wer wann wel­che Daten ein­se­hen darf. Ob man einen Haut­aus­schlag hat, soll­te die Zahn­ärz­tin z.B. nicht interessieren.

Nun heißt es jedoch für eine unbe­stimm­te Zeit, dass die­se ver­spro­che­ne Fein­ein­stel­lung durch die Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen nicht mög­lich sein wird. Man kann nur alles oder nichts an Daten für die Ärz­te freigegeben.

Wie finden Sie die ?


Offene Fragen: Datenschutz nach innen, Verschlüsselungstechnik, weiteres Rollout

Im Bereich Daten­schutz ist die Fra­ge nach einem Daten­leck von „innen“ eben­so wich­tig. Ein Bei­spiel aus Asi­en: In Sin­ga­pur wur­den die Namen von 14 000 HIV-Erkrank­ten, von die­sen unge­wollt, über einen Zugriffs­be­rech­tig­ten auf die elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­ak­ten an die Öffent­lich­keit gezerrt. Nicht aus­rei­chend kom­ple­xe Ver­schlüs­se­lungs­tech­ni­ken für die Daten der deut­schen elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­ak­te sind ein wei­te­rer Kri­tik­punkt. Beson­ders deut­lich fällt die Kri­tik von Psy­cho­the­ra­peu­ten aus Bay­ern zur ePA aus: Bei Bekannt­wer­den von psy­chi­schen Erkran­kun­gen, z. B. durch Daten­ver­lus­te im Netz, sind die Stig­ma­ti­sie­run­gen durch die Gesell­schaft immer noch beson­ders schwerwiegend.

Ins Digi­ta­li­sie­rungs-Pro­jekt ePa sol­len die Kran­ken­häu­ser sowie­so erst ab Anfang 2022 ein­ge­bun­den sein. Von Alters­hei­men oder Senio­ren­re­si­den­zen ist in der vor­ge­leg­ten Roll­out-Pla­nung, die vor Coro­na erstellt wur­de, gar nicht erst die Rede.