Auf der Neugeborenen-Station eines Kinderkrankenhauses in Deutschland wurde bei Routine-Screenings vermehrt das Bakterium Klebsiella oxytoca festgestellt. Hygieniger identifizierten als Quelle eine Haushaltswaschmaschine.
Auf der Neu­ge­bo­re­nen-Sta­ti­on eines Kin­der­kran­ken­hau­ses in Deutsch­land wur­de bei Rou­ti­ne-Scree­nings ver­mehrt das Bak­te­ri­um Kleb­si­el­la oxy­to­ca fest­ge­stellt. Hygie­ni­ger iden­ti­fi­zier­ten als Quel­le eine Haus­halts­wasch­ma­schi­ne.© James Kel­ley | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Das Arbeits­schutz­ge­setz (Arb­SchG) gilt als das „Grund­ge­setz“ des Arbeits­schut­zes in Deutsch­land. Es ver­pflich­tet jeden Arbeit­ge­ber, für Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäf­tig­ten am Arbeits­platz zu sor­gen. Die Vor­ga­ben und Infor­ma­tio­nen der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) geben Hand­lungs- und Umset­zungs­hil­fen der Pflich­ten aus staat­li­chen Arbeits­schutz­vor­schrif­ten, Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten und ande­ren Regeln, um Arbeits­un­fäl­le, Berufs­krank­hei­ten und arbeits­be­ding­te Gesund­heits­ge­fah­ren zu ver­mei­den. Der DGUV-Fach­be­reich Gesund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge geht auf die spe­zi­el­len Anfor­de­run­gen und kom­ple­xen Gefähr­dungs- und Belas­tungs­po­ten­tia­le des Gesund­heits­we­sens ein, so bei­spiels­wei­se auch auf den Umgang mit bio­lo­gi­schen Arbeits­stof­fen.

Bakterium Klebsiella oxytoca vermehrt auf Neugeborenen-Station festgestellt

Ein For­scher-Team des Hygie­ne­in­sti­tu­tes des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Bonn um Ricar­da M. Schmit­hau­sen hat vor kur­zem die Ergeb­nis­se einer Stu­die vor­ge­stellt, in der die Über­tra­gungs­we­ge von anti­bio­ti­ka­re­sis­ten­ten Kei­men in einer Haus­halts­wasch­ma­schi­ne unter­sucht und dar­ge­legt wur­den. Auf der Neu­ge­bo­re­nen-Sta­ti­on eines Kin­der­kran­ken­hau­ses in Deutsch­land wur­de bei Rou­ti­ne-Scree­nings ver­mehrt das Bak­te­ri­um Kleb­si­el­la oxy­to­ca fest­ge­stellt – ein Keim, der zu Magen-Darm- und Atem­wegs­in­fek­tio­nen sowie im schlimms­ten Fall zur töd­li­chen Blut­ver­gif­tung füh­ren kann und der zwi­schen April 2012 und Mai 2013 drei­zehn Neu­ge­bo­re­ne sowie ein Kind befal­len hat­te.

Als Quel­le iden­ti­fi­zier­ten die zur Bera­tung hin­zu­ge­zo­ge­nen Hygie­ni­ker des IHPH Bonn eine Haus­halts­wasch­ma­schi­ne, in der Klei­dungs­stü­cke der Neu­ge­bo­re­nen gewa­schen wur­den. Über die Klei­dung wur­den die Kei­me dann auf ande­re Neu­ge­bo­re­nen über­tra­gen.

Erstmaliger Nachweis der Keimübertragung durch eine Waschmaschine

Zwar beschrei­ben ande­re Stu­di­en bereits, dass sich anti­bio­ti­ka-resis­ten­te Bak­te­ri­en in Wasch­ma­schi­nen ein­nis­ten kön­nen, hier jedoch wur­de erst­mals nach­ge­wie­sen, dass es durch eine Wasch­ma­schi­ne auch zur Über­tra­gung von anti­bio­ti­ka-resis­ten­ten Kei­men auf den Men­schen kom­men kann.

Die­se Erkennt­nis­se sind beson­ders wich­tig für die Beur­tei­lung von Gefah­ren, die vom Waschen getra­ge­ner und damit poten­zi­ell kon­ta­mi­nier­ter Berufs­klei­dung in Haus­halts­wasch­ma­schi­nen aus­ge­hen. Denn die täg­li­che Rea­li­tät ist: vie­le Pfle­ge­kräf­te neh­men ihre in der Ein­rich­tung getra­ge­ne Dienst- und Schutz­klei­dung nach der Arbeits­schicht zum Waschen mit nach Hau­se, um sie dort selbst zu waschen und zu bügeln. Dadurch expor­tie­ren sie die Kei­mum­ge­bung ihrer Arbeits­stät­te in ihr häus­li­ches Umfeld. Die Gefahr: im Ver­gleich zur pro­fes­sio­nel­len Auf­be­rei­tung im Tex­til­ser­vice­be­trieb kann das Waschen zu Hau­se kei­ne repro­du­zier­ba­ren Resul­ta­te zur siche­ren Des­in­fek­ti­on garan­tie­ren.

Schon in frü­he­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen zum The­ma kamen die Ver­fas­ser des­halb zu der Schluss­fol­ge­rung: „Die Auf­be­rei­tung von Dienst­klei­dung durch die Mit­ar­bei­ter pri­vat zu Hau­se ist fach­lich abzu­leh­nen und juris­tisch unter­sagt.”

Pro­fes­sio­nel­le Tex­til­dienst­leis­ter näm­lich nut­zen vali­dier­te Auf­be­rei­tungs­pro­zes­se sowie zer­ti­fi­zier­te Hygie­ne­qua­li­täts- und Kon­troll­sys­te­me, um die siche­re Tex­til­des­in­fek­ti­on zu gewähr­leis­ten und damit den Arbeits­schutz zu unter­stüt­zen.

Gefährdungsbeurteilung als erster Schritt zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer

Eine der zen­tra­len Anfor­de­run­gen des Arbeits­schutz­ge­set­zes ist die Durch­füh­rung einer soge­nann­ten Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung durch den Arbeit­ge­ber auch im und Pfle­ge­heim, im sta­tio­nä­ren wie im ambu­lan­ten Bereich. „Durch die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sol­len vor­aus­schau­end Gefähr­dun­gen erkannt und abge­stellt wer­den, bevor sie zur Gefahr bzw. Gesund­heits­ge­fahr wer­den. Mit die­ser Beur­tei­lung fängt der Schutz von Sicher­heit und Gesund­heit der Arbeit­neh­mer am Arbeits­platz an.“

Obwohl es kei­nen vor­ge­schrie­be­nen Weg für die Durch­füh­rung einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung gibt, sol­len sich Umfang und Metho­dik der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung immer an den kon­kre­ten betrieb­li­chen Gege­ben­hei­ten und Vor­aus­set­zun­gen ori­en­tie­ren. Die Schlag­wor­te hier­für lau­ten: Ermit­teln und Beur­tei­len von Gefähr­dun­gen, Fest­le­gen und Durch­füh­ren von Maß­nah­men, zykli­sches Über­prü­fen der Durch­füh­rung und der Wirk­sam­keit der Maß­nah­men.

Dabei sind die Rah­men­be­din­gun­gen für den Arbeit­ge­ber durch § 2 „Grund­pflich­ten des Unter­neh­mers“ in der DGUV Vor­schrift 1 „Grund­sät­ze der Prä­ven­ti­on“ vor­ge­ge­ben:

(1) Der Unter­neh­mer hat die erfor­der­li­chen Maß­nah­men zur Ver­hü­tung von Arbeits­un­fäl­len, Berufs­krank­hei­ten und arbeits­be­ding­ten Gesund­heits­ge­fah­ren sowie für eine wirk­sa­me Ers­te Hil­fe zu tref­fen. […]
(4) Der Unter­neh­mer darf kei­ne sicher­heits­wid­ri­gen Wei­sun­gen ertei­len.
(5) Kos­ten für Maß­nah­men nach die­ser Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift und den für ihn sonst gel­ten­den Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten darf der Unter­neh­mer nicht den Ver­si­cher­ten auf­er­le­gen.

Wer­den bei Durch­füh­rung oder Fort­schrei­bung einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung aktu­el­le Gefähr­dungs­er­kennt­nis­se nicht berück­sich­tigt und zur Prä­ven­ti­on ange­wen­det, so kann den Arbeit­ge­ber bei ein­tre­ten­dem Scha­den ein Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den tref­fen. Bestehen­de Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen wer­den die Stu­di­en­ergeb­nis­se des Hygie­ne­in­sti­tu­tes der Uni Bonn berück­sich­ti­gen müs­sen. Dies vor allem auch des­halb, weil für die Maß­nah­me­ner­ar­bei­tung und ‑durch­füh­rung siche­re und wirt­schaft­li­che Dienst­leis­tungs­mo­del­le des pro­fes­sio­nel­len Tex­til­ser­vice sowohl für den sta­tio­nä­ren als auch den ambu­lan­ten Bereich ver­füg­bar sind.