Am Diens­tag ist die bereits im Koali­ti­ons­ver­trag verein­barte „Konzer­tierte Aktion Pflege“ in Berlin an den Start gegan­gen, so hat es das Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­te­rium berich­tet. Die „Konzer­tierte Aktion Pflege“ stellt ein Maßnah­men­pa­ket dar, mit dem vor allem das Ziel verfolgt wird, wieder mehr Bewer­ber für die Pflege­be­rufe zu gewin­nen. Darüber hinaus soll die „Konzer­tierte Aktion Pflege“ dazu beitra­gen die Arbeits­be­din­gun­gen der Pflege­kräfte aufzu­wer­ten sowie ihre Bezah­lung zu verbessern.

Dazu agieren Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn, Bundes­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Franziska Giffey und Bundes­ar­beits­mi­nis­ter Huber­tus Heil zusam­men mit zahlrei­chen Pflege­be­rufs­ver­bän­den, Pflege- und Kranken­kas­sen sowie mit der Berufs­ge­nos­sen­schaft, der Bundes­agen­tur für Arbeit und anderen Akteu­ren des Gesund­heits­we­sens. Inner­halb eines Jahres wollen sie gemein­sam mit anderen Exper­ten im Rahmen eines Dachgre­mi­ums sowie von fünf Arbeits­grup­pen inten­siv entspre­chende Maßnah­men zur Verbes­se­rung der Situa­tion in der Pflege erarbeiten.

„Gute Pflege bedeu­tet Zuwen­dung. Die benötigt Zeit und genügend Perso­nal. Deshalb starten wir die Konzer­tierte Aktion Pflege. Wir wollen mehr Menschen dazu bringen, diesen verant­wor­tungs­vol­len Beruf zu ergrei­fen. Wir wollen Pflege­kräfte ermun­tern, in den Job zurück­zu­keh­ren oder wieder Vollzeit darin zu arbei­ten. Täglich leisten die Pflege­kräfte in unserem Land Großar­ti­ges für unsere Gesell­schaft. Dafür verdie­nen sie mehr Wertschät­zung im Beruf, gute Arbeits­be­din­gun­gen und eine gerechte Bezah­lung“, so Jens Spahn anläss­lich des Start­schus­ses für die Aktion.

Auch Franziska Giffey betonte, dass die Ausbil­dungs- und Arbeits­be­din­gun­gen in der Pflege verbes­sert werden müssen: „Pflegen nach der Stopp­uhr muss ein Ende haben. Gute Pflege braucht Zeit, um für Menschen da sein zu können. Die Pflege­kräfte leisten viel, sie haben höhere Löhne, bessere Arbeits­be­din­gun­gen und Entlas­tung im Alltag mehr als verdient.“

Mit inten­si­ver Gruppen­ar­beit ans Ziel

Die geplan­ten Arbeits­grup­pen sind themen­be­zo­gen und beschäf­ti­gen sich mit „Ausbil­dung und Quali­fi­zie­rung“, „Perso­nal­ma­nage­ment, Arbeits­schutz und Gesund­heits­för­de­rung“, „Innova­tive Versor­gungs­an­sätze und Digita­li­sie­rung“, „Pflege­kräfte im Ausland“ sowie mit „Entloh­nungs­be­din­gun­gen in der Pflege“.

Koordi­niert wird die Aktion vom Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­te­rium, eine entspre­chende Geschäfts­stelle wird eingerichtet.

„Die aller­letzte Chance“

Zahlrei­che Akteure des Gesund­heits­we­sens haben sich bereits zu der geplan­ten Maßnah­men­ak­tion zu Wort gemel­det. Ingesamt begrüßt man die Aktion, hält derar­tige Maßnah­men zugleich aber für längst überfäl­lig. So sieht es auch der Präsi­dent des Deutschen Pflegerats (DPR), Franz Wagner. „Der Deutsche Pflegerat begrüßt die Konzer­tierte Aktion Pflege. Deren geplan­ter Auftrag und Ziel liegen nahe an dem von uns gefor­der­ten Master­plan für die Pflege­be­rufe. Es ist aller­höchste Zeit aktiv zu werden, denn die Probleme zur Siche­rung der pflege­ri­schen Versor­gung werden täglich größer“, so Wagner. Der DPR werde sich zudem in dem Dachgre­mium sowie in den Arbeits­grup­pen betei­li­gen, heißt es weiter.

Auch Gernot Kiefer vom Vorstand des GKV-Spitzen­ver­ban­des sieht die Konzer­tierte Aktion Pflege als einen wichti­gen Schritt der Bunde­re­gie­rung, der in die richtige Richtung zeigt. „Um die Situa­tion der Pflege­be­dürf­ti­gen und die der Pflegen­den zu verbes­sern, brauchen wir über die bekann­ten Einzel­ak­tio­nen hinaus einen Strauß wohlüber­leg­ter Maßnah­men, die auch die langfris­tige Entwick­lung in den Blick nehmen. Dabei reicht die Bandbreite der notwen­di­gen Maßnah­men von flächen­de­cken­den Tarif­ver­trä­gen über eine Ausbil­dungs­of­fen­sive bis hin zu einer besse­ren Unter­stüt­zung für pflegende Angehö­rige. Mit der Konzer­tier­ten Aktion geht die Bundes­re­gie­rung den richti­gen Weg.“

Weniger positive Worte fand Prof. Chris­tel Bienstein, Präsi­den­tin des Deutschen Berfus­ver­bands für Pflege­be­rufe (DBfK). Zwar sieht sie in der Konzer­tier­ten Aktion Pflege eine Chance, Verbes­se­run­gen für die Pflege­be­rufe herbei­zu­füh­ren – aber eben auch die aller­letzte. Schließ­lich seien die Probleme in der Pflege schon lange bekannt, mittler­weile habe der Pflege­not­stand „Dimen­sio­nen angenom­men, die man kaum für möglich gehal­ten hätte“, sagt sie. „Jetzt heißt es Sensi­bi­li­tät bewei­sen, hinhö­ren, nachfra­gen, innova­tive Ideen und Ansätze prüfen – und genügend Courage und Stehver­mö­gen an den Tag legen, damit gute Lösun­gen auch eine Chance bekom­men“, so die DBfK-Präsi­den­tin weiter.

Quelle: BMG, DPR, GKV, DBfK