Versorgung chronischer Wunde.
Ver­sor­gung chro­ni­scher Wun­de.BVMed

Die Häus­li­che Kran­ken­pfle­ge-Richt­li­nie (HKP-RiL) ist zum 19.8.2019 durch die gesetz­li­chen Vor­ga­ben des Geset­zes zur Stär­kung der Heil- und Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung (HHVG) und des Geset­zes für mehr Sicher­heit in der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung (GSAV) ver­än­dert und ange­passt wor­den. In Bezug auf die Ver­sor­gung von chro­ni­schen und schwer hei­len­den Wun­den regelt § 1 Abs. 3 HKP-RiL nun, dass die­se in spe­zia­li­sier­ten Ein­rich­tun­gen der Wund­ver­sor­gung abre­chen­bar behan­delt wer­den können.

Aus­schlag­ge­bend für die außer­halb der häus­li­chen Ver­sor­gung ist die Annah­me, dass es – bei­spiels­wei­se aus hygie­ni­schen Grün­den – nicht mög­lich ist die Wun­de in den pri­va­ten Wohn­räu­men einer sach- und fach­ge­rech­ten Ver­sor­gung zuzu­füh­ren. Der Hin­weis auf die­se Abwei­chung vom Ort der Behand­lung weg von der Häus­lich­keit hin zur spe­zia­li­sier­ten Ein­rich­tung zur ist vom Arzt auf dem HKP-Ver­ord­nungs­for­mu­lar zu ver­mer­ken. Die­ses for­mel­le Erfor­der­nis ver­deut­licht, dass die Ver­ord­nung als ele­men­ta­rer Bestand­teil des gesam­ten medi­zi­nisch-pfle­ge­ri­schen Ver­sor­gungs­pro­zes­ses alle betei­lig­ten Leis­tungs­er­brin­ger ver­bind­lich verpflichtet.

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Dokumentationsanforderungen der Häuslichen Krankenpflege-Richtlinie

Bei der best­mög­li­chen Abwick­lung des ver­ord­ne­ten Behand­lungs­ge­sche­hens nimmt sodann die prä­zi­se Beschrei­bung der jewei­li­gen Wund­si­tua­ti­on und deren fort­lau­fen­de Abbil­dung eine essen­zi­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ba­sis ein. Mit ande­ren Wor­ten: die umfas­sen­de ist the­ra­peu­ti­scher Stan­dard. Für den Bereich der Deku­bi­tus­be­hand­lung sowie die Maß­nah­men zur Ver­sor­gung von aku­ten, chro­ni­schen und schwer hei­len­den Wun­den wird dies durch die ein­schlä­gi­gen Zif­fern 12, 31, 31a der HKP-RiL auch aus­drück­lich her­aus­ge­stellt. Nur auf der Grund­la­ge von Wund- und Foto­do­ku­men­ta­tio­nen ist der Arzt aus­weis­lich der tra­gen­den Grün­de zum Beschluss über die Ände­rung der HKP-RiL in der Lage den Hei­lungs­ver­lauf einer Wun­de zu beur­tei­len. Ins­be­son­de­re wird vor der Aus­stel­lung einer Fol­ge­ver­ord­nung die Ein­sicht und Aus­wer­tung auf der Grund­la­ge der Wund- und Foto­do­ku­men­ta­ti­on abver­langt. Die text­li­che Beschrei­bung und die foto­gra­fi­sche Abbil­dung der Wun­de neh­men dabei sowohl für die Erst- als auch für die Fol­ge­ver­ord­nung eine beson­de­re Bedeu­tung ein.

Technische Anforderungen

Bei der Anfer­ti­gung einer aus­sa­ge­kräf­ti­gen Foto­do­ku­men­ta­ti­on ist ein sys­te­ma­ti­sches Vor­ge­hen unab­ding­bar. Gene­rell gilt, dass bei jeder Foto­gra­fie der glei­che Abstand (ca. 15 cm) und Win­kel (90° zur Haut­ober­flä­che) zwi­schen Kame­ra und Wun­de ein­ge­hal­ten wer­den muss. Auf­merk­sam­keit ist auch dar­auf zu legen, dass die Auf­nah­men immer unter iden­ti­schen Licht­ver­hält­nis­sen erfol­gen. Nur bei stan­dar­di­sier­ten Rah­men­be­din­gun­gen und gleich­blei­ben­den Auf­nah­me­tech­ni­ken kann die bebil­der­te Ent­wick­lung der Wun­de die Grund­la­ge für die objek­ti­ve Bewer­tung einer pha­sen­ge­rech­ten und effi­zi­en­ten The­ra­pie sein. Schat­ten­bil­dung oder Belich­tungs­feh­ler sind zu ver­mei­den, denn die­se könn­ten zum Bei­spiel als Nekro­sen oder Wund­ta­schen fehl­in­ter­pre­tiert werden.

Datenschutzrechtliche Anforderungen

Neben die­sen auf­nah­me­tech­ni­schen Anfor­de­run­gen sind zudem die daten­schutz­recht­li­chen Belan­ge zu berück­sich­ti­gen. Bei dem foto­gra­fi­schen Abbild einer Wun­de han­delt es sich um schüt­zens­wer­te per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten im Sin­ne von Art. 4 DSGVO, weil das mit den Pati­en­ten­da­ten ver­se­he­ne Foto den Rück­schluss auf eine natür­li­che Per­son erlaubt. Die Ver­ar­bei­tung von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten in auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren – zum Bei­spiel durch das Erhe­ben, die Spei­che­rung oder die Offen­le­gung durch Über­mitt­lung – unter­liegt beson­de­ren daten­schutz­recht­li­chen Anfor­de­run­gen: Ver­stö­ße hier­ge­gen kön­nen sowohl straf- als auch scha­dens­er­satz­recht­li­che Fol­gen nach sich zie­hen. Aus die­sen Grün­den muss sicher­ge­stellt sein, dass weder auf die ver­schrift­lich­te Doku­men­ta­ti­on als auch auf die Foto­do­ku­men­ta­ti­on unbe­rech­tig­te Zugrif­fe erfol­gen kön­nen. Pro­ble­ma­tisch ist die gän­gi­ge Pra­xis der „geteil­ten Doku­men­ta­ti­on“. Oft­mals wer­den die schrift­li­che und die foto­gra­fi­sche Doku­men­ta­ti­on auf unter­schied­li­chen Medi­en (Devices) vor­ge­nom­men. Bereits die Über­tra­gung der Fotos in die Doku­men­ta­ti­on stellt bei die­ser Hand­ha­bung eine daten­schutz­recht­li­che Schwach­stel­le dar, weil auf­grund der Intrans­pa­renz der Daten­ver­ar­bei­tung des Über­tra­gungs­ge­räts der Nut­zer mit­un­ter nicht bemerkt, dass er gehackt wor­den ist. Nach dem Ein­pfle­gen des Fotos in die Doku­men­ta­ti­on müs­sen zudem die Fotos vom Über­tra­gungs­ge­rät unwi­der­ruf­lich gelöscht wer­den, um dem unbe­rech­tig­ten Zugriff Drit­ter vor­zu­beu­gen. Vom Daten-Back­up über Her­stel­ler­lö­sun­gen wie „iCloud“, „One­Dri­ve“ oder die „Goog­le-Cloud“ ist auf­grund der straf­recht­li­chen Rele­vanz (§ 201a StGB) ohne­hin drin­gend abzuraten.

Vereinheitlichung von Text- und Fotodokumentation

Wün­schens­wert ist daher, dass die schrift­li­che und foto­gra­fi­sche Doku­men­ta­ti­on in einem Gerät ver­eint sind. Dies kann etwa durch Tablet-Lösun­gen rea­li­siert wer­den. Hier sto­ßen jedoch häu­fig die wesent­li­chen Para­me­ter der Wund­fo­to­gra­fie an ihre Gren­zen, denn der Abstand und die Beleuch­tungs­ver­hält­nis­se dif­fe­rie­ren regel­mä­ßig von einem Foto zum nächs­ten, auch eine auto­ma­ti­sier­te Kor­rek­tur­funk­ti­on die­ser Sys­te­me könn­ten die Aus­sa­ge­kraft ver­fäl­schen. Eine rechts­kon­for­me und pra­xis­ge­rech­te Lösung bie­tet seit Neu­es­tem das XOTOTEC Kame­ra-Sys­tem, das die digi­ta­le Doku­men­ta­ti­on in Wort und Bild in einem End­ge­rät ver­eint. Neben einem inte­grier­ten Wund­do­ku­men­ta­ti­ons­sys­tem war­tet die Xoto­Cam mit einem Abstands­mess­sys­tem und immer wie­der glei­chen Bild­ergeb­nis­sen durch die Aus­leuch­tung mit­tels zwei­er LED-Krän­ze auf. Die sowie das medi­zi­ni­sche Bild­ma­nage­ment kön­nen so vom mobi­len End­ge­rät ver­eint über eine Schnitt­stel­le in die sta­tio­nä­re Doku­men­ta­ti­on über­führt wer­den – im Sin­ne der qualitäts‑, therapie‑, abrech­nungs- und beweis­recht­li­chen Siche­rung der Daten. Eine Stand-alo­ne-Lösung steht auch für den Bereich der ambu­lan­ten Ver­sor­gung sowie für ande­re Pfle­ge­ein­rich­tun­gen zur Verfügung.