erkennen – Konflikte lösen

Gewalt erkennen und vorbeugen

Plötz­li­che Ver­let­zun­gen am Kör­per der Pati­en­ten kön­nen ein Indiz für unbe­merk­te Gewalt zwi­schen den Bewoh­nern dar­stel­len. Sexu­el­le Über­grif­fe las­sen sich durch Schä­di­gun­gen im Geni­tal­be­reich oder an der Unter­wä­sche des oder der Betrof­fe­nen ver­mu­ten. Anzei­chen auf Gewalt spie­geln sich jedoch auch häu­fig im Ver­hal­ten der Opfer wider. Häu­fig sind die­se auf­ge­wühlt, ängst­lich, depres­siv oder selbst aggres­siv. Schlech­ter Schlaf, Appe­tit-Ver­än­de­run­gen oder Wei­ge­run­gen zur Ent­klei­dung für Pfle­ge kön­nen eben­falls dar­auf hin­deu­ten, dass die Per­son kürz­lich Opfer von kör­per­li­cher, ver­ba­ler oder sexu­el­ler Gewalt wur­de. Hier­bei ist jedoch Vor­sicht zu genie­ßen, da die oben genann­ten Sym­pto­me auch durch alters­be­ding­te kör­per­li­che Ver­än­de­run­gen oder Medi­ka­men­ten­ein­wir­kung aus­ge­löst wer­den kön­nen.

Natür­lich ist jede Gewalt­si­tua­ti­on, je nach­dem wel­che Per­so­nen betei­ligt sind, unter­schied­lich auf­zu­ar­bei­ten. Es gilt, für jede Per­son und für jeden Fall indi­vi­du­el­le Maß­nah­men zur Gewalt­prä­ven­ti­on zu fin­den. Ein paar Grund­re­geln zur Kon­flikt­ver­mei­dung kön­nen jedoch schon hel­fen, die Strei­tig­kei­ten zu ent­span­nen:

Anzei­ge
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1. Den Umgang mit­ein­an­der beein­flus­sen

  • Respekt­voll und zuge­wandt han­deln, hek­ti­sches und gereiz­tes Ver­hal­ten ver­mei­den
  • Per­so­nen anspre­chen, wenn ihr Ver­hal­ten zu einem Kon­flikt füh­ren könn­te
  • Bezie­hun­gen zwi­schen den Bewoh­nern stär­ken, z.B. auf gemein­sa­me Inter­es­sen hin­wei­sen

2. Aus­lö­ser ver­mei­den

  • Regeln ein­füh­ren, um Strei­tig­kei­ten zu umge­hen, z.B. bei der Platz­re­ser­vie­rung in Gemein­schafts­räu­men
  • Per­so­nen räum­lich tren­nen, wenn zwi­schen die­sen Strei­tig­kei­ten bestehen
  • Lärm, Stress und Hek­tik ver­mei­den, z.B. durch die Ver­län­ge­rung der Essens­zeit

3. Bedürf­nis­se beach­ten

  • Indi­vi­du­el­le Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten anbie­ten
  • Din­ge „zum Mit­neh­men“ für Men­schen mit bereit­le­gen
  • Gefähr­de­te Per­so­nen unter­stüt­zen, z.B. Gren­zen auf­zu­zei­gen
  • Bewoh­ner mög­lichst gut ken­nen, um Kon­flik­te bes­ser abse­hen zu kön­nen

4. Kom­pe­ten­zen ver­bes­sern

  • Fort­bil­dun­gen zum Umgang mit her­aus­for­dern­dem Ver­hal­ten
  • Beauf­trag­te zur Prä­ven­ti­on von Kon­flik­ten und Gewalt qua­li­fi­zie­ren
  • Fall­be­spre­chun­gen ein­füh­ren
  • Wis­sen erwei­tern, z.B. über dees­ka­lie­ren­de Kom­mu­ni­ka­ti­on, Aus­wir­kun­gen von Lärm, etc.

5. Rah­men­be­din­gungen gestal­ten

  • Respekt- und ver­trau­ens­vol­le Kom­mu­ni­ka­ti­on för­dern
  • Per­so­nal­ein­satz ange­mes­sen pla­nen, Beschäf­tig­te ent­las­ten
  • Richt­li­ni­en und Ver­fah­ren zum Umgang mit Kon­flik­ten und Gewalt fest­le­gen
  • Wohn­be­rei­che für Men­schen mit ein­rich­ten

Akute Konflikte lösen

Nicht immer lässt sich ein Kon­flikt bereits im Vor­feld unter­bin­den. Damit die­se jedoch nicht in Gewalt aus­ar­ten, ist es wich­tig, die Strei­tig­keit zügig zu unter­bin­den und die Streit­häh­ne aus­ein­an­der zu brin­gen. Zur Dees­ka­la­ti­on kön­nen wei­te­re Pfle­ge­kräf­te her­an­ge­zo­gen wer­den, die ein gutes Ver­hält­nis zu den Betrof­fe­nen haben. Beim Ein­griff ist dabei ein ruhi­ges und ein­fühl­sa­mes Ver­hal­ten not­wen­dig. Opfern von Gewalt soll­te Trost gespen­det wer­den. Bös­ar­ti­ges Schimp­fen oder hek­ti­sches Ver­hal­ten gilt als kon­tra­pro­duk­tiv – jedoch soll­te man der Per­son deut­lich machen, dass ihr Ver­hal­ten inak­zep­ta­bel ist und sie z.B. um Ver­ständ­nis für das Ver­hal­ten demen­ter Bewoh­ner bit­ten. Bei Ver­let­zun­gen durch Gewalt ist ärzt­li­che Hil­fe anzu­for­dern.

Zur Auf­ar­bei­tung des Streit­falls muss zunächst der Aus­lö­ser gefun­den wer­den. Dabei emp­fiehlt sich, die Bewoh­ner mit geziel­ten Ja-Nein-Fra­gen zur Situa­ti­on zu befra­gen und zunächst die Aspek­te anzu­spre­chen, die sich schnell und ein­fach lösen las­sen. Ist die Ursa­che gefun­den, so soll­ten die am Streit betei­lig­ten Per­so­nen zu einem gemein­sa­men, sach­li­chen Aus­tausch zusam­men­ge­führt wer­den.

Es wird eben­falls gera­ten, den Vor­fall detail­liert zu doku­men­tie­ren und die Pfle­ge­lei­tung sowie die Ange­hö­ri­gen des Bewoh­ners zeit­nah in Kennt­nis über den Vor­fall zu set­zen, um gemein­sam über Even­tua­li­tä­ten wie die Infor­ma­ti­on der Poli­zei zu ent­schei­den.

Wei­ter Tipps zum Umgang mit Gewalt zwi­schen Pfle­ge­be­dürf­ti­gen fin­den Sie auf der Home­page des ZQP und unter www.pflege-gewalt.de.