Sachverhalt

Bei der Betrof­fe­nen han­delt es sich um eine 1940 gebo­re­ne Pati­en­tin, bei der im Jahr 2006 in dem beklag­ten Kran­ken­haus eine MRSA- fest­ge­stellt wur­de. Nach­dem sie in einem ande­ren Kran­ken­haus einen Bypass erhal­ten hat­te, wur­de sie in das beklag­te Kran­ken­haus zurück­ver­legt, ohne dass die Ärz­te bei der Wie­der­auf­nah­me ein MRSA-Scree­ning durch­ge­führt haben. Bei der Pati­en­tin wur­de nach eini­gen Tagen eine ihrer Ope­ra­ti­ons­wun­de fest­ge­stellt, jedoch wie­der erst Tage spä­ter danach ein Wund­ab­strich gemacht. Die­ser führ­te zum Nach­weis einer MRSA-Infek­ti­on. Dar­auf­hin wur­de die Pati­en­tin zur Anschluss­be­hand­lung in eine ande­re Kli­nik ver­legt, ohne dass eine Anti­bio­ti­ka­the­ra­pie ein­ge­lei­tet wur­de.

Die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung, mit über­ge­gan­ge­nem Recht der Pati­en­tin, warf den Ärz­ten eine feh­ler­haf­te Behand­lung vor. Dadurch sei­en Behand­lungs­kos­ten in Höhe von ca. 14.800 Euro ent­stan­den, die das beklag­te Kran­ken­haus auf­grund der feh­ler­haf­ten Behand­lung an die Ver­si­che­rung zu erstat­ten habe.

Anzei­ge
Pflegefortbildung des Westens

Entscheidung

Die Scha­dens­er­satz­kla­ge der Ver­si­che­rung ist im Ergeb­nis erfolg­los geblie­ben. Der von medi­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen bera­te­ne 26. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm konn­te trotz vor­lie­gen­der, auch gro­ber ärzt­li­cher in der beklag­ten Kli­nik kei­nen der Klä­ge­rin hier­durch ent­stan­de­nen Scha­den fest­stel­len.

Zwar ist bei der Wie­der­auf­nah­me der Pati­en­tin nach der Bypass­ope­ra­ti­on im Hau­se des beklag­ten Kran­ken­hau­ses behand­lungs­feh­ler­haft kein MRSA-Scree­ning durch­ge­führt wor­den. Die­ses hät­te zur ord­nungs­ge­mä­ßen Befun­dung erfol­gen müs­sen, weil die Pati­en­tin bereits im Jahr 2006 MRSA-Trä­ge­rin gewe­sen sei. Ein wei­te­rer gro­ber Befund­er­he­bungs­feh­ler ist dar­in zu sehen, dass an dem Tag, an dem die Wund­in­fek­ti­on nach­ge­wie­sen wor­den ist, kein Wund­ab­strich durch­ge­führt wur­de, so dass sofort eine geziel­te Anti­bio­ti­ka­the­ra­pie hät­te begin­nen kön­nen. Schließ­lich ist die Pati­en­tin auch des­we­gen grob feh­ler­haft behan­delt wor­den, weil nach dem Nach­weis der MRSA-Infek­ti­on nicht umge­hend mit die­ser The­ra­pie begon­nen wor­den ist.

Trotz Vor­lie­gens die­ser Behand­lungs-und Befund­er­he­bungs­feh­ler schei­tert eine Haf­tung des beklag­ten Kran­ken­hau­ses dar­an, dass der Ver­si­che­rung hier­aus kein Scha­den ent­stan­den ist. Der Scha­den bei der Ver­si­cher­ten ergibt sich aus dem um 13 Tage ver­spä­te­ten Beginn der erfor­der­li­chen anti­bio­ti­schen Behand­lung. Hier­aus ergibt sich aller­dings kein Ver­mö­gens­nach­teil für die Ver­si­che­rung, weil die alter­na­tiv sicher ange­fal­le­nen Kos­ten einer sta­tio­när vor­zu­neh­men­den Anti­bio­ti­ka­the­ra­pie die als Scha­den gel­tend gemach­ten Behand­lungs­kos­ten in jedem Fall über­stie­gen hät­ten. Das am Mitt­woch ver­öf­fent­lich­te Urteil wur­de am 28.10.2016 gefällt und bestä­tigt damit das erst­in­stanz­li­che Urteil des Lan­des­ge­richts Bochum.