Patientenschützer haben dem Bundestag einen Vorschlag zur Neuregelung der Suizidassistenz vorgelegt. (Symbolbild)
Pati­en­ten­schüt­zer haben dem Bun­des­tag einen Vor­schlag zur Neu­re­ge­lung der Sui­zid­as­sis­tenz vor­ge­legt. (Sym­bol­bild)Pho­to 95674098 © Katar­zy­na Bial­a­sie­wicz – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Neuer § 217 ‚Förderung der Selbsttötung‘ das Ziel

Pati­en­ten­schüt­zer haben dem Bun­des­tag eine Neu­re­ge­lung der orga­ni­sier­ten Sui­zid­as­sis­tenz vor­ge­schla­gen. Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Febru­ar, in wel­cher der umstrit­te­ne § 217 StGB für nich­tig erklärt und das Ver­bot zur geschäfts­mä­ßi­gen Sui­zid­hil­fe auf­ge­ho­ben wur­de, sehen die Pati­en­ten­schüt­zer gesetz­li­chen Hand­lungs­be­darf. Die Deut­sche Stif­tung Pati­en­ten­schutz hat dazu in einer Pres­se­mit­tei­lung Stel­lung bezo­gen.

Die geschäfts­mä­ßi­ge Hil­fe zum sei mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar, des­we­gen kön­ne man die orga­ni­sier­te Assis­tenz zur Selbst­tö­tung nicht grund­sätz­lich ver­bie­ten, erklär­te Eugen Brysch, Vor­stand der Deut­schen Stif­tung Pati­en­ten­schutz. Zwar kön­ne der Sozi­al­staat durch Wür­de wah­ren­de Pfle­ge, Pal­lia­tiv­me­di­zin, Psy­cho­the­ra­pie und sozia­le Ange­bo­te Alter­na­ti­ven zum bereit­stel­len, aller­dings wür­den die­se nicht alle Sui­zid­wil­li­ge umstim­men*.

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Das Urteil aus dem Febru­ar die­sen Jah­res stel­le dem Gesetz­ge­ber frei, prak­ti­sche Rege­lun­gen zum Schut­ze des Selbst­be­stim­mungs­rechts der Sui­zid­wil­li­gen zu tref­fen. Eine Rege­lung für die orga­ni­sier­te Hil­fe zur Selbst­tö­tung dür­fe nicht allein auf Betäu­bungs­mit­tel oder ärzt­li­che Assis­tenz beschränkt wer­den, Mit­tel und Weg der soll­ten grund­sätz­lich frei wähl­bar sein, solan­ge sie nicht außer­or­dent­lich gefah­ren­träch­tig sind, so Brysch wei­ter.

Gesetzesvorschlag sieht Verbot profitorientierter vor

Die Pati­en­ten­schüt­zer leg­ten dem Bun­des­tag einen kon­kre­ten Vor­schlag für eine Neu­re­ge­lung vor. Die­se zie­le auf eine Neu­fas­sung des bis­he­ri­gen § 217 ‚För­de­rung der Selbst­tö­tung‘ im Straf­ge­setz­buch ab. Dem­nach soll eine gewerbs­mä­ßi­ge, auf Pro­fit aus­ge­leg­te Ster­be­hil­fe nach Absatz 1 straf­recht­lich sank­tio­niert wer­den.

Der Ent­wurf sieht für pro­fit­ori­en­tier­te Anbie­ter eine Haft­stra­fe von bis zu fünf Jah­ren vor. Schließ­lich böten Ster­be­hil­fe­ver­ei­ne kei­ne Garan­tie dafür, dass die freie Wil­lens- und Selbst­be­stim­mung des Sui­zid­wil­li­gen stets gewähr­leis­tet ist. Eine Finan­zie­rung der Sui­zid­as­sis­tenz durch die Kran­ken­kas­se leh­nen die Pati­en­ten­schüt­zer daher ab. Aus­ge­nom­men sind nach Absatz 2 nicht-gewerb­lich Han­deln­de und Ange­hö­ri­ge.

Kein Verbot für geschäftsmäßige Suizidhilfe

Absatz 3 des Ent­wurfs regelt die Bedin­gun­gen, unter denen eine orga­ni­sier­te Ster­be­hil­fe erfol­gen darf. Hier­für sol­len die stren­gen Kri­te­ri­en des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gel­ten. Der Sui­zid­hel­fer müs­se sich nach eige­ner Sach­kun­de, sprich per­sön­lich, ver­ge­wis­sern und schrift­lich dar­le­gen, dass der Sui­zid­wil­li­ge zuvor hin­rei­chend über die mög­li­chen (rea­lis­ti­schen) Hand­lungs­op­tio­nen auf­ge­klärt wor­den ist. Der Ster­be­hel­fer habe außer­dem zu ver­ant­wor­ten, dass der Ster­be­wil­li­ge die Ent­schei­dung zum Frei­tod im Voll­be­sitz sei­ner geis­ti­gen Fähig­kei­ten abge­wo­gen hat und dass dabei kei­ne äuße­ren Ein­flüs­se, z.B. von Drit­ten, die Ent­schei­dung beein­flus­sen.

Es müs­se garan­tiert sein, dass der Ster­be­wil­li­ge sei­ne Ent­schei­dung in dau­er­haft frei­er Selbst­be­stim­mung trifft. Miss­ach­tet der Sui­zid­hel­fer dies, dro­he ihm eine Frei­heits­stra­fe von bis zu drei Jah­ren. Ange­hö­ri­ge, die den Sui­zid­as­sis­ten­ten unter­stüt­zen, blei­ben nach Absatz 4 straf­frei. Außer­dem lehnt die Stif­tung gesetz­li­che Auf­klä­rungs- und War­te­pflich­ten ab.

Der voll­stän­di­ge Geset­zes­vor­schlag der Stif­tung Pati­en­ten­schutz steht uner­halb der Pres­se­mit­tei­lung zum Down­load bereit.

*Anmer­kung der Redak­ti­on: Zuvor hieß es im zwei­ten Halb­satz: „aller­dings wür­den die­se ’nur weni­ge‘ Sui­zid­wil­li­ge umstim­men“. Die­sen haben wir kor­ri­giert zu: „aller­dings wür­den die­se ’nicht alle‘ Sui­zid­wil­li­ge umstim­men“.