Sofortprogramm Pflege
Das Sofort­pro­gramm ver­spricht eine Rei­he von Ver­bes­se­rungs­maß­nah­men unter ande­rem für die im Kran­ken­haus und in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen.Vik­tor Levi | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

In dem Koali­ti­ons­ver­trag zwi­schen Uni­on und SPD wur­de unter ande­rem ein Sofort­pro­gramm ver­ein­bart, für das Gesund­heits­mi­nis­ter kürz­lich die maß­geb­li­chen Eck­punk­te vor­ge­stellt hat. Es beinhal­tet eine Rei­he von Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Per­so­nal- und Arbeits­si­tua­ti­on für Pfle­gen­de in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sowie für die Alten- und Kran­ken­pfle­ge. Es hat nicht lang gedau­ert, da haben sich zahl­rei­che Ver­bän­de, Par­tei­en und ande­re gesund­heits­po­li­ti­schen Akteu­re zu dem Sofort­pro­gramm geäu­ßert. Ins­ge­samt zeig­ten sie sich dem vor­ge­stell­ten Maß­nah­men­ka­ta­log gegen­über posi­tiv gestimmt, ein­zel­ne Punk­te hin­ge­gen schei­nen jedoch Unklar­heit her­vor­ge­ru­fen zu haben – vor allem in Sachen Umset­zung und Finan­zie­rung wird skep­tisch nach­ge­hakt.

Aufstockung der geplanten neuen Pflegestellen wird positiv bewertet

So bezeich­ne­te bei­spiels­wei­se die pfle­ge­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, Kor­du­la Schulz-Asche, die Auf­sto­ckung der ursprüng­lich geplan­ten 8.000 auf 13.000 neue Stel­len in der Alten­pfle­ge als sehr löb­lich, räum­te aber zugleich ein, dass die­se Maß­nah­me nur auf kur­ze Sicht wirk­sam sein wer­de. Wie bereits in dem Sofort­pro­gramm der Grü­nen for­der­te sie erneut die Schaf­fung von 50.000 neu­en Stel­len in der Kran­ken- und Alten­pfle­ge. Außer­dem bemän­gel­te sie, dass die kürz­lich gemach­ten Vor­schlä­ge des Pfle­ge­be­auf­trag­ten Andre­as Wes­ter­fell­haus nicht in dem Eck­punk­te-Papier berück­sich­tigt wor­den sind. So hat er bei­spiels­wei­se vor­ge­schla­gen, die Arbeits­zei­ten Pfle­gen­der bei gleich­zei­tig vol­lem Lohn­aus­gleich zu redu­zie­ren. Ins­ge­samt bewer­te­te sie die geplan­ten Maß­nah­men als rich­ti­gen ers­ten Schritt, sieht aber noch einen „mei­len­wei­ten Weg“ bevor­ste­hen, um den Pfle­ge­not­stand tat­säch­lich zu bekämp­fen.

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Schulz-Asche stell­te außer­dem fest, dass nicht aus­rei­chend dar­über gespro­chen wur­de, inwie­fern durch die geplan­te Per­so­nal­auf­sto­ckung ent­spre­chen­de Kos­ten­stei­ge­run­gen auf die Ver­si­cher­ten zukom­men wer­den. Anstel­le einer Bei­trags­stei­ge­rung der Pfle­ge­ver­si­che­rung for­der­te sie einen Zuschuss sei­tens der Bun­des­re­gie­rung.

Die Frage der Finanzierung

Dem The­ma der Finan­zie­rung der geplan­ten Stel­len steht auch der GKV-Spit­zen­ver­band kri­tisch gegen­über: „Die geplan­te Quer­fi­nan­zie­rung der neu­en Pfle­ge­stel­len in den Alten­hei­men aus der Kran­ken­ver­si­che­rung sehen wir skep­tisch. Wenn hier mit einem Finanz­trans­fer von der Kran­ken- in die Pfle­ge­ver­si­che­rung begon­nen wird – wo hört das dann auf?“, fragt Flo­ri­an Lanz, Spre­cher des GKV-Spit­zen­ver­ban­des.

Die Deut­sche Kran­ken­haus-Gesell­schaft (DKG) hin­ge­gen pflich­te­te der Idee, jede zusätz­li­che Pfle­ge­stel­le am Bett voll­stän­dig durch die Kran­ken­kas­sen finan­zie­ren zu las­sen, posi­tiv bei. Auf die­se Wei­se haben Kran­ken­häu­ser die Mög­lich­keit, ihr ent­spre­chend auf­zu­sto­cken, heißt es in einer Pres­se­mit­tei­lung der DKG. Außer­dem kön­ne so Per­so­nal, unge­bun­den an Fall­pau­scha­len­er­lö­se, auf­ge­stockt wer­den.

Ohne­hin sieht die DKG in dem vor­ge­stell­ten Kon­zept Spahns das Poten­zi­al, die seit Jah­ren bestehen­den Män­gel der Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung und die Rah­men­be­din­gun­gen in den Kran­ken­häu­sern erheb­lich zu ver­bes­sern. Kri­tik kommt sei­tens der DKG aller­dings dahin­ge­hend auf, als dass die Tarif­stei­ge­run­gen ande­rer Berufs­grup­pen außer­halb der Pfle­ge, wie von Phy­sio­the­ra­peu­ten, Heb­am­men oder Logo­pä­den, nicht voll finan­ziert wer­den sol­len. Hier müs­se das Prin­zip „Glei­ches Recht für Alle“ gel­ten, heißt es.

Nicht alle Bereiche werden berücksichtigt

Unter ande­rem an die­sem Punkt setzt auch der Deut­sche Berufs­ver­band für Pfle­ge­be­ru­fe (DBfK) an. Die­ser sieht näm­lich vor allem den Bereich der ambu­lan­ten Pfle­ge unbe­rück­sich­tigt: „Unzu­rei­chend ist das Sofort­pro­gramm für eine Ver­bes­se­rung der kri­ti­schen Situa­ti­on im Bereich der ambu­lan­ten Pfle­ge“, erklärt DBfK-Prä­si­den­tin Prof. Chris­tel Bien­stein. Ins­ge­samt begrü­ße der DBfK aber die geplan­ten Maß­nah­men und bewer­te­te sie als zukunfts­wei­sen­de Schrit­te. Vor allem aber wer­de der Ver­band einen Blick auf die tat­säch­li­che Umset­zung wer­fen und das Maß­nah­men­pa­ket vor und nach sei­ner Ein­füh­rung kri­tisch beglei­ten, sag­te Bien­stein wei­ter.

Auch der Pfle­ge­kam­mer-Prä­si­dent von Rhein­land-Pfalz, Dr. Mar­kus Mai, hat sich zu Wort gemel­det: „Die Zahl von 13.000 zusätz­li­chen Stel­len mehr für den Bereich der Alten­pfle­ge ist ein sanf­ter Hoff­nungs­schim­mer. Posi­tiv ver­neh­men wir auch, dass die Pfle­ge­emp­fän­ge­rin­nen und – emp­fän­ger nicht zusätz­lich belas­tet wer­den sol­len, um die Stel­len zu finan­zie­ren. Ein ers­ter guter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung“, beton­te der Kam­mer­prä­si­dent. Zugleich for­der­te er aber ein ins­ge­samt „nach­hal­ti­ges Vor­ge­hen“ – also die Schaf­fung von Struk­tu­ren, um lang­fris­tig für eine bes­se­re Arbeits­si­tua­ti­on der beruf­lich Pfle­gen­den zu sor­gen. Dazu zäh­le zum einen, Zeit für die Bewoh­ner und Pati­en­ten zu haben und zum ande­ren die Mög­lich­keit die eige­ne Pro­fes­sio­na­li­tät wei­ter­zu­ent­wi­ckeln sowie ein ange­mes­se­nes Brut­to­ge­halt, das der hohen Ver­ant­wor­tung des Beru­fes gerecht wird.

„Ein Tropfen auf den heißen Stein kann bekanntermaßen der Anfang eines Regens sein“

Der Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des pri­va­ter Anbie­ter sozia­ler Diens­te, Bernd Meu­rer, bewer­te­te vor allem die Auf­sto­ckung auf 13.000 geplan­te neue Pfle­ge­stel­len posi­tiv und zeig­te sich opti­mis­tisch, dass die­ser Maß­nah­me wei­te­re fol­gen wer­den: „Natür­lich tre­ten jetzt Kri­ti­ker auf den Plan, die monie­ren, dass 13.000 zusätz­li­che Stel­len in der Pfle­ge nicht aus­rei­chend sind. Aber ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein kann bekann­ter­ma­ßen der Anfang eines Regens sein“, so Meu­rer. Die Fra­ge jedoch, woher die gan­zen Pfle­ge­kräf­te kom­men sol­len, bleibt für ihn nach wie vor unbe­ant­wor­tet. Ihm zufol­ge müs­se drin­gend mehr unter­nom­men wer­den, aus­län­di­sche Pfle­ge­kräf­te zu akqui­rie­ren.