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Bei kreislaufinstabilen Patienten darf eine Mobilisationsmaßnahme nur nach vorangegangener Kontrolle von Blutdruck, Puls und Atmung und bei stabilen Werten erfolgen. Zudem ist die Begleitung duch eine Pflegefachkraft erforderlich.
Bei kreis­lauf­insta­bi­len Pati­en­ten darf eine Mobi­li­sa­ti­ons­maß­nah­me nur nach vor­an­ge­gan­ge­ner Kon­trol­le von Blut­druck, Puls und Atmung und bei sta­bi­len Wer­ten erfol­gen. Zudem ist die Beglei­tung duch eine Pfle­ge­fach­kraft erfor­der­lich.© Toa555 | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Wegen eines Unfalls auf dem WC erstritt ein 72-jäh­ri­ger Kli­nik­pa­ti­ent mit insta­bi­lem Kreis­lauf 7.500 Euro Schmer­zens­geld. Weil er wäh­rend des Toi­let­ten­gangs unbe­auf­sich­tigt war, in der Fol­ge gegen den Metall­bü­gel des Sei­fen­spen­ders kipp­te und sich am Auge ver­letz­te, sah das Land­ge­richt Trier eine leich­te Fahr­läs­sig­keit des Kli­nik­per­so­nals gege­ben (Az.: 4 O 267/11, Urteil vom 26.6.2015).

Der Mann, der über Kreis­lauf­be­schwer­den, leich­te Schmer­zen und ver­mehr­tes Schwit­zen klag­te, war wegen einer uro­lo­gi­schen Behand­lung im Kran­ken­haus. Am Unfall­tag war er aus dem Bett her­aus mobi­li­siert wor­den, weil er das WC auf­su­chen woll­te. Ein Pfle­ger setz­te ihn auf einen erhöh­ten, fahr­ba­ren Toi­let­ten­stuhl und schob ihn in die­sem sit­zend rück­wärts ins WC. Der Pfle­ger ver­ließ im Anschluss das WC, wäh­rend die Ehe­frau des Pati­en­ten mit auf der Toi­let­te ver­blieb. Plötz­lich wur­de dem Mann übel. Er kipp­te mit dem Ober­kör­per her­un­ter und stieß mit sei­nem rech­ten Auge gegen den Sei­fen­spen­der-Bügel. Hier­durch ver­letz­te er sich am Aug­ap­fel, mit Vor­fall der Iris und Vor­der­kam­mer-Blu­tung des rech­ten Auges. Er muss­te ins­ge­samt drei­mal ope­riert wer­den. Hier­bei bekam er auch eine Iris-Blen­de implantiert.

Kontrolle der Kreislaufwerte wäre erforderlich gewesen

Vor Gericht mach­te er eine erheb­li­che Ein­bu­ße sei­ner Lebens­qua­li­tät gel­tend. Er for­der­te min­des­tens 10.000 Euro Schmer­zens­geld sowie den Ersatz aller künf­ti­gen Schä­den. Aller­dings hat er schon immer auf dem rech­ten Auge schlecht gese­hen. Sei­ne Seh­fä­hig­keit auf die­sem Auge betrug von Kind­heit an nie mehr als 20 %.

Wie das Gericht anmerk­te, hät­te auf­grund der Sym­pto­me der Toi­let­ten­gang in unmit­tel­ba­rer Nähe des Bet­tes statt­fin­den müs­sen. Zudem hät­te die Pfle­ge­fach­kraft den Klä­ger nicht allei­ne las­sen dür­fen, auch mit des­sen Ehe­frau nicht. Zudem hät­te man dafür sor­gen müs­sen, dass im mög­li­chen Sturz­be­reich kei­ne gefähr­li­chen Gegen­stän­de vor­han­den sind. Beim Klä­ger hät­te auf­grund des zurück­lie­gen­den uro­lo­gi­schen Ein­griffs, sei­nen Beschwer­den mit dem Kreis­lauf und sei­ner bereits vor­han­de­nen Seh­be­hin­de­rung ein sehr hohes Sturz­ri­si­ko bestan­den. Vor der Mobi­li­sa­ti­on hät­te man Blut­druck, Puls und Atmung kon­trol­lie­ren müs­sen. Und auch dann hät­te der Pfle­ger den Pati­en­ten nicht im WC allei­ne las­sen dürfen.