Um Infektionserreger effektiv auf der Arbeitskleidung in Gesundheitsberufen zu bekämpfen, muss die sie professionell aufbereitet und sollte nicht zuhause gewaschen werden.
Für eine effek­tive und verant­wor­tungs­volle Infek­ti­ons­prä­ven­tion muss die Arbeits­klei­dung in Gesund­heits­be­ru­fen profes­sio­nell aufbe­rei­tet werden.Bild: © Pranav Kukreja | Dreamstime.com

Wenn es um die Hygiene im Gesund­heits­be­reich geht, herrscht unter Fachkräf­ten schnell Konsens: Hygie­ne­maß­nah­men müssen als ganzheit­li­ches Konzept verstan­den werden. Es hat einige Zeit gedau­ert, bis die Hände­des­in­fek­tion als eine der wichtigs­ten Hygie­ne­maß­nah­men identi­fi­ziert wurde. Dann verstrich noch viel mehr Zeit, bis diese Erkennt­nis auch akzep­tiert und in der Praxis umgesetzt wurde.

Heute weiß man, dass selbst die Abflüsse von Wasch­be­cken oder die Nähte von Gymnas­tik­kis­sen zur Still­le­gung ganzer Kranken­haus­sta­tio­nen führen, weil Antibio­tika-resis­tente Erreger über Vekto­ren (alles was Infek­ti­ons­er­re­ger weiter­ge­ben kann) von einem Ort zum nächs­ten und schließ­lich (wieder) zum Menschen gelan­gen. Es gibt zahlrei­che wissen­schaft­li­che Veröf­fent­li­chun­gen, die das beweisen.

Die Heimwä­sche als hygie­ni­sches Risiko

Völlig unver­ständ­lich ist es daher, dass es gedul­det oder sogar geför­dert wird, dass Arbeits­klei­dung, die in einem hygie­nisch anspruchs­vol­len Bereich getra­gen wird, mit nach Hause genom­men wird, um dort gewaschen zu werden. Glück­li­cher­weise verlie­ren die Antibio­tika-resis­ten­ten Infek­ti­ons­er­re­ger im häusli­chen Umfeld nach einiger Zeit ihre Antibio­tika-Resis­ten­zen und sie mutie­ren im wahrs­ten Sinne des Wortes wieder zu einem ganz norma­len Infek­ti­ons­er­re­ger (was aber auch kein beruhi­gen­der Gedanke sein kann).

Auch das Tragen von Privat­klei­dung unter dem Mantel, der im Eifer des arbeits­täg­li­chen Geschäfts oftmals offen getra­gen wird, durch­bricht den geschlos­se­nen Kreis der gesicher­ten Aufbe­rei­tung und bringt poten­zi­ell konta­mi­nierte textile Artikel in den Privat­haus­halt. Können die Krawatte oder die Wollhose nach dem Tragen sicher desin­fi­ziert werden?

Höchs­tes Maß an Hygiene-Sicher­heit bei profes­sio­nel­len Waschverfahren

Alle Textil-Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men, die Texti­lien aus hygie­nisch anspruchs­vol­len Berei­chen aufbe­rei­ten, können – selbst in Ausnah­me­fäl­len, zum Beispiel bei behörd­lich angeord­ne­ten Desin­fek­ti­ons­maß­nah­men (das betrifft sogar Kinder­ta­ges­stät­ten, wenn melde­pflich­tige Infek­ti­ons­er­re­ger gemel­det werden) – die Wäsche mit Verfah­ren behan­deln, die in der Desin­fek­ti­ons­mit­tel­liste des Robert Koch-Insti­tu­tes (RKI) gelis­tet sind.

In profes­sio­nel­len Textil-Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men werden routi­ne­mä­ßig Desin­fek­ti­ons­ver­fah­ren einge­setzt, die in der Liste des Verbun­des für Angewandte Hygiene (VAH) aufge­führt sind und den Stand der Technik beschrei­ben. Diese Verfah­ren sind von Wissen­schaft­lern und Exper­ten als wirksam befun­den und bieten ein höchs­tes Maß an (Hygiene-)Sicherheit. Solche Verfah­ren können aus vielfach beschrie­be­nen Gründen nicht in der heimi­schen Wasch­ma­schine umgesetzt werden.

Wenn nun noch aufgrund der Umset­zung der neuen europäi­schen Biozid­pro­duk­te­ge­setz­ge­bung künftig jede Firma in ihrem eigenen, nicht akkre­di­tier­ten Labor, mit nur einem Versuch, nur einer Konzen­tra­tion und nur einer Einwirk­zeit aufzei­gen kann, dass ihr eigenes Produkt wirkt und damit eine geset­zes­kon­forme Desin­fek­ti­ons­mit­tel­re­gis­trie­rung bekommt, steigt der Stellen­wert der RKI- und VAH-Desin­fek­ti­ons­mit­tel­liste umso mehr.

Unpro­fes­sio­nelle Wäsche­auf­be­rei­tung passt in kein moder­nes Hygie­nema­nage­ment. Stellen Sie sich vor: Sie versu­chen, in einem Lebens­mit­tel­ge­schäft ihre mitge­brach­ten Verpa­ckungs­be­häl­ter abzuge­ben, die sie in Ihrer eigenen Spülma­schine aufbe­rei­tet haben, um die im Super­markt unver­pack­ten Lebens­mit­tel nach Hause mitzu­neh­men. Das klappt mit dem Hinweis auf das Hygie­nema­nage­ment des Super­mark­tes sicher­lich nur selten, obwohl Ihre Verpa­ckung in der Regel nicht mit Körper­flüs­sig­kei­ten, Blut oder poten­zi­ell verkeim­ten Flächen in Kontakt war.