Pflegende daheim brauchen Unterstützung

Häusliche Pflege: Mitgefühl und mit Gefühl
: Mit­ge­fühl und mit GefühlPezibear/Pixabay.de [CC0 1.0]

Ins­ge­samt posi­tiv kamen bei den ein­ge­la­de­nen Sach­ver­stän­di­gen die Vor­schlä­ge zur Stär­kung pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger und Ver­bes­se­rung der Ver­ein­bar­keit von häus­li­cher Pfle­ge und Beruf an. Ins­be­son­de­re die Ein­be­zie­hung von Freun­den und Nach­barn stieß auf gro­ße Zustim­mung. In der Pra­xis wer­de dies längst umge­setzt, berich­te­te Dr. Eli­sa­beth Fix (BAGFW e.V.). Dies habe sich bewährt und soll­te nun ver­ste­tigt wer­den.

Auch dar­über hin­aus sei Fle­xi­bi­li­sie­rung das Gebot der Stun­de. In der Coro­na-Hoch­pha­se muss­ten vie­le häus­lich Pfle­gen­den den Zusam­men­bruch ihrer Ver­sor­gungs­in­fra­struk­tur erle­ben. Da sei viel Impro­vi­sa­ti­on nötig gewe­sen. Ana­log zur Rege­lung für Eltern, müs­se für sol­che epi­de­mio­lo­gi­sche Kri­sen auch eine Lohn­fort­zah­lung von min­des­tens 6 Wochen gewähr­leis­tet sein, um den Weg­fall von Betreu­ungs­mög­lich­kei­ten auf­fan­gen zu kön­nen.

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In der Kurzzeitpflege ist es besonders brenzlig

Nicht erst seit Coro­na zuge­spitzt habe sich die Situa­ti­on in der Kurz­zeit­pfle­ge, beklag­te Chris­ti­an Pälm­ke (wir pfle­gen e.V.). Seit 2011 gin­gen die Kapa­zi­tä­ten hier zurück, wäh­rend gleich­zei­tig 800.000 zusätz­li­che häus­lich Pfle­gen­de hin­zu­ge­kom­men sei­en. Die Leis­tung ste­he nur auf dem Papier, in der Pra­xis gebe es War­te­lis­ten von bis zu einem Jahr. Für Pälm­ke ein „abso­lu­tes No-go“.

Die im Antrag gestell­te For­de­rung, das Pfle­ge­zeit­ge­setz und das Fami­li­en­pfle­ge­zeit­ge­setz zu einem Gesetz für mehr Zeit­sou­ve­rä­ni­tät für Pfle­ge­per­so­nen wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, stieß auch bei Dr. Tine Haub­ner von der Fried­rich-Schil­ler-Uni­ver­si­tät in Jena auf Sym­pa­thie. In die­sem Kon­text sei es rich­tig, eine steu­er­fi­nan­zier­te drei­mo­na­ti­ge „Pfle­ge­Zeit Plus“ je pfle­ge­be­dürf­ti­gem Men­schen – ana­log zum Eltern­geld – ein­zu­füh­ren. Zugleich warn­te Haub­ner vor der Gefahr einer Pre­ka­ri­sie­rung – Pfle­ge dür­fe kein Armuts­ri­si­ko sein.

Auf die Ein­be­zie­hung häus­lich Pfle­gen­der in die sie betref­fen­de Ent­schei­dungs­pro­zes­se ging Bri­git­te Bühr­len (WIR! Stif­tung pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger) ein. Die­se sei­en eine „gewich­ti­ge Stim­me“ und müss­ten etwa bei der Sozi­al­raum­pla­nung stets ange­hört wer­den. In eine ähn­li­che Ker­be schlug auch Prof. Dr. Heinz Roth­gang. Des­sen kürz­lich abge­schlos­se­ne Online-Befra­gung in 18.000 Gesund­heits­ein­rich­tun­gen habe bei pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen ein Bedürf­nis nach Aner­ken­nung auf­ge­zeigt. „Sie füh­len sich nicht gese­hen in der Coro­na-Kri­se“, so Roth­gang, „aber das zu ändern kos­tet nicht viel“. Küm­mer­te­le­fo­ne, pass­ge­naue Unter­stüt­zungs­mög­lich­kei­ten und Fle­xi­bi­li­sie­rung statt Büro­kra­tie, fass­te er die Wün­sche der Befrag­ten zusam­men.

Die struk­tu­rel­len Vor­schlä­ge im Antrag (Druck­sa­che 19/18957) für ein zen­tra­les digi­ta­les Regis­ter zur Auf­find­bar­keit und Erreich­bar­keit von Not­be­treu­ungs­an­ge­bo­ten sowie für eine bun­des­wei­te Not­fall-Hot­line stie­ßen hin­ge­gen auf ein geteil­tes Echo. Sinn­voll? Ja! Schnell umsetz­bar? Eher nein, mein­te ein Teil der Exper­ten.

Die kom­plet­te Anhö­rung vom 9.9.2020 ist hier auch als Video ver­füg­bar.