Politik
Die junge Berufs­an­fän­ge­rin Marga­rita Batzo­nis hat (22) klare Vorstel­lun­gen von ihrem Beruf und Forde­run­gen an die neue Regie­rung in Berlin Bild: Bernd Schöneck

Ortster­min in Köln. Die Politik scheint bei der jungen Frau erst einmal außen vor. „Man kann mit kleinen Dingen den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern, das ist das Tolle an der Tätig­keit“, beschreibt es die Jung-Pflege­fach­kraft Marga­rita Batzo­nis. „Empathie ist ganz wichtig, wenn man den Pflege­be­ruf ergrei­fen will. Man muss es einfach wollen. Ein vorhe­ri­ges Prakti­kum ist sehr empfeh­lens­wert, um das heraus­zu­fin­den.“

Genauso hat es die 22-Jährige selbst gemacht: Mit einem Freiwil­li­gen Sozia­len Jahr (FSJ) ab 2016 bei dem kommu­na­len Einrich­tungs­trä­ger, den Sozial-Betrie­ben Köln (SBK), fing es an.

„Es hat mir sehr gut gefal­len, so dass ich dabei geblie­ben bin“, erinnert sie sich. Es folgten das Pflicht­prak­ti­kum in der Alten­pflege, danach die dreijäh­rige Ausbil­dung zur Pflege­fach­kraft. Seit einem Jahr ist sie nun fest übernom­men und arbei­tet in „Haus 5“, einem 80 Plätze bieten­den Wohnheim für Senio­ren mit Demenz. Zusam­men mit den benach­bar­ten, ebenfalls 2016 eröff­ne­ten Häusern 3 und 4 mit gleichem Betreu­ungs-Schwer­punkt, sowie der ökume­nisch genutz­ten Einrich­tungs-Kirche St. Anna formt das Gebäude einen kleinen „Dorfplatz“, welcher der kogni­tiv beein­träch­tig­ten Bewoh­ner­schaft einen Orien­tie­rung bietet.

Die städti­schen Sozial-Betriebe Köln (SBK) sind ein sehr großer Kölner Träger der Arbeit mit Senio­ren sowie Menschen mit Behin­de­rung, mit Einrich­tun­gen über das komplette Stadt­ge­biet verteilt. Der mit weitem Abstand größte, 1927 begrün­dete Stand­ort der SBK, auf dem Batzo­nis arbei­tet, befin­det sich im Stadt­teil Riehl direkt nördlich der City, in dem auch der Kölner Zoo und der Botani­sche Garten liegen. Das campus-artige, parkähn­lich gestal­tete und rund 20 Hektar große Areal, früher „Riehler Heimstät­ten“ genannt, gilt als die größte Senio­ren-Wohnan­lage Europas; rund 1.300 Menschen – vorwie­gend Ältere, jedoch auch jüngere und mittel­alte Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner aus den Behin­der­ten-Wohnein­rich­tun­gen – leben hier.

Unter anderem ein großer Festsaal für Veran­stal­tun­gen und Feiern, eine Gärtne­rei, ein eigener kleiner Super­markt, Kunst-Ausstel­lungs­räume sowie ein Fitness­stu­dio ausschließ­lich für Trainie­rende ab 55 Jahren ergän­zen die Infra­struk­tur des kleinen „Stadt­teils im Stadt­teil“, nur einen kleinen Spazier­gang vom Rhein und dem beschau­lich-schönen Riehler Ortskern mit seinen inhaber­ge­führ­ten Läden, Cafés und dem Wochen­markt entfernt. Im Bereich der Senio­ren­pflege gibt es von „betreu­tem Wohnen“ für weitge­hend fitte Senio­ren, die nur gelegent­lich Hilfe benöti­gen, bis zur Schwerst­pflege von bettlä­ge­ri­gen Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern sämtli­che Abstu­fun­gen.

„Die alten Klischees erfas­sen die Tätig­keit bei weitem nicht“

Welche Tätig­kei­ten liebt sie in ihrem Beruf, welche weniger? „Im Prinzip mag ich das komplette Paket“, berich­tet Batzo­nis. Kernpunkt ihrer Aufga­ben ist natür­lich die eigent­li­che Pflege sowie die Medika­men­ten-Gaben, jedoch auch die Zusam­men­ar­beit mit Angehö­ri­gen. Schat­ten­sei­ten sieht sie nicht – abgese­hen von, natür­lich, dem in Pflege­be­ru­fen allge­gen­wär­ti­gen Perso­nal-Engpass, verbun­den mit einem Zeitman­gel für die Arbeit mit den Menschen. „Die Politik unter­nimmt einfach nicht das, was sie uns als Pflegende verspricht. Und dann kann auch der beste Arbeit­ge­ber nichts machen.“

In der Alten­pflege sei das Thema Vergäng­lich­keit und Abschied natür­lich häufig gegen­wär­tig. „Natür­lich haben wir manch­mal mit Sterben­den zu tun. Aber die schönen Momente in der Arbeit mit den älteren Menschen wiegen das mehr als auf.“ Generell hoffe sie, dass sich noch mehr jüngere Menschen für einen Einstieg in die Pflege begeis­ter­ten. Um dies zu errei­chen, sei es an der Zeit, den Beruf endlich anders darzu­stel­len.

„Das Klischee der Alten­pflege vom Popo-Abwischen erfasst die Tätig­keit bei weitem nicht. Und es heißt immer noch häufig, geh‘ bloß nicht in die Pflege – da machst Du Dir den Rücken kaputt, hast wenig Geld und keine Kolle­gen. Das muss sich endlich ändern.“

Politik muss sich mehr bewegen

Zurück zur Politik: Von der neuen Ampel-Bundes­re­gie­rung erhofft sich Batzo­nis, die Verbes­se­run­gen in der Pflege energisch anzuge­hen – sowohl, was die Bezah­lung betrifft, als auch die nicht-monetä­ren Dinge, die über die Arbeits­zu­frie­den­heit entschei­den. „Nicht nur sagen, sondern machen, liebe Politik! Ein gutes Gehalt ist natür­lich wichtig, aber auch die Stellen­schlüs­sel müssen sich endlich verbes­sern, wie bei uns in der Geron­to­psy­cha­trie. Man will etwas tun für die Menschen, aber kann es nicht immer – oder nicht in dem Umfang, wie man es möchte. Dann ist es kein Wunder, dass in der Pflege­bran­che so viele aus dem Beruf gehen.“

Was die Arbeit präge und ihr sehr bewusst sei, ist, dass die weitaus meisten Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner ihres Hauses für den Rest ihres Lebens dort bleiben, und nicht mehr umzie­hen. „Das Traurige ist, dass es erst eine Pande­mie brauchte, um zu merken, wie wichtig die Pflege ist, und dass es ohne uns nicht geht.“

Fürs neue Jahr hofft sie instän­dig, dass sich die Corona-Lage endlich nachhal­tig entspannt und die Politik richtige Entschei­dun­gen trifft. Dann könne sie sich wieder mehr ihrem Hobby, dem Reisen, widmen. Auch beim Sport und beim Spazie­ren begeg­net man ihr häufig – für sie ist körper­li­che Aktivi­tät ein gutes Mittel, um den Kopf frei zu bekom­men. „Aber nach Ende der Pande­mie hoffe ich, endlich wieder unbeschränkt alles machen zu können“, ohne Einschrän­kun­gen und Ängste.