Das Tragen von Schmuck in Gesundheitsberufen ist hinsichtlich Hygiene- und Sicherheitsaspekten ein Risiko.
Das Tra­gen von Schmuck in Gesund­heits­be­ru­fen ist hin­sicht­lich - und Sicher­heits­aspek­ten ein Risi­ko.Pho­to 116743850 © Mar­ben­zu – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Hygienevorschrift verbietet Schmuck

§ 35 Abs. 2 der All­ge­mei­nen Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift besagt, dass Schmuck­stü­cke nicht getra­gen wer­den dür­fen, wenn die­se den Pati­en­ten oder das Per­so­nal gefähr­den. Ein Risi­ko beim Tra­gen von Schmuck sei dabei die erhöh­te Infek­ti­ons­ge­fahr des Pati­en­ten. Gera­de Fin­ger- oder Unter­arm­schmuck, wie zum Bei­spiel Ehe­rin­ge, Arm­bän­der oder Uhren, sind laut TRBA 250 beson­ders bei Tätig­kei­ten in Ver­bin­dung mit Hand­des­in­fek­ti­ons­mit­teln strengs­tens unter­sagt. Die Grün­de: Schmuck­stü­cke an den Hän­den oder Unter­ar­men brin­gen Bak­te­ri­en mit sich, die durch Über­tra­gung Infek­tio­nen bei den Pati­en­ten her­vor­ru­fen kön­nen, bei­spiels­wei­se bei einer Wund­be­hand­lung. Unter dem Schmuck sam­meln sich zudem die Res­te des Des­in­fek­ti­ons­mit­tels, wodurch es zu Haut­ir­ri­ta­tio­nen und Ent­zün­dun­gen kom­men kann. Laut TRGS 401 Abs. 6.1.1.4 heißt es:

Arm- oder Hand­schmuck (Rin­ge) dür­fen bei der Arbeit nicht getra­gen wer­den, da unter dem Schmuck durch inten­si­ve Ein­wir­kung von Feuch­tig­keit oder Gefahr­stof­fen die Ent­ste­hung von krank­haf­ten Haut­ver­än­de­run­gen beson­ders begüns­tigt wird.“

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Ist eine Pfle­ge­kraft von einer Haut­ent­zün­dung betrof­fen, bedeu­tet dies auch auto­ma­tisch eine Gefahr für die zu pfle­gen­de Per­son. Daher ist das Tra­gen von Arm- und Hand­schmuck im Gesund­heits­we­sen ins­be­son­de­re aus hygie­ni­schen Grün­den nicht gestat­tet. Das Glei­che gilt auch für Hals­ket­ten sowie grö­ße­re Ohr­rin­ge und Pier­cings.
Kürz­lich hat das Arbeits­ge­richt (ArbG) Aachen eben­so das Tra­gen von künst­li­chen oder lan­gen Fin­ger­nä­geln im sozia­len Dienst unter­sagt.

Verletzungsrisiko ist zu hoch

Neben der Infek­ti­ons­ge­fahr stel­len Schmuck­stü­cke auch ein erhöh­tes Ver­let­zungs­ri­si­ko für die Pati­en­ten dar. Durch Rin­ge, Hals­ket­ten oder Arm­bän­der kön­nen Schnitt- oder Schürf­wun­den ent­ste­hen. Oder das Schmuck­stück ver­hakt sich mit den Schläu­chen eines Pati­en­ten und bringt die­sen in Gefahr.
Gera­de bei der Behand­lung und von ver­wirr­ten oder demen­ten Pati­en­ten bedeu­ten Schmuck­stü­cke aber auch ein hohes Risi­ko für das Per­so­nal. Ohr­rin­ge, Hals­ket­ten und Pier­cings sind leicht zu grei­fen und abzu­rei­ßen. Nicht unwahr­schein­lich ist, dass sich der Pati­ent dabei zusätz­lich selbst ver­letzt. Daher soll­te auf greif­ba­ren Schmuck dring­lichst ver­zich­tet wer­den.

Was ist erlaubt?

Es gibt jedoch auch Aus­nah­men. So stel­len klei­ne Ohr­ste­cker kei­ne erhöh­ten Risi­ken dar und sind daher nor­ma­ler­wei­se erlaubt. Das­sel­be gilt für nicht sicht­ba­re und durch Klei­dung ver­deck­te Pier­cings. Eben­so unbe­denk­lich ist das Tra­gen von Täto­wie­run­gen, solan­ge das betrof­fe­ne Haut­are­al nicht ent­zün­det ist.

1995 wur­de gericht­lich fest­ge­legt, dass der Arbeit­ge­ber unter arbeits­schutz­recht­li­chem Aspekt eben­so fest­le­gen darf, ob Schmuck getra­gen wer­den darf oder nicht (LAG Schles­wig-Hol­stein, Urt.v.26.10.1995, Az:4 Sa 467/95). Das Tra­gen von Schmuck­stü­cken steht in man­chen Ein­rich­tun­gen zudem nicht im Ein­klang mit dem Unter­neh­men­si­mage und ist daher eben­so unter­sagt.