Wahlversprechen
Wel­che Par­tei konn­te ihre Wahl­ver­spre­chen von 2017 zur Pfle­ge erfolg­reich umsetzen?

Es ist bald wie­der soweit: Die nächs­te Bun­des­tags­wahl steht vor der Tür: 26.Sptember, ein Sonn­tag. Auch bedingt durch die anhal­ten­de Coro­na-Pan­de­mie hat für vie­le Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler die Situa­ti­on in den deut­schen Pfle­ge- und Gesund­heits­ein­rich­tun­gen und die Fra­ge, was die Par­tei­en zu deren Ver­bes­se­rung beab­sich­ti­gen, durch­aus an Rele­vanz für die indi­vi­du­el­le Wahl­ent­schei­dung gewonnen.

Neben den dies­be­züg­li­chen Blick in die aktu­el­len Wahl­pro­gram­me ist es jedoch genau­so inter­es­sant, sich ein­mal anzu­schau­en, wel­che Wahl­ver­spre­chen für die Pfle­ge im Vor­feld der letz­ten Bun­des­tags­wahl abge­ge­ben wor­den sind – und was davon letzt­end­lich umge­setzt wurde.

Wahlversprechen des Koalitionspartners SPD eingelöst?

In den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren saß erneut eine Gro­ße Koali­ti­on aus der Uni­on und den Sozi­al­de­mo­kra­ten an der Spit­ze der deut­schen Regie­rung. Auch vor der Wahl 2017 gaben die bei­den Koali­ti­ons­par­tei­en bekannt, was sie für die Ver­bes­se­rung der Pfle­ge im Sinn hatten.

Die SPD ver­sprach, gegen die damals schon bekann­ten Pro­ble­me in der 24-Stun­den-Pfle­ge vor­zu­ge­hen. Wei­ter­hin for­der­te sie bereits vor vier Jah­ren die Ein­füh­rung einer ein­heit­li­che Bür­ger­ver­si­che­rung anstel­le des Sys­tems aus gesetz­li­cher und pri­va­ter Kran­ken­ver­si­che­rung. Zudem soll­te es ein Sofort­pro­gramm für mehr Pfle­ge­per­so­nal. Dar­über hin­aus soll­ten Pfle­gen­den fami­li­en­freund­li­che­re Arbeits­zei­ten gewähr­leis­tet werden.

In den Koali­ti­ons­ver­trag schaff­te es jedoch kei­ner die­ser Punk­te. Ledig­lich den Aus­bau von Pfle­ge­stütz­punk­ten zur Bera­tung und zur Stär­kung der Ver­sor­gung vor Ort konn­te die SPD mit in den Koali­ti­ons­ver­trag ein­brin­gen – auf eine Umset­zung war­tet man jedoch bis heute.

Welche konkreten Wahlversprechen konnte die Union umsetzen?

Etwas bes­ser sieht die Bilanz der CDU/CSU aus. Die Uni­on schrieb sich als stärks­te Par­tie nach der Wahl die Stär­kung der pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen, die Besei­ti­gung des Fach­kräf­te­man­gels, den Eltern­un­ter­halt und Reha-Maß­nah­men unter ande­rem für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge auf die Fahne.

Zur Umset­zung der Ideen wur­den drei Geset­ze ver­ab­schie­det: Das Pfle­ge­per­so­nal-Stär­kungs-Gesetz, das Ange­hö­ri­gen-Ent­las­tungs­ge­setz und das Inten­siv­pfle­ge- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­stär­kungs­ge­setz. Zur Wei­te­ren­wick­lung des pfle­ge­ri­schen Ver­sor­gungs­an­ge­bo­tes hat die Uni­on zudem die Kon­zer­tier­te Akti­on Pfle­ge ins Leben gerufen.

Zusätz­lich wur­den mit klei­nen Erhö­hun­gen der Pfle­ge­sach­leis­tun­gen und Kurz­zeit­pfle­ge­leis­tun­gen die Situa­ti­on der pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen zumin­dest ein wenig ver­bes­sert. Die schon damals bereits für 2021 geplan­te Pfle­ge­re­form wur­de damals wie­der verworfen.

Welche Wahlversprechen gab es vonseiten der Opposition?

Nun ein kur­zer Blick auf die letz­ten Wahl­ver­spre­chen der Par­tei­en, die sich seit 2017 in der Oppo­si­ti­on befinden:

Bünd­nis 90/Die Grü­nen: Auch sie setz­ten sich im Vor­feld der letz­ten Wahl für eine Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger ein. Zum Bei­spiel durch eine drei­mo­na­ti­ge Pfle­ge­zeit mit Extra­ta­gen für Not­si­tua­tio­nen und Lohn­er­satz­leis­tun­gen, damit sie in die­ser Pha­se von der Arbeit frei­ge­stellt wer­den können.

Wie auch die SPD for­der­ten die Grü­nen vehe­ment eine Ver­ein­heit­li­chung der Ver­si­che­run­gen hin zu einer Bürgerversicherung.

Des Wei­te­ren ver­lang­ten die Grü­nen die Ein­füh­rung eines ver­bind­li­chen Per­so­nal­be­mes­sungs­sys­tems, den Aus­bau der ambu­lan­ten Wohn- und Pfle­ge­for­men sowie ein grö­ße­res Mit­spra­che­recht der Gesund­heits­be­ru­fe in den Gre­mi­en der Selbstverwaltung.

FDP: Die Libe­ra­len for­der­ten in ihren Wahl­ver­spre­chen einen Aus­bau des Hos­piz­we­sens sowie der Pal­lia­tiv­ver­sor­gung in Kli­ni­ken, Pfle­ge­hei­men und in der Heim­pfle­ge. Dane­ben soll­ten Pfle­ge- und Betreu­ungs­leis­tun­gen im Haus­halt steu­er­lich stär­ker berück­sich­tigt werden.

Auch 2017 setz­te sich die FDP für eine Redu­zie­rung der Büro­kra­tie und der schrift­li­chen Doku­men­ta­ti­on in der Pfle­ge ein, um dem Per­so­nal mehr Zeit für die Ver­sor­gug der Pati­en­ten zu ermöglichen.

Zudem for­der­te die FDP eine inte­gra­ti­ve Aus­bil­dung für Pfle­ge­kräf­te mit einem gemein­sa­men ers­ten Aus­bil­dungs­jahr und spe­zia­li­sier­ten Folgejahren.

DIE LINKE: Hät­te die LINKE 2017 an der Regie­rungs­spit­ze gestan­den, gäbe es womög­lich schon jetzt einen flä­chen­de­cken­den Pfle­ge­min­dest­lohn in Höhe von 14,50 Euro pro Stun­de und damit ins­ge­samt höhe­re Gehäl­ter. Womög­lich hät­te sich damit auch der Wunsch nach mehr Pfle­ge­per­so­nal ein­fa­cher erfül­len lassen.

Dazu for­der­te die LINKE die Ein­füh­rung einer Pfle­ge­voll­ver­si­che­rung, die alle pfle­ge­be­ding­ten Leis­tun­gen umfasst. Kei­ne Rest­kos­ten mehr für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und deren Ange­hö­ri­ge – so war die Vor­stel­lung der LINKEN.

Redak­ti­ons­tipp: Im Zuge der Bun­des­tags­wah­len 2021 hat sich die Rechts­de­pe­sche auch mit den aktu­el­len Wahl­pro­gram­men der Par­tei­en aus­ein­an­der­ge­setzt und geschaut, wel­che Wahl­ver­spre­chen die Par­tei­en für die kom­men­de Legis­la­tur­pe­ri­ode in den Berei­chen Pfle­ge und Gesund­heit liefern.

Lesen Sie jetzt: Was will wel­che Par­tei für die Pfle­ge tun?