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Gemeindeschwestern
Die Gemein­de­schwes­ter ist eine mobile Pflege­kraft, die hochbe­tagte, jedoch noch nicht pflege­be­dürf­tige Menschen vorwie­gend ab 80 Jahren, zu Hause besuchtBild: rawpixel.com/de.freepik.com

Gemein­de­schwes­tern? Wer soll das sein? Eine mobile Pflege­kraft, die hochbe­tagte, jedoch noch nicht pflege­be­dürf­tige Menschen vorwie­gend ab 80 Jahren zu Hause besucht, ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht, mit Ansprech­part­nern für alle Lebens­la­gern zur Stelle ist. Die die Senio­ren anregt, Gesund­heits­vor­sorge zu betrei­ben und Präven­ti­ons­an­ge­bote wahrzu­neh­men und sie auf Freizeit- und Gruppen­an­ge­bote in ihrem Lebens­um­feld aufmerk­sam macht.

Projekt nun auch in NRW

Die Möglich­kei­ten und Tricks kennt, die eigene Wohnung oder das eigene Haus barrie­re­frei und senio­ren­ge­rech­ter zu gestal­ten. Und somit, alles in allem, dafür sorgt, dass sie auch in den nächs­ten Jahren fit und selbst­be­stimmt bleiben: Das ist, in Kurzform gesagt, die Aufgabe der „Gemein­de­schwes­tern Plus“.

Nun soll das Projekt auch bei den nördli­chen Nachbarn Schule machen, dem bevöl­ke­rungs­reichs­ten Bundes­land NRW: Im Gesund­heits­aus­schuss des NRW-Landtags wird derzeit disku­tiert, den Einsatz sogenann­ter Gemein­de­schwes­tern Plus auch „zwischen Rhein und Weser“ zu erpro­ben. Initia­to­ren sind die in NRW opposi­tio­nelle SPD sowie der Deutsche Berufs­ver­band für Pflege­be­rufe (DBfK) Nordwest, der das Vorha­ben unterstützt.

Gemein­de­schwes­tern plus verfü­gen über lange Berufserfahrung

Die Gemein­de­schwes­tern Plus verfü­gen jeweils über eine jahre­lange Berufs­er­fah­rung in der Alten- oder Kranken­pflege – und können natür­lich sowohl weiblich als auch männlich sein. Seit Juli 2015 gibt es das Modell in Rhein­land-Pfalz, damals als dreiein­halb­jäh­ri­ges Pilot­pro­jekt, komplett vom Land finan­ziert. Damals waren drei Landkreise und zwei kreis­freie Städte beteiligt.

„Mit diesem Projekt knüpft die Landes­re­gie­rung an die guten Erfah­run­gen der Menschen mit der Gemein­de­schwes­ter aus den 1950er- und 1960er-Jahren an. Auch die damalige Gemein­de­schwes­ter kümmerte sich insbe­son­dere um die älteren Menschen im häusli­chen Bereich“, so die rhein­land-pfälzi­sche Minis­ter­prä­si­den­tin Malu Dreyer zum damali­gen Start des Modellversuchs.

Wissen­schaft­ler stimmen zu

Bei der wissen­schaft­li­chen Evalu­ie­rung durch das Insti­tut für Sozio­lo­gie und Sozial­psy­cho­lo­gie der Univer­si­tät Köln kamen die Autoren im Juli 2018 zu einer durch­weg zustim­men­den Bilanz: „Das Fazit ist grund­sätz­lich positi­ver Art. Es ist an der Grund­idee solcher lokalen Struk­tu­ren zur Generie­rung nachhal­ti­ger Sozial­raum­ent­wick­lung als konsti­tu­ti­ves Element der kommu­na­len sozia­len Daseins­vor­sorge fachwis­sen­schaft­lich und fachpo­li­tisch kaum zu zweifeln“, heißt es im Abschluss­be­richt.

Es gelte jedoch, auf lokale oder regio­nale kultu­relle Beson­der­hei­ten Rücksicht zu nehmen, auch erfor­dere das Konzept die Unter­stüt­zung und Bereit­schaft der Betei­lig­ten in den Pflegestützpunkten.

Pilot­pro­jekt in Rhein­land-Pfalz verzeich­nete großes Echo

Weil das Modell so erfolg­reich war, schlos­sen sich ab 2019 die im Bundes­land tätigen gesetz­li­chen Kranken­kas­sen in der Finan­zie­rung des Angebots an. Mittler­weile gibt es die Gemein­de­schwes­tern Plus in insge­samt 19 kreis­freien Städten und Landkrei­sen, darun­ter in der Landes­haupt­stadt Mainz, in Koblenz, Kaisers­lau­tern und Speyer sowie in einigen Kreisen der größten­teils ländlich gepräg­ten Regio­nen Eifel, Hunsrück und Südpfalz.

Darüber hinaus haben sich einzelne kreis­an­ge­hö­rige Kommu­nen und Verbands­ge­mein­den selbst­stän­dig dem Projekt angeschlos­sen, so etwa die Regio­nal­me­tro­pole Monta­baur im Wester­wald. „Das Projekt Gemein­de­schwes­ter plus hat für Rhein­land-Pfalz große Bedeu­tung – es ist ein Leucht­turm“, lobt das Bundes­in­sti­tut für Bevöl­ke­rungs­for­schung. „Es hat Vorbild­cha­rak­ter für ganz Deutsch­land erlangt.“ Im Sommer 2022 sollen die Ergeb­nisse der Evalua­tion der Fortset­zungs­phase des rhein­land-pfälzi­schen Projek­tes vorliegen.

Kompe­tenz­er­wei­te­rung der Pflegetätigkeit

Zurück nach NRW: Bereits Anfang Septem­ber 2021 hatte die SPD hier einen Antrag „Präven­tion und soziale Teilhabe von Senio­rin­nen und Senio­ren stärken! Pflege­be­dürf­tig­keit und Verein­sa­mung struk­tu­rell entge­gen­wir­ken! Gemein­de­schwes­ter Plus in NRW erpro­ben“ einge­reicht, der unter anderem eine Erpro­bung des Konzepts der Gemein­de­schwes­tern Plus vorsieht. Nach den Vorstel­lun­gen der Sozial­de­mo­kra­ten soll das Modell gezielt in ländli­che­ren Regio­nen des Bundes­lan­des erprobt werden.

„Das Modell der Gemein­de­schwes­ter sollte in NRW genutzt werden, um die Vernet­zung und Abstim­mung der verschie­de­nen Versor­gungs­ebe­nen zu verbes­sern, eine Kompe­tenz­er­wei­te­rung der Pflege­tä­tig­keit anzusto­ßen sowie die Präven­tion und die Gesund­heits­kom­pe­tenz der Bürge­rin­nen und Bürger zu stärken“, so das Antrag­stel­ler-Quartett um Frakti­ons­chef Thomas Kutschaty, der zur kommen­den Landtags­wahl im Mai 2022 als Spitzen­kan­di­dat seiner Partei antritt.

Angesichts der Tatsa­che, dass rund 80 Prozent der knapp eine Million Pflege­be­dürf­ti­gen in NRW zuhause versorgt werden, bedürfe es recht­zei­ti­ger präven­ti­ver Hilfe, zitiert die Westdeut­sche Zeitung den SPD-Gesund­heits­ex­per­ten Josef Neumann. Wenn die Landes­re­gie­rung nach der Landtags­wahl im Mai wechseln solle, werde man das Projekt von Regie­rungs­seite aus verfol­gen, kündigte er zudem an.