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Welche Folgen kann ein Sturz haben? Und wie gelingt eine gute Sturzprophylaxe in der Pflege?
Wel­che Fol­gen kann ein Sturz haben? Und wie gelingt eine gute Sturz­pro­phy­la­xe in der Pfle­ge?Bild: © Toa555 | Dreamstime.com

Was versteht man unter einem Sturz?

Aus dem Exper­ten­stan­dard der Sturz­pro­phy­la­xe in der Pfle­ge geht die Defi­ni­ti­on des Begriffs „Sturz“ her­vor. Unter einem Sturz ver­steht man ein Ereig­nis, bei dem eine Per­son unbe­ab­sich­tigt auf dem Boden oder einer ande­ren unten gele­ge­nen Ebe­ne zum Lie­gen kommt. Hier­zu zählt das simp­le Hin­fal­len oder Stol­pern eben­so wie das Fal­len aus dem Bett oder Rollstuhl.

Welche Folgen kann ein Sturz haben?

Bei älte­ren oder pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen ist ein Sturz beson­ders gefähr­lich. Harm­los sind leich­te Ver­let­zun­gen wie Prel­lun­gen oder Hautabschürfungen.

In schlim­me­ren Fäl­len kön­nen Stür­ze auch zu Kno­chen­brü­chen oder wei­te­ren Ver­let­zun­gen füh­ren, die einen ope­ra­ti­ven Ein­griff for­dern. Nicht sel­ten führt die Bett­lä­ge­rig­keit im Kran­ken­haus auch zu einem Dekubitus mit anschließender Sepsis, die sogar tödlich enden kann.

Bei älteren Menschen kann ein Sturz zudem ein psychisches Trauma auslösen. Die Angst vor dem Sturz führt dann dazu, dass die Patienten ihre Mobilität von sich aus einschränken.

Welche Patienten sind besonders sturzgefährdet?

Stürzen kann prinzipiell jeder. Als besonders sturzgefährdet gelten vor allem ältere Menschen, etwa ab 65 Jahren, aber auch Personen, die aufgrund von Vorerkrankungen in ihrer Koordination und Mobilität eingeschränkt sind. Die " eines sturzereignisses wird mit dem>Sturz­ri­si­ko definiert.

Die Höhe des Sturz­ri­si­kos ist aus­schlag­ge­bend für die zu tref­fen­den Maß­nah­men bei der Pfle­ge und Ver­sor­gung von älte­ren oder kran­ken Menschen.

Hier auf­ge­lis­tet ist eine Rei­he von Krank­hei­ten und Risi­ko­fak­to­ren, die das Sturz­ri­si­ko erhöhen:

  • Mus­kel­schwä­che, zum Bei­spiel durch Immo­bi­li­tät oder Gewichtsverlust
  • Seh­schwä­che
  • Demenz
  • Gang­un­si­cher­heit oder Gang­stö­rung, bei­spiels­wei­se durch Par­kin­son oder Schwindelanfälle
  • Arthro­sen oder Öde­me an den Beinen
  • Alko­ho­lis­mus
  • Hypo­to­nie
  • Fal­sches Schuh­werk und unge­wohn­te Wohnumgebung
  • Blud­druck­sen­ken­de, beru­hi­gen­de oder ande­re Medi­ka­men­te, sowie Antipsychotika

Was ist Sturzprophyaxe in der Pflege?

Das Ziel einer Sturz­pro­phy­la­xe ist, wie der Name ver­rät, Stür­ze von älte­ren Men­schen zu ver­mei­den. In der Pfle­ge ver­steht man unter der Sturz­pro­phy­la­xe the­ra­peu­ti­sche und pfle­ge­ri­sche Maß­nah­men, um Stür­ze zu umge­hen, bezie­hungs­wei­se die Fol­gen so mini­mal wie mög­lich zu halten.

Was macht man bei einer Sturzprophylaxe?

Zur Sturz­prä­ven­ti­on wer­den auch phy­si­sche Hilfs­mit­tel wie Bett­git­ter, Rol­la­to­ren oder Roll­stüh­le ver­wen­det. Dar­über hin­aus befin­den sich in Pfle­ge­hei­men auch in der Dusche und auf der Toi­let­te Grif­fe oder Fuß­mat­ten zur Ver­mei­dung von Stürzen.

Ziel ist der Sturz­pro­phy­la­xe ist es jedoch nicht, einen Heim­be­woh­ner auf­grund des­sen hohen Sturz­ri­si­kos dau­er­haft ans Bett oder den Rol­la­tor zu fes­seln, son­dern statt­des­sen die Mobi­li­tät und Bewe­gungs­fä­hig­keit der Bewoh­ner wie­der auf­zu­bau­en und zu stär­ken, damit die­se weni­ger sturz­an­fäl­lig sind.

Dazu gehö­ren:

  • Übun­gen zur För­de­rung des Gleich­ge­wichts, Bewe­gungs­trai­ning, Kraft- und Aus­dau­er­trai­ning unter Berück­sich­ti­gung von Krank­hei­ten, die die Mobi­li­tät beeinträchtigen
  • Anpas­sung oder Abset­zen von Medi­ka­men­ten, die das Sturz­ri­si­ko stei­gern (sie­he oben)
  • Anpas­sung des Schuh­werks, Trai­ning mit Geh­hilfs­mit­teln, Besei­ti­gung von Stol­per­fal­len, Anbrin­gung von Hal­te­grif­fen

In einem Urteil des OLG Düs­sel­dorf vom 13. Juli 2010 (I 24 U 16/10) ist genau die­ser Aspekt zum Streit­the­ma gewor­den: Geklagt hat­te die Kran­ken­kas­se einer pfle­ge­be­dürf­ti­gen Per­son, die in einer sta­to­nä­ren Ein­rich­tung der Beklag­ten lebt. Der Bewoh­ner (Pfle­ge­stu­fe II) war manisch depres­siv und litt dazu an Hyper­ki­ne­sien (Tics), sowie an einer Poly­neu­ro­pa­thie der Bei­ne mit Gangtaxie.

Zeit­wei­len wur­den beim Bewoh­ner Bett­git­ter, Becken­gurt, Schutz­de­cke und Vor­steck­tisch im Roll­stuhl zur Sturz­prä­ven­ti­on nach gericht­li­cher Geneh­mi­gung ein­ge­setzt. Im MDK-Gut­ach­ten ist jedoch aus­drück­lich fest­ge­schrie­ben, dass der Bewoh­ner allei­ne auf­ste­hen, ste­hen und trep­pen­stei­gen kei­ne Unter­stüt­zung bräuch­te. Ledig­lich beim Gehen bräuch­te er eine Auf­sicht zur Unterstützung.

Die Kran­ken­kas­se beklagt, dass der Pati­ent bei einem Auf­ent­halt im Tages­raum, nicht an den Stuhl fixiert wor­den sei. Der Pati­ent war an sel­bi­gem Tag plötz­lich auf­ge­stan­den und gestürzt, wodurch er sich eine Ober­schen­kel­hals­frak­tur zuzog. Gegen die zu über­neh­men­den Kos­ten wehr­te sich die Kas­se vor Gericht.

Die Kla­ge wur­de zurecht abge­wie­sen. Zwar obliegt der Pfle­ge­ein­rich­tun­gen bei kon­kre­ten Gefah­ren­si­tua­tio­nen die Pflicht, unter beson­de­rer Rück­sicht­nah­me poten­zi­el­le Gefah­ren für die Bewoh­ner zu ver­hin­dern, eine sol­che kon­kre­te Gefah­ren­si­tua­ti­on liegt in die­sem Fall jedoch nicht vor.

Im Gegen­teil: Aus dem MDK-Gut­ach­ten ging her­vor, dass sich der Pati­ent von selbst von Stüh­len erhe­ben kann. Das heißt, die Situa­ti­on ist ledig­lich als „all­ge­mein­täg­li­che Gefah­ren­si­tua­ti­on“ ein­zu­stu­fen. Des Wei­te­ren wäre eine Fixie­rung des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen gleich­be­deu­tend mit einer Ver­let­zung von des­sen Frei­heits­rech­ten gewe­sen. Zumin­dest eine gegen­tei­li­ge Behaup­tung liegt in die­sem Fall nicht vor. Dem Pfle­ge­heim obliegt daher kei­ne Ver­let­zung ihrer ver­trag­li­chen Pflicht zum Schut­ze des Bewohners.

Eine dau­er­haf­te Fixie­rung eines Bewoh­ners ist nur mit gericht­li­cher Geneh­mi­gung und einer aku­ten Sturz­ge­fahr erlaubt.

Wie lässt sich das Stürzen daheim vorbeugen?

Bei zu pfle­gen­den Per­so­nen in der Heim­pfle­ge kön­nen fol­gen­de Knif­fe hilf­reich sein, um die Sturz­ge­fahr des Pati­en­ten zu senken:

  • Trep­pen­ge­län­der an bei­den Seiten
  • Rutsch­fes­te Böden, zum Bei­spiel Teppiche
  • Gute Beleuch­tung, gera­de auf Trep­pen und Stufen
  • Kei­ne unnö­ti­gen Stol­per­fal­len auf den Boden stellen
  • Wich­ti­ge Din­ge für den Ange­hö­ri­gen, wie Tele­fon, Geträn­ke oder ähn­li­ches auf eine Ebe­ne (am bes­ten Erd­ge­schoss) räumen
  • Pas­sen­des Schuhwerk
  • Mobi­li­tät und Gleich­ge­wicht trainieren